Hohe Gebühren – mäßige Leistung
Fonds verpulvern Milliarden

In der Zahl 9,9 Milliarden steckt Zündstoff: Es ist jene Euro-Summe, die europäische Aktienfondsanbieter laut einer jetzt vorgelegten Studie jedes Jahr einstreichen, obwohl sie nur unterdurchschnittliche Leistungen bieten. Aus Anlegersicht sind die Ergebnisse äußerst heikel.

FRANKFURT. "Rund zwei Drittel der Manager liefern geringere Erträge ab als ihr Vergleichsindex - ein trauriges Ergebnis", sagt Uwe Leonhardt, Vorstand der unabhängigen Vermögensverwaltung Gecam und Mitautor der Untersuchung. Viele Analysen belegen das häufige Scheitern der Manager an ihrer Messlatte. Jetzt berechnete Gecam auch die Auswirkungen auf die Netto-Rendite des Anlegers. Einbezogen in die Dreijahres-Auswertung waren knapp 4 000 Aktienfonds mit über 1,1 Bill. Euro Vermögen. Insgesamt behielten die Anbieter rund 15,8 Mrd. Euro jährlich an Managementgebühr ein. Davon entfielen 5,9 Mrd. Euro auf Produkte mit überdurchschnittlicher Leistung, die erwähnten 9,9 Mrd. Euro auf Portfolios mit unterdurchschnittlichen Ergebnissen.

"Die Studie entlarvt die pseudo-aktiven Manager", sagt Christoph Bruns, geschäftsführender Gesellschafter beim Fondsanbieter Loys und ehemaliger Leiter Aktienfonds beim großen Anbieter Union Investment. Er nennt damit einen wichtigen Grund für die schlechte Durchschnittsperformance der Manager. Die meisten Verwalter orientieren sich bei der Depotstruktur maßgeblich an der Indexzusammensetzung, wagen kaum Abweichungen. Leonhardt rechnete aus: "Bis zu 90 Prozent der Aktienfondsmanager bilden überwiegend den Index ab, mit den erwähnten schlechten Ergebnissen."

Aus Anlegersicht sind die Ergebnisse heikel. Die Investoren bezahlen für aktiv verwaltete Aktienfonds, die durch gezielte Abweichungen vom Index genau diese Messlatte schlagen sollen, im Schnitt 1,42 Prozent an jährlicher Managementgebühr. Indexfonds dagegen verlangen im Mittel nur 0,48 Prozent pro Jahr. "Viele Investoren bezahlen also hohe Gebühren für schlechte Leistung und wären daher mit Indexfonds besser bedient", sagt Leonhardt. Studien-Mitautor Helmut Knestel hat ausgerechnet, welche Summe Investoren beim Wechsel von schlechten aktiven Fonds in die billigen börsengehandelten Indexfonds jährlich an Managementgebühr sparen würden: 6,9 Mrd. Euro.

Die Studie liefert noch weitere Ergebnisse. Besonders schwach schneiden Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Japan, Deutschland und Europa ab. Mit steigendem Fondsvolumen klammern sich die Manager tendenziell immer stärker an ihren Index und verlieren parallel dazu an relativer Performance im Verhältnis zur Messlatte - und umgekehrt. Das stärkt die verbreitete These, Portfolios mit wenig Vermögen seien leichter zu steuern und im Schnitt erfolgreicher als große Depots.

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