Hedge-Fonds
Investoren fühlen sich von Amaranth düpiert

Der amerikanische Hedge-Fonds Amaranth hat die Risiken auf dem Gasmarkt unterschätzt. Firmenchef Nick Maounis räumte in ein, dass „eine Serie von ungewöhnlichen und unvorhersehbaren Ereignissen“ den Verlust von insgesamt sechs Mrd. Dollar verursacht habe. Nun prüft auch die US-Börsenaufsicht die Fehlspekulation des Hedge-Fonds.

NEW YORK / LONDON. Maounis entschuldigte sich bei seinen Anlegern und kündigte an, ihre Rückzahlungsforderungen zu überprüfen. Die US-Börsenaufsicht SEC untersucht, ob Amaranth seine Investoren bewusst über die Risiken im Unklaren gelassen hat.

Der Hedge-Fonds hatte sich auf dem Gasmarkt verspekuliert und vergangene Woche etwa 65 Prozent seines verwalteten Vermögens von gut neun Mrd. Dollar verloren. Auslöser der Krise war ein Verlust von 560 Mill. Dollar am 14. September, der die Kreditgeber von Amaranth dazu veranlasste, ihre Sicherheitsforderungen (margin calls) deutlich zu erhöhen.

Das führte zu einer Kettenreaktion. Der Hedge-Fonds versuchte erfolglos, seine offenen Handelspositionen auf dem Energiemarkt zu verkaufen. Es habe „keinen Ausweg“ gegeben, sagte Maounis. Die fehlende Liquidität vergrößerte die Verluste und zwang den Fonds dazu, andere Vermögensbestände zu Discountpreisen abzugeben, um die Forderungen der Banken zu erfüllen. Erst später konnte Amaranth seine Energiegeschäfte mit weiteren Verlusten an die Großbank JP Morgan und den Hedge-Fonds Citadel weiterreichen. Die Citigroup verhandelt dem Vernehmen nach über eine direkte Beteiligung an Amaranth.

Die kurzen Erklärungen von Maounis – Fragen durften nicht gestellt werden – ließen viele Investoren ratlos zurück. „Ich weiß jetzt nicht mehr als vorher“, sagte David Deutsch, Chief Investment Officer des Pensionsfonds von San Diego County. Der Fonds hat 175 Mill. Dollar in Amaranth investiert. Die Anleger sind verärgert, weil das Management des Hedge-Fonds noch kurz vor der Schieflage außergewöhnlich große Risiken in seinen Handelspositionen bestritten hatte. Zudem gab Amaranth die Verluste erst an jenem Tag bekannt, an dem die Frist für Investoren ablief, ihr Geld nach dem dritten Quartal zurückzufordern.

Der Hedge-Fonds muss jetzt nicht nur die Untersuchung der amerikanischen Börsenaufsicht fürchten, sondern auch Klagen düpierter Anleger. Die SEC will offenbar darüber hinaus die Beziehungen zwischen Hedge-Fonds und ihren Brokern unter die Lupe nehmen. Wickeln die Fonds ihre Transaktionen über eigene Broker ab, könnte das nach Meinung der Börsenaufsicht zu Interessenkonflikten führen, da die Finanzmanager dann einen Anreiz hätten, das Handelsvolumen nach oben zu treiben.

Auch in London will die Finanzaufsicht FSA für mehr Transparenz in der Branche sorgen. Nach den Plänen der FSA müssen Hedge-Fonds ab November so genannte Side Letters melden. Dabei handelt es sich um Sondervereinbarungen mit einzelnen Investoren, die unter Umständen andere Anleger benachteiligen können. Ein Side Letter kann einem bestimmten Investor beispielsweise zusichern, dass er geringere Management- und Performance-Gebühren bezahlen muss. Solche Sonderregelungen sind bei Hedge-Fonds im Gegensatz zu den herkömmlichen Publikumsfonds grundsätzlich erlaubt, fallen aber in einen rechtlichen Graubereich. Auch die US-Wertpapieraufsicht SEC hat bereits ihre Besorgnis angemeldet.

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