Hedge Fonds für vermögende und informierte Investoren geeignet
Kursmanipulation durch Hedge Fonds überbewertet

Kursmanipulationen durch Hedge Fonds werden nach Einschätzung von Branchenexperte Wolfgang Gerke überbewertet. „Nur wenn Hedge Fonds manipulativ verwaltet werden und versuchen, die Kapitalmärkte selber zu gestalten, können sie Bewegungen verzerren“, sagt der Professor für Bank- und Börsenwesen an der Universität Nürnberg-Erlangen. Allerdings sei das eher die Ausnahme als die Regel.

dpa FRANKFURT. Der Finanzexperte betonte, dass Hedge Fonds auch stabilisierend wirken können. „Die Manager versuchen Fehlbewertungen am Markt auszunutzen“, sagte er. „Dabei kann eine Entwicklung in die falsche Richtung wieder korrigiert werden.“

Ob die Spekulationen von Hedge Fonds tatsächlich stabilisierend wirken oder das Gegenteil bewirken, sei jedoch wissenschaftlich nicht bewiesen, räumte Gerke ein. „Dafür spricht, dass sich die Verwalter mehr an die fundamentalen Werte orientieren und damit eine realistische Kursbewertung fördern.“ Das Risiko einer Fehleinschätzung durch die Fondsmanager könne dabei nicht ausgeschlossen werden. Gerke: „Für eine Destabilisierung spricht, dass die Kurskorrekturen durch Hedge Fonds verzerrt werden.“

Gerke kritisierte, dass Hedge Fonds häufig als Auslöser für heftige Bewegungen herangezogen werden. „Dies geschieht vor allem dann, wenn keine andere Erklärung gefunden wird“, sagte der Branchenexperte. „Aber Hedge Fonds sind als Prügelknabe nun einmal ideal geeignet.“

In einem Punkt zeigte sich Gerke zurückhaltend. „Skeptisch bin ich dann, wenn Hedge Fonds mit einem sehr hohen Verschuldungsgrad in den Terminmärkten spekulieren und so mit verhältnismäßig wenig Geld ein große Wirkung erzielen können.“ Dies sei bei bewusstem Missbrauch besonders problematisch. „Daher sollten Hedge Fonds kontrolliert werden“, sagte er. „Die Finanzaufsicht BaFin muss überwachen, ob die Regeln des Marktes eingehalten werden.“

Der Nürnberger Professor begrüßte dennoch die Zulassung von Hedge Fonds in Deutschland. „Für den deutschen Anleger ist es wesentlich sicherer, kontrollierte Hedge Fonds zu erwerben statt ausländische, wo er zum Teil noch nicht einmal die Provisionsregeln kennt.“ Seiner Ansicht nach ist der Gesetzesentwurf jedoch zu eng gefasst. „Der Kauf von Hedge Fonds sollte direkt möglich sein und nicht nur über Dachfonds“, sagte er. „Das ist mit Sicherheit riskanter - aber der Anleger muss sich bewusst für oder gegen das Risiko entscheiden.“ Hedge Fonds seien ohnehin nichts für den Kleinanleger, sondern für den vermögenden und informierten Investor.

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