Hedge-Fonds
Wenn Genies um die Wette rechnen

Milliarden investieren nach mathematischen Formeln – damit verdienen Hedge-Fonds immer mehr Geld. Der Kampf um die Rechenkünstler, die solche Modelle aushecken, wird immer schärfer. Vor allem in Oxford.

OXFORD. „Die Stadt der träumenden Türme“ – so hat der Dichter Matthew Arnold Oxford einst genannt. Und dem Zauber der alten Universitätsstadt kann sich kaum entziehen, wer in diesen Tagen erlebt, wie warm die Frühlingssonne die gelben Sandsteinfassaden der Colleges, Kirchen und Bibliotheken Oxfords streichelt.

800 Jahre Gelehrsamkeit haben die Stadt mit einer Patina aus Geschichte überzogen. 800 Jahre, in denen Oxford nicht nur 46 Nobelpreisträger und 25 britische Premierminister hervorbrachte, sondern auch sechs Heilige – von denen die anglikanische Kirche jedoch nur drei anerkennt und somit nach Adam Riese die anderen drei den Katholiken exklusiv gehören.

Aber die ehrwürdige Universität von Oxford bildet nicht nur Märtyrer und Politiker aus. Auch die neue Elite der Finanzmärkte bringt sie hervor. Doch wächst diese Elite immer seltener in den Wirtschaftsfakultäten heran. Mathematiker, Statistiker und Physiker sind es, um die sich Hedge-Fonds und Banken balgen. Zwar verkalkulierte sich mancher Rechenkünstler in der Finanzkrise. Gefragt sind Oxfords Mathegenies dennoch mehr denn je, denn die Besten liefern noch immer attraktive Renditen.

Müsste man sich einen Mathematiker ausdenken, würde er ein wenig wie Anthony Ledford aussehen: groß, schlaksig, blaue Augen hinter dicken Brillengläsern. Der Statistiker forscht in Oxford, nur einen Steinwurf vom ehrwürdigen Christ Church College entfernt. Aber nicht für die Uni zerbricht er sich den Kopf, Ledford rechnet für die Man Group, den größten börsennotierten Hedge-Fonds der Welt.

In der stillen Seitenstraße des Blue Boar Court haben die Londoner Geldmanager vor knapp einem Jahr das Oxford-Man Institute of Quantitative Finance gegründet, eine Art Forschungslabor für Finanzmathematik, und Ledford ist einer der Chef. Am Institut mischen sich Oxfords Akademiker mit den firmeneigenen Forschern der Man Group. „Es geht uns vor allem darum, herausragende wissenschaftliche Talente zusammenzubringen“, erläutert Ledford. Und natürlich hilft das Institut, den hochbegabten Nachwuchs zu Man zu locken.

Grund für die diskrete Rekrutierungsmaßnahme ist die Tatsache, dass in der Hochfinanz immer seltener die Händler bestimmen, was gekauft oder verkauft wird, sondern die Formeln von Wissenschaftler. Beim „algorithmischen Handel“ ersetzen Mathematik und Computer Finanzwissen und Intuition. In den vergangenen Jahren ließ die Geldbranche immer neue Modelle ausklügeln und schwang sich in immer abstraktere Sphären auf.

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