Hedgefonds
Ein Verlierer setzt auf den Verlust eines Verlierers

Discovery Capital ist das jüngste Beispiel eines Hedgefonds, der auf einen weiteren Kursverlust der Deutschen Bank wettet. In den letzten Jahren war der Fonds selber wenig erfolgreich.

New YorkRobert Citrone ist auf der Liste der Milliardäre der Zeitschrift Forbes mit einem Vermögen von rund einer Milliarde Dollar weltweit die Nummer 1694. Seine Hedgefonds-Firma Discovery Capital Management, 1999 gegründet, sitzt im US-Bundestaat Connecticut, der bei reichen Steuersparern beliebt ist. Forbes schreibt über den bulligen ehemaligen Ringer: „Seine Hedgefonds machen häufig Macro-Wetten und investieren in Schwellenländern, aber sie haben in den letzten Jahren enttäuscht, und 2015 war keine Ausnahme.“

Mit solchen Worten beschreibt man einen Verlierer. Jetzt wettet dieser Fonds auf den Kursverlust eines anderen Verlierers: der Deutschen Bank.

Institutional Investor’s Alpha schrieb im Frühjahr: „Robert Citrones Discovery Capital Management ist das jüngste Beispiel einer Überflieger-Fondsgesellschaft, die unter hohen Abzügen leidet.“ Demnach war das Vermögen im Jahr 2015 um rund ein Viertel gesunken. Ein Sprecher des Hedgefonds bezifferte das Volumen des Vermögens auf rund zwölf Milliarden Dollar, wollte aber keine Angaben zur Wertentwicklung und zu einzelnen Positionen machen. Nach einer Meldung an die US-Wertpapieraufsicht gehören zu den größten Aktienpositionen Anteile an Schwellenländer-Indexfonds sowie Engagements in Papieren von Alibaba, Amazon, Allergan, Cablevision und dem Matratzenherseller Tempur Sealy.

Zur Strategie von Citrone gehört es auch, in Aktien short zu gehen, also auf einen sinkenden Kurs zu setzen. Ein Beispiel in Deutschland ist Wacker Chemie. Ein anderes Beispiel ist die Deutsche Bank, wie aus Daten des Bundesanzeigers hervorgeht. Danach meldete Citrone Anfang August neu eine Short-Position in Höhe von 0,51 Prozent des Aktienkapitals. Insgesamt liegen jetzt drei Hedgefonds über der Meldeschwelle von 0,5 Prozent. Neben Discovery sind das Marshall Wace mit 0,6 Prozent und Highfield mit 0,74 Prozent, die beide schon zuvor die Schwelle überschritten hatten. Die Hedgefonds-Firma von George Soros ist hingegen wieder unter die Schwelle auf 0,4 Prozent gerutscht. Zwischenzeitlich gab es auch Hinweise, dass chinesische Investoren gegen die Deutsche Bank wetten.

Die Aktien der Bank, die 2007 einen Rekordwert von beinahe 100 Euro erreicht hatten, notieren inzwischen bei rund elf Dollar. Die Börsenkapitalisierung liegt bei 18 Milliarden Dollar, das ist weniger als der letzte Jahresgewinn der US-Großbank JP Morgan. Ein fallender Aktienkurs stellt zunächst keine unmittelbare Bedrohung für eine Bank dar, so lange das Schwinden des Vertrauens, das darin zum Ausdruck kommt, nicht von den Investoren auf die Kunden übergreift. Da die Kapitalposition der Bank aber, wie sich im Stresstest der Europäischen Zentralbank gezeigt hat, nicht üppig ist, könnte die Bank in absehbarer Zeit doch wieder die Notwendigkeit einer Kapitalerhöhung sehen. Bei niedrigem Kurs muss die Bank aber besonders viele Aktien neu ausgeben, um ihr Kapital zu stärken – das wiederum, oder schon die entsprechende Erwartung im Vorfeld, drückt den Aktienkurs. In diesem Teufelskreis steckt John Cryan. Feindliche Hedgefonds sind vor dem Hintergrund das Letzte, was er gebrauchen kann.

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