Hedge-Fonds
Grüne Spekulanten

Was macht eine Heuschrecke auf der Hauptversammlung der Vereinten Nationen? Sie doziert über Umweltschutz. Anfang Juni kam es zu dieser egnung der ungewöhnlichen Art. Pierre Lagrange, einer der Gründer des Londoner Hedge-Fonds GLG, machte sich auf den Weg nach New York, um die Delegierten über die Finanzmärkte und Möglichkeiten des Umweltschutzes aufzuklären.

LONDON. Rein äußerlich könnte man Lagrange durchaus für einen Aktivisten von Greenpeace halten. Jeans, offenes Hemd, lange braune Haare, die bis auf die Schultern fallen. Aber der Hedge-Fonds-Manager lässt keinen Zweifel daraus, dass es ihm nicht nur um ökologisches Engagement, sondern auch und vor allem um Rendite geht. "Wir glauben, dass der Umweltschutz einen ähnlich großen Einfluss auf Unternehmen und das Verhalten der Verbraucher haben wird, wie das Internet", machte Lagrange den Uno-Delegierten klar.

Der GLG-Gründer gehört zu einer neuen Klasse von Investoren, die nach dem Motto handeln: "Tue Gutes und verdiene daran!" Längst hat sich der Umweltschutz vom ethischen Anliegen zum knallharten Finanzthema entwickelt. Selbst die Wall Street surft auf der Ökowelle, auch wenn die US-Regierung das Problem der Erderwärmung lange Zeit geleugnet hat. Investmentbanken wie Goldman Sachs oder Merrill Lynch setzen inzwischen ganze Expertenteams auf das Thema an.

Was vor einigen Jahren noch in Greenpeace Flugblättern verbreitet worden ist, findet sich heute in Analystenstudien. Akribisch bereiten die Finanzexperten die von Wissenschaftlern entwickelten Umweltszenarien auf, um daraus Schlussfolgerungen für die Investmentstrategie ihrer Kundschaft abzuleiten.

Eines der prominentesten Beispiele lieferte der frühere US-Vize-Präsident Al Gore, der mit seinem Film "Eine unbequeme Wahrheit" die Klimadiskussion anheizte. Gore gründete den ökologischen Hedge-Fonds Generation Investment. Noch sind solche Initiativen selten, aber das ändert sich.

GLG, einer der größten Londoner Hedge-Fonds, hat Anfang 2007 einen "Umweltfonds" aufgelegt, der in ökologisch korrekte Aktien investiert. Das Kalkül dahinter: "Bislang schlagen sich die von Unternehmen verursachten Umwelkosten nur zu einem geringen Teil in den Bilanzen nieder. Wir sind aber davon überzeugt, dass Regierungen, Verbraucher und Investoren die Unternehmen zwingen werden, einen Preis für diese Lasten zu bezahlen", erläutert Lagrange. Am Ende würden ökologisch verantwortungsvolle Unternehmen deshalb auch in Sachen Rendite besser abschneiden als Umweltsünder. Der Hedge-Fonds-Manager geht sogar noch einen Schritt weiter. "Unsere Erfahrung zeigt, dass Engagement für den Umweltschutz, zunehmend ein Indiz für gutes und effizientes Management insgesamt ist". Will heißen, Manager, die die Auswirkungen der ökologischen Herausforderungen erkannt haben, beweisen auch auf anderen Gebieten Weitblick, und davon profitieren die Investoren. Lagrange ist davon überzeugt, dass Investitionen in den Umweltschutz am Ende keine Belastung für die Unternehmen sind, sondern Wert schaffen; das beweise auch eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey.

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