Hedge-Fonds
Elf Jahre Insiderhandel bringen SAC vor Gericht

Tagesgespräch an der Wall Street: Der Hedgefonds SAC Capital Advisors soll in Insidergeschäfte verstrickt gewesen sein. Tochterfirmen hatten mit der Börsenaufsicht einen Deal - doch das konnte eine Klage nicht abwenden.
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New YorkDie USA klagen einen der mächtigsten Hedgefonds des Landes wegen Insiderhandel an. Die Bundesstaatsanwaltschaft von Manhattan ist überzeugt, dass SAC Capital Advisors bei seinen Spekulationen jahrelang verbotenerweise Tipps von Informanten aus verschiedenen Unternehmen genutzt hat.

Das ungesetzliche Verhalten sei „umfangreich, weit verbreitet und ohne Beispiel in der Hedgefonds-Industrie“ gewesen, hieß es in der am Donnerstag veröffentlichten Anklageschrift. „Zahlreiche Mitarbeiter“ hätten dabei mitgemacht, angespornt von den Rahmenbedingungen im Unternehmen. Der Staatsanwaltschaft zufolge fanden die Taten zwischen 1999 und 2010 statt.

Schon seit langem steht SAC Capital Advisors im Visier der Behörden. Zwei Tochterfirmen hatten sich im Rahmen eines Vergleichs mit der Börsenaufsicht SEC bereiterklärt, mehr als 600 Millionen Dollar zu zahlen, um Insidervorwürfe aus der Welt zu schaffen. Die Summe ist eine der höchsten, die je ein Hedgefonds in einem solchen Fall gezahlt hat. Mit der Anklage bekommt der Fall jedoch eine neue Dimension. Noch ist nicht abzusehen, was dies für das Schicksal des Unternehmens bedeutet.

SAC Capital wies die Anschuldigungen zurück. Ein SAC-Sprecher sagte, dass der Fonds niemals Insidergeschäfte getätigt habe. Das Unternehmen werde seine Arbeit trotz der Anklage fortsetzen.

SAC Capital ist einer der erfolgreichsten und bekanntesten Spieler der Branche, benannt nach den Initialen von Gründer und Chef Steven A. Cohen. Der Hedgefonds verwaltet nach Angaben des „Wall Street Journal“ rund 14 Milliarden Dollar (10,7 Milliarden Euro), knapp die Hälfte davon gehört außenstehenden Kunden. Wegen der Negativschlagzeilen wollten Investoren jedoch etwa 5 Milliarden Dollar abziehen, schrieb das Blatt unter Berufung auf eingeweihte Personen.

Insiderhandel ist verboten, weil er andere Anleger benachteiligt. Gerichte verurteilten in jüngerer Vergangenheit gleich mehrere Wall-Street-Größen zu Gefängnisstrafen, darunter den ehemaligen Goldman-Sachs-Verwaltungsrat Rajat Gupta und Hedgefonds-Manager Raj Rajaratnam. Die SEC erwirkte in parallel laufenden Zivilverfahren hohe Geldstrafen und Berufsverbote.

Erst am Freitag hatte sich die Börsenaufsicht auch SAC-Gründer Cohen vorgeknöpft. Zwar wird ihm kein Insiderhandel an sich vorgeworfen, wohl aber mangelnde Aufsicht über seine Mitarbeiter. Die Behörde will erreichen, dass Cohen keine Kundengelder mehr verwalten darf.

Er selbst besitzt jedoch auch ein großes Vermögen. Das Magazin „Forbes“ führt ihn auf seiner Liste der Superreichen auf Rang 117 mit geschätzten 9,3 Milliarden Dollar (7,1 Milliarden Euro, Stand März 2013). Cohen, der die mehr als zwei Billionen Dollar schwere Hedgefondsbranche über Jahrzehnte mit aufgebaut hat und zu den besten Händlern seiner Generation zählt, weist die Anschuldigungen zurück.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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