Hedge-Fonds-Manager
Kein Mut zum Risiko

Die Kreditkrise stürzt die Hedge-Fonds-Branche in Probleme und stellt die fast 10 000 Vertreter dieser Zunft auf eine harte Bewährungsprobe. Dort, wo sich Hedge-Fonds-Manager bislang selbst gern als „Retter und Garanten freier Märkte“ feierten, weil sie Risiken nahmen und somit Märkte effizient und liquide machten, zeigen sie jetzt eine ausgeprägte Risikoaversion.

FRANKFURT. Betroffen sind nicht nur die Fonds, die Kapital in die brüchige Viererkette der Krise (US-Wohnimmobilien, Hypothekenbanken, CDO-Kreditverbriefungen und Kreditderivate) investierten. Wegen der globalen Ausbreitung des Krisenvirus sind inzwischen fast alle Finanzmärkte infiziert. Einige dieser Kapitalsammelstellen sitzen daher auf hohen Verlusten oder ließen sich Kapitalspritzen verabreichen, andere waren sogar zur Aufgabe gezwungen. Experten glauben, dass zahlreiche Hedge-Fonds den Stresstest nicht bestehen werden und es ein Hedge-Fonds-Sterben geben wird. „Es würde nicht überraschen, wenn wir 2007 eine Rekordzahl von Hedge-Fonds-Schließungen sehen“, sagt ein Experte in New York.

Hedge-Fonds verdienen nach Meinung von Horst Bennin, Geschäftsführer des zur Quandt-Gruppe gehörenden Hedge-Fonds-Unternehmens Auda Advisor Associates, eine differenzierte Betrachtung, da es sich um eine sehr heterogene Anlageklasse handele. Zum einen unterscheidet die Fachwelt mehr als 15 unterschiedliche Strategien. „Bei der Analyse der Akteure sollte stark nach Strategien differenziert werden", sagt Dirk Söhnholz, Geschäftsführer von Feri Institutional Advisors.

Hedge-Fonds können beide Seiten des Marktes spielen und dabei sowohl auf steigende wie auf fallende Kurse setzen. Denn die eigentliche Hedge-Fonds-Idee besteht darin, Ineffizienzen der Märkte zu nutzen. Ziel ist es, mit kontrolliertem Risiko auf beiden Seiten der Märkte agierend mit „gehedgten“ (also abgesicherten) Positionen stabile Anlageresultate zu erzielen. Bernd Berg von der auf Alternativ-Investments spezialisierten BB Consulting beschreibt das Problem: „Einige sind von dieser Leitlinie abgewichen, indem sie sich zu stark auf der Long-Seite engagiert und zudem die Möglichkeiten der Fremdfinanzierung nutzten.“

Eine Long-Position hält, wer Aktien kauft, eine Short-Position hält, wer er Aktien (leer)verkauft hat. Long/Short-Equity ist die populärste Strategie in der Branche. Unterbewertete Aktien werden ge- und überbewertete Aktien gleichzeitig (leer)verkauft. Das Verlustrisiko der Strategie gilt als gering.

Größere Risiken gehen vor allem Hedge-Fonds ein, die direktionale Strategien verfolgen. Dabei wird auf eine bestimmte Kursrichtung gesetzt. Hierzu zählt die Strategie Global Macro. Manager solcher Fonds kennen in ihren Anlagevorschriften so gut wie keine Fesseln. Sie legen ihr Geld an allen Märkten rund um den Globus und allen Anlageklassen auf beiden Seiten ein. Oft „hebeln“ sie das eingesetzte Kapital durch Nutzung von Krediten, Carry Trades und Derivaten. In der aktuellen Krise sorgen vor allem die Verlierer unter den Hedge-Fonds für Schlagzeilen, obwohl populäre Hedge-Fonds-Indizes wie MSCI, CS Tremont, Hennessee für Juli meist ein leichtes Plus aufweisen.

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