Hedge-Fonds
USA heben Leerverkaufsverbot auf

Mit Wetten auf fallende Kurs haben Hedge-Fonds und andere Spekulanten die Märkte ins Chaos gestürzt, meinen zumindest Kritiker. Die Behörden reagierten und schoben Leerverkäufen einen Riegel vor. Genützt hat es nichts. Jetzt läuft in den USA das Verbot aus, eine neue Verkaufswelle erwarten Experten deshalb nicht.

Jetzt dürfen sie wieder spekulieren. Knapp drei Wochen nach dem heftig umstrittenenVerbot sind in den USA Börsenwetten auf fallende Kurse bei Finanzwerten wieder erlaubt. Wegen der Turbulenzen an den Märkten hatte die US-Aufsicht sogenannte Leerverkäufe für mehr als 900 Titel vorläufig untersagt. Der Eingriff in die Märkte brachte vor allem Hedge-Fonds in Schwierigkeiten, die für viele ihrer Investmentstrategien auf Leerverkäufe angewiesen sind. Nach Ende des Verbots brach der Dow Jones-Index an der New Yorker Börse am Donnerstag erneut ein. Eine Stunde vor Handelsschluss lag das Marktbarometer mit 2,6 Prozent im Minus einige Finanzaktien, wie die Papiere der US-Bank Morgan Stanley gerieten massiv unter Druck.

Bei Leerverkäufen werfen Anleger Aktien auf den Markt, die sie gar nicht besitzen, sondern sich von Großinvestoren gegen eine geringe Gebühr ausleihen. Sie hoffen auf fallende Kurse, um die Titel billiger zurückkaufen und die Differenz als Gewinn einstreichen zu können. In vielen europäischen Ländern gilt das Spekulationsverbot noch.

Regulierer rund um den Globus hatten Wetten auf fallende Kurse von angeschlagenen Finanzwerten mitverantwortlich für den Kollaps einer Reihe von Geldhäusern gemacht. Zuletzt hatten die Chefs der insolventen Investmentbank Lehman Brothers und des Versicherers AIG heftige Vorwürfe erhoben. Die Wirkung des Spekulationsverbots ist allerdings heftig umstritten, da es die Talfahrt der Finanzwerte nicht stoppen konnte. Seit Beginn der Maßnahme verloren die Finanzaktien an der New Yorker Börse noch einmal rund ein Viertel ihres Wertes. Hedge-Fonds fühlen sich deshalb zu Unrecht als Sündenbock abgestempelt.

Auch nach den gestrigen Kursverlusten verteidigen Experten die Hedge-Fonds. „Wir haben es mit enormen fundamentalen Problemen zu tun, Leerverkäue sind allenfalls ein Nebenaspekt der Krise“, meit Professor Lawrence White von der New York University. Das Problem sei das fundamentale Misstrauen der Anleger gegenüber dem Finanzsektor, und die panikartige Furcht vor weiteren Schieflagen, betont ein Aktienhändler.

Am Donnerstag traf das Misstrauen vor allem die Aktien der US-Bank Morgan Stanley, die zeitweise ein Viertel ihres Börsenwertes verlor. Einige Händler führten die Verluste auf neue Leerverkäufe zurück. Analysten verwiesen jedoch darauf, dass die Aktie bereits seit vergangenem Dienstag unter Druck stehe, weil die Anleger fürchteten, dass eine Beteiligung der japanischen Bank Mitusbishi UFJ im Wert von neun Mrd. Dollar noch platzen könnte. Morgan Stanley betonte am Donnerstag erneut, dass der Anteilsverkauf wie vorgesehen am kommenden Dienstag abgeschlossen werde.

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