Hedge-Fonds-Wetten: „Die Ölpreis-Rally ist eine wundervolle Party“

Hedge-Fonds-Wetten
„Die Ölpreis-Rally ist eine wundervolle Party“

Hedge-Fonds und Großbanken haben ihre Wetten auf den Ölpreis in nur kurzer Zeit verdoppelt. Für die Spekulanten ist die Ölpreis-Rally eine „wundervolle Party“. Treiben sie den Ölpreis nach oben?
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Frankfurt/New YorkFür Otto Normalverbraucher ist die Sache klar: Ohne die Spekulationen von Hedgefonds und Großbanken am Ölmarkt wäre das Benzin an der Zapfsäule deutlich billiger. Die Daten der Börsen und Aufsichtsbehörden scheinen ihm Recht zu geben.

Seit Mitte Dezember haben Investoren ihre Wetten auf steigende Kurse fast verdoppelt. Das Volumen der offenen Futures und Optionen repräsentiert rund 420 Millionen Barrel (Fass zu 159 Liter). Dieser Wert liegt nur etwa 24 Millionen Barrel unter dem Rekordhoch von 2011 und entspricht der Menge an Rohöl, die Deutschland in einem halben Jahr importiert oder die weltweit in viereinhalb Tagen verbraucht wird. Entsprechend ging der Preis für die richtungsweisende Nordsee-Sorte Brent in den vergangenen beiden Monaten um knapp neun Prozent in die Höhe auf derzeit rund 119 Dollar. Das US-Öl WTI verteuerte sich sogar um mehr als zwölf Prozent auf knapp 98 Dollar.

Vor diesem Hintergrund befürchten viele eine Wiederholung der Ereignisse vom Sommer 2008, als spekulativ orientierte Anleger die Preise für Brent und WTI auf jeweils knapp 150 Dollar trieben. Wie groß aber der Einfluss von Hedgefonds und Banken auf die Preise wirklich ist und ob und wie man ihn begrenzen kann, darüber streiten Händler, Analysten und Börsenaufseher noch immer.

„Das einzig Sichere ist die Unsicherheit“

Denn beim Ölpreis spielen viele Faktoren eine Rolle: Neben der rückläufigen Produktion in Saudi-Arabien und einer steigenden Nachfrage in China sorgten potenzielle oder tatsächliche Nachschub-Schwierigkeiten für Unruhe, sagt Volkswirt James Williams von der Beratungsfirma WTRG. Im Blickpunkt stünden die Unruhen in Nordafrika, die Spannungen im Nahen Osten sowie Probleme bei der Förderung in Venezuela oder Nigeria. "In den vergangenen drei Monaten war das einzig sichere die Unsicherheit", fügt Williams hinzu.

Das zieht besonders risikofreudige Anleger an, die auf eine Unterbrechung des Nachschubs wetten. Irgendwann werde so eine Rally dann zum Selbstläufer, weil andere Investoren befürchteten, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden, sagt Energie-Experte Tim Evans von Citi Futures Perspective.

Auf das falsche Pferd gesetzt

Die Hoffnung auf das große Los kann sich aber schnell als Niete entpuppen. In den vergangenen beiden Jahren verloren Hedgefonds am Ölmarkt viel Geld. Jeweils im Frühjahr gingen sie "Long", erwarteten also steigende Kurse. Die damaligen Wetten entsprachen 444 beziehungsweise 422 Millionen Barrel Rohöl. Dennoch brachen die Preise für Brent und WTI bis zum Sommer um jeweils rund 30 Prozent ein.

„Es ist eine wundervolle Party“, kommentiert Citi-Experte Evans die aktuelle Ölpreis-Rally. „Pass' nur auf, dass Du sie nicht als letzter verlässt.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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