Hohe Transparenz
Derivate schlagen Hedge-Fonds

Auf jeden Trend folgt ein anderer Trend - im Falle der Hedge-Fonds sind dies von Finanzhäusern nachgebildete Investmentstrategien, sogenannte "Betas". Von der Transparenz dieser Modelle versprechen sich Anleger viel. Aber das ist nicht der einzige Vorteil.

FRANKFURT. Hedge-Fonds haben zwar in den Augen vieler Investoren an Glanz verloren - doch auf einer Konferenz in London herrschte kürzlich großer Andrang. Denn im Mittelpunkt standen alternative Betas. Diese über Derivate nachgebildeten Hedge-Fonds stoßen auf wachsendes Interesse. "Hedge-Fonds-Replikationen sind deutlich kostengünstiger als die Originale und bieten Anlegern tägliche Liquidität sowie ein Plus an Transparenz. Hinzu kommt, dass das Manager-Risiko ausgeschaltet werden kann und die Strategien skalierbar sind", erklärt Helmut Fischer von Merrill Lynch. Die zusätzlichen Vorteile: Durch die Weiterentwicklung von Hedge-Fonds-Indizes kann auch in diesem Segment der beliebte Core-Satellite-Ansatz umgesetzt werden - und institutionelle Investoren können die eng gesteckten Hedge-Fonds-Anlagequoten ausweiten.

Viele Finanzhäuser sind bereits auf diesen Trend aufgesprungen. Zu den Pionieren der Szene gehören vor allem die Partners Group, Merrill Lynch und Goldman Auch Professor Harry Kat von der City University London, einer der wissenschaftlichen Wegbereiter der Hedge-Fonds-Klone, hat inzwischen ein Produkt auf den Markt gebracht. Rund ein halbes Dutzend weiterer Player steht Marktbeobachtern zufolge in den Startlöchern. Darunter sind interessanterweise auch Anbieter, die bisher von deutlich höheren Margen des Hedge-Fonds-Geschäfts profitierten. Einige Experten sagen breit diversifizierten Dach-Hedge-Fonds sogar ein ähnliches Schicksal wie indexnahen Produkten in den 90er Jahren vorher. Damals kamen diese Fonds durch die wesentlich günstigeren börsennotierten Indexanlagen stark unter Druck.

Auch wenn die Produkte im Detail unterschiedlich strukturiert sind, ist die Grundidee meist ähnlich: Fasst man die Renditen vieler Hedge-Fonds zusammen, spiegeln diese die Mehrheitsmeinung der Hedge-Fonds-Manager wider, die in verschiedenen Bereichen des Kapitalmarkts umgesetzt werden. Mit Hilfe statistischer Verfahren - insbesondere der Regressionsanalyse - werden so genannte Faktor-Exposures aus den Renditezeitreihen herausgefiltert. Darauf basierend entwickeln die Strukturierer quantitative, regelbasierte Handelsstrategien, die eine möglichst hohe Korrelation mit den jeweiligen Hedge-Fonds-Indizes aufweisen.

Die Ergebnisse sind zum Teil frappierend. So gelingt es Merrill Lynch mit lediglich einer Handvoll liquider Risikofaktoren - wie Aktien- und Geldmarktindizes - eine sehr hohe Übereinstimmung mit dem bekannten HFRI-Index zu erzielen. Andere Ansätze wie der der Partners Group sind komplexer und umfassen rund 500 Positionen.

Doch was taugen diese Produkte in der Praxis? "Hedge-Fonds-Anleger erwarten vor allem absolute Renditen und in Zeiten fallender Aktienkurse deutlich geringere Verluste", sagt Thomas Flury von Signina Capital. Die jüngsten Turbulenzen an den globalen Aktienmärkten mit Korrekturen von fünf bis zehn Prozent seien daher ein idealer Prüfstein für die Versprechen der Anbieter. Eine von Signina Capital durchgeführte Analyse der Beta-Produkte zeigt, dass diese im relevanten Zeitraum von 2,7 bis 5,5 Prozent korrigiert haben. Im Vergleich dazu hat der investierbare HFRX um 3,4 Prozent nachgegeben. Ein ähnliches Bild gab es während der Korrektur im Mai und Juni 2006. Die Ergebnisse scheinen zu belegen, dass das Ziel indexähnlicher Renditen auch in hektischen Marktphasen erreichbar ist. In einigen Fällen sind die Wertkorrekturen aber recht hoch. Inwieweit das mit dem Ziel der Verlustvermeidung vereinbar ist, muss dem Urteil der Investoren überlassen werden. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass es sich bei allen Produkten um Beta-Strategien handelt, deren Faktorgewichtungen meist nur monatlich angepasst werden. Dies bietet sowohl Chancen als auch Risiken. Dank der Transparenz weiß der Investor, was er in seinem Portfolio hält. Auf Grund der täglichen Liquidität hat er die Möglichkeit, bei Bedarf seinen Verlust durch Absicherungsgeschäfte oder Verkäufe zu begrenzen.

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