Hohe Abflüsse stoppen
Neue Ideen für Fondsreform

Die TMW Pramerica Property Investment schlägt in der Diskussion über offene Immobilienfonds ein neues Modell vor: Danach können Anleger ihre Anteile nur mit einer Frist von drei Monaten zum Quartalsende abgeben, um plötzliche Mittelabflüsse zu verhindern.

HB FRANKFURT. Diesen Vorschlag machte der Aufsichtsratschef des Fondsanbieters Klaus Trescher, in Frankfurt bei einer Podiumsdiskussion.

Unter Beachtung der Mindestliquidität werden nach diesem Konzept die gekündigten Beträge entsprechend der Anteilshöhe ausgezahlt. Bei fehlender Liquidität sollen so viele Gebäude verkauft werden, bis alle Rückzahlungswünsche zu erfüllen sind. Umfangreiche Rückgaben würden keine Fondsschließung provozieren, und die renditeschmälernde Liquidität könnte geringer gehalten werden, nannte Trescher als Vorteile.

Der Fondsbranchenverband BVI schlägt eine Kündigungsfrist von zwölf Monaten für Neuanlagen von Großanlegern ab einer Mill. Euro vor. Die Reformideen wurden angestoßen durch die Schließung von drei Fonds, nachdem überwiegend Großanleger in Panik Anteile zurückgegeben hatten. Den großen Investoren fiel die Rückgabe relativ leicht, weil sie bei Eintritt in den Fonds keine oder nur geringe Ausgabeaufschläge zahlten und deswegen Immobilienfonds als Ersatz für Geldmarktanlagen missbrauchten.

Ein weiterer Vorschlag lautet, plötzliche Liquiditätsabflüsse durch verbindliche Ausgabeaufschläge für alle Anleger zu unterbinden. Dies stößt jedoch auf Skepsis. „Wenn das Aufgeld immer genommen würde, würde dies das kurzfristige Parken von Geldern in einem offen Immobilienfonds unterbinden“, bestätigt zwar BVI-Geschäftsführer Rüdiger H. Päsler. Er hält es aber für schwierig, dem Vertrieb diese Regelung verbindlich vorzuschreiben. „Der Gesetzgeber muss nicht alles regeln“, sagte Carl-Ludwig Thiele (FDP) dazu, der dem Finanzausschuss des Bundestags angehört.

Die gegenwärtige Reformdiskussion wird in die Novellierung des Investmentgesetzes einfließen, für das Thiele zufolge bis zur Sommerpause 2006 ein Referentenentwurf vorliegen soll. Die Novellierung werde zum Jahresbeginn 2007 in Kraft treten.

In der Debatte über die Bewertung der Fondsimmobilien standen in Frankfurt einmal mehr die so genannte Einwertungsgewinne im Vordergrund. Sie entstehen, wenn es Fondsmanagern gelingt, Gebäude zu einem Preis zu kaufen, der den von den Gutachtern festgestellten Wert unterschreitet. Einwertungsgewinne schlagen bei neuen Fonds mit geringem Volumen positiv auf die Rendite durch, so dass für den Anbieter Wettbewerbsvorteile entstehen (s. „In der Diskussion“). So wirft Fondsexperte Stefan Loipfinger beispielsweise dem Anbieter Kanam vor, anfänglich die Rendite des Fonds Grundinvest durch Einwertungsgewinne gepuscht zu haben.

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