Hohe Abflüsse aus Aktien- und Anleihesegment
Fondsanleger ziehen europaweit Milliarden ab

Im Krisenjahr 2008 mussten die Investmentgesellschaften auf den europäischen Märkten Anteilsscheine im Gegenwert von netto 300,4 Mrd. Euro zurücknehmen. Das ist laut der Fondsanalysefirma Lipper FMI das bisher schlechteste Jahr.

FRANKFURT. Unter jeweils dreistelligen Milliardenrückflüssen litten die Aktien- und Anleihesegmente - nur Geldmarktfonds als sichere Häfen zogen Kapital an. Durch Mittelabzüge und Kapitalmarktverluste sackte das europäische Fondsvermögen von 5,2 auf 3,9 Bill. Euro.

Trotz des Branchendesasters glänzten einige Firmen mit guten Absatzzahlen. JP Morgan Asset Management als großer Anbieter von Geldmarktfonds führt die Hitliste 2008 an (siehe "Top Ten der Gesellschaften"). Es folgt Barclays Global Investors als Marktführer für börsengehandelte Indexfonds. Bank of New York Mellon profitierte von Aktien- und Geldmarktprodukten.

Die aktuelle Lage der Investmentbranche ist möglicherweise besser als die Jahreszahlen für 2008 andeuten. Im Dezember setzten die Anbieter Produkte für knapp 5,7 Mrd. Euro ab. "Das sieht fast aus wie ein Wendepunkt", sagt Lipper-FMI-Leiterin Diana Mackay. Auch die vor einer Woche veröffentlichten Daten für den deutschen Absatzmarkt hatten für den Monat eine Tendenzwende zu positiven Verkaufszahlen gezeigt.

Normalerweise ist der Dezember ein deutlicher Minusmonat in Europa. Dann fließt Kapital vor allem aus Geldmarktfonds ab. Gerade in Frankreich geben Investoren vor dem Jahresultimo Anteilsscheine zurück, um mit dem Kapital Steuerschulden zu begleichen.

Dieser saisonale Effekt wurde jetzt überkompensiert durch Mittelzuströme in erstklassige Geldmarktfonds. Experten erkennen hier eine weiter zunehmende Risikoscheu gerade der französischen Anleger. Gleichzeitig kauften Investoren im Dezember für 10,2 Mrd. Euro Aktienportfolios - das waren sie stärksten Zuflüsse seit Februar 2007.

Für das laufende Jahr erwartet Mackay eine Rückkehr der Anleger zu breit gestreuten Aktienfonds, rechnet auch mit guten Absätzen bei den auf höhere Rendite zielenden Zinsprodukten. Auf der Kaufseite sieht sie vor allem vermögende Privatkunden in den Ländern mit starkem Private Banking wie Schweiz und Österreich. "Per saldo könnte die Branche 2009 wieder mit Abflüssen enden, allerdings geringeren als 2008."

Bessere europäische Absatzzahlen erwartet auch Christoph Dahm, Geschäftsführer WestLB Mellon Asset Management. Er rechnet mit einer Stimmungswende an den Aktienmärkten in der zweiten Jahreshälfte. "Anleger müssen bei den geringen Zinsen Rendite erzielen und deshalb wieder einsteigen, etwa in Produkte für Aktien und Unternehmensanleihen", sagt er.

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