Hedge-Fonds
Insiderskandal zieht weltweit Kreise

Die Liste der Verdächtigen im Skandal um Insiderhandel von Hedge-Fonds wird länger. Und auch die Sorgenfalten in der Finanzbranche werden größer. Hedge-Fonds-Manager fürchten, dass sie in Sippenhaft genommen werden. Und in der Tat: Die US-Börsenaufsicht will die Produkte genau beobachten, Großbritanniens Behörden agieren noch deutlich aggressiver.
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asd/mm/ret/sos FRANKFURT/LONDON/NEW YORK. Die Ermittlungen rund um den Insiderhandels-Skandal des Hedge-Fonds Galleon weiten sich aus. US-Ermittler haben Handelsaufzeichnungen eines Managers angefordert, der früher für den renommierten Hedge-Fonds SAC Capital Advisors gearbeitet hat, berichtet das „Wall Street Journal“. Einer der mit den Behörden kooperierenden Zeugen soll für ihn tätig gewesen sein, heißt es. Das bedeutet zwar noch längst nicht, dass der Manager Richard Grodin etwas falsch gemacht hat, oder dass SAC Capital Advisors in den größten Insidertrading-Skandal eines Hedge-Fonds verwickelt ist. Der Fall rückt jedoch die Branche, die seit Galleon ohnehin im Fokus der Öffentlichkeit steht, in ein noch schlechteres Licht.

„Hedge-Fonds-Manager sind besorgt, wegen Insiderhandels beschuldigt zu werden, obwohl sie nur normale Recherche betreiben“, sagt Henry Bregstein von der Anwaltskanzlei Katten Muchin Rosenman, die unter anderem Hedge-Fonds, Banken und Investmentberater vertritt. „Es ist eine Tatsache, dass allein der Vorwurf des Fehlverhaltens genügt, um einen Fonds zu schaden.“

Die SEC sei entschlossen, „den Vorhang vor den Hedge-Fonds zurückzuziehen“ und sich deren Handlungen genau anzusehen, hatte Robert Khuzami von der US-Börsenaufsicht SEC nach der Verhaftung von Galleon-Gründer Raj Rajaratnam verkündet. Dabei taucht der Handel mit verbotenen Informationen in allen Anlegerkreisen auf. „Dieses Problem auf die Hedge-Fonds zu isolieren, ist schlicht sachlich verfehlt“, kritisiert Domenico Truncellito von der weltweit größten Hedge-Fonds-Gesellschaft Man Investments. Dafür sei diese Anlageklasse auch viel zu stark diversifiziert: Nur ein kleiner Teil der weltweiten Hedge-Fonds würden fundamental mit Aktien handeln. Viele Hedge-Fonds würden zum Beispiel als Managed-Futures-Anbieter mit quantitativen Modellen allein unter technischen Aspekten am Aktienmarkt aktiv sein. Bei diesen Hedge-Fonds spiele die fundamentale Analyse – also die Unternehmens-Information – überhaupt keine Rolle.

„Hedge-Fonds stehen unter so großer Beobachtung wie noch nie, obwohl sie keine Schuld an der Finanzkrise haben“, sagt Larry Tabb, Gründer des Analyse- und Beratungshauses Tabb Group. In den USA ist der Handel mit Insider-Informationen seit Jahrzehnten streng verboten. Dabei sind Insider-Geschäfte gerade bei Hedge Fonds schwer nachzuweisen, da sie häufig mehrmals am Tag die gleichen Wertpapiere kaufen und verkaufen. Doch nach dem Skandal um Milliardenbetrüger Bernhard Madoff gehen Ermittler deutlich aggressiver vor und konzentrieren sich Bergstein zufolge nun verstärkt auf größere Fische: „Vor Madoff war die vorherrschende Meinung, dass sich die großen Spieler der Branche selbst regulieren würden. Nun hat sich der Schwerpunkt geändert.“

Auch in Großbritannien sind die Ermittler deutlich aggressiver geworden. Allein in diesem Sommer hat die britische Finanzaufsicht FSA drei Insider-Ringe auffliegen lassen. Nach Einschätzung der Rechtsanwaltskanzlei Kanzlei Barlow Lyde & Gilbert war das die größte Verhaftungsserie, seit die FSA im Jahr 2001 ihre Arbeit aufgenommen hat. Die Häufung ist kein Zufall, denn unter ihrem neuen Chef Adair Turner propagiert die FSA eine Null-Toleranz-Strategie gegenüber jeder Art dubioser Finanzmarktgeschäfte.

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