Hohe Aktienquoten
Pensionsfonds legen zu

Das Vermögen der 1 000 größten europäischen Pensionsfonds ist im vergangenen Jahr um rund 340 Mrd. Euro auf etwa 3,02 Billionen Euro gestiegen.

FRANKFURT Diese Daten veröffentlicht jetzt der Londoner Branchendienst IPE. "Bei den Vermögenszuwächsen machen sich vor allem die teilweise hohen Aktienquoten bemerkbar, denn das Kalenderjahr 2005 war ein sehr gutes Börsenjahr", sagt IPE-Analyst George Coats zu dem Zahlentableau, das in der Branche Benchmark-Charakter genießt.

Der niederländische Pensionsfonds ABP führt die Rangliste mit 187 Mrd. Euro Vermögen an. Als erste deutsche Adresse taucht die Bayerische Versorgungskammer (BVK) mit 38 Mrd. Euro auf dem neunten Platz auf. Auffallend sind die durchschnittlich stärkeren Zuwächse bei den europäischen Pensionsfonds im Vergleich zu den deutschen Vorsorgeeinrichtungen. Fachleute argumentieren mit den höheren Aktienquoten in entwickelten Altersvorsorgemärkten wie den Niederlanden. So sagt ein ABP-Sprecher in Rotterdam: "Wir haben in den vergangenen Jahren aufgestockt und sind jetzt nahe unserer strategischen Zielquote von 36 Prozent." André Heimrich, Leiter Asset-Management bei der BVK, nennt ganz andere Zahlen. "Jedes unserer zwölf Versorgungswerke hat spezielle Anforderungen, aber im Schnitt haben wir rund elf Prozent Aktien", sagt der Münchner.

Viele hiesige Vorsorgeeinrichtungen kämpfen weniger mit aufsichtsrechtlichen Vorgaben als mit Restriktionen auf Grund garantierter Verzinsungen. Versorgungswerke unterliegen der Länderaufsicht, die hiesigen Pensionskassen der gleichen Aufsicht wie die Versicherungen mit einer Beschränkung der Aktienquote auf 35 Prozent. Thomas Huth, Spezialist für betriebliche Altersvorsorge bei Deutsche Asset Management, konstatiert: "In der Praxis liegt man weit unter dieser Grenze, weil zugesicherte Garantieverzinsungen hohe Bondanteile nötig machen und die Aufsicht außerdem Stresstests fordert." In diesen Simulationsrechnungen werden die Vermögensänderungen bei angenommenen starken Marktrückschlägen kalkuliert, wobei gewisse Grenzen eingehalten werden müssen. Das kann laut Experten kontraproduktiv sein. Bei sinkenden Kursen müssen im Extremfall Positionen verkauft werden, während möglicherweise Zukäufe bei geringeren Einstiegskursen sinnvoller wären.

Freier bewegen können sich in Deutschland die so genannten CTAs. Hier werden Pensionsrückstellungen aus der Bilanz ausgegliedert und in Treuhandkonstruktionen zur Insolvenzsicherung der Versorgungsansprüche überführt. Der Daimler-CTA beispielsweise habe eine Aktienquote von über 50 Prozent, sagt ein Consultant.

Die BVK beziffert ihre Anleihequote auf 81 Prozent. "Strategisch wird dieser Anteil fallen, denn wir wollen die Abhängigkeit vom Zinsrisiko senken", blickt Heimrich nach vorne. Zukünftig soll zur breiteren Streuung Geld in andere Vermögensformen fließen. "Es geht vor allem um Alternative Investments mit Absolute-Return-Charakter", sagt der BVK-Mann. Bei diesen Produkten stehen absolute Rendite und Verlustvermeidung im Vordergrund. Der Trend zu alternativen Investments ist laut IPE europaweit zu beobachten.

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