Hoher Ölpreis macht Anlagemöglichkeit interessant
Anleger entdecken Rohstoff-Derivate neu

Der Ölpreis ist auf Rekordniveau. Tanken wird immer teuerer. In ganz Europa stöhnen die Autofahrer. Da stellt sich doch die Frage, ob man sich nicht mit pfiffigen Tricks das Fahrvergnügen der Zukunft sichern und Preissteigerungen "hedgen" kann.

"Rohstoff-Derivate hedgen geht", sagt Sven Gruler, Derivate-Händler bei der Euwax in Stuttgart. Allerdings seien die wenigsten Käufer von Rohöl-Derivaten passionierte Autofahrer, die ihre Benzinrechnung absichern wollten, sondern vielmehr leidenschaftliche Spekulanten. "Wer weiß schon genau, wie viele Kilometer er im nächsten Jahr fahren wird und wie viel Sprit er dabei verbraucht. Das wäre für ein wirksames Hedging aber wichtig", sagt Gruler.

Dass mit Rohstoff-Derivaten allerdings Geld zu verdienen ist, hätten die Anleger inzwischen gemerkt. Neben den klassischen Optionsscheinen kauften die spekulativen Investoren zunehmend Rohöl-Zertifikate. Ihr Handelsvolumen habe sich in diesem Jahr extrem positiv entwickelt, sagt Gruler. Der Schwerpunkt dabei liege eindeutig bei den Hebelprodukten.

Pionier bei der Konstruktion von Hebelderivaten begeben auf Öl ist die ABN Amro. Die Niederländer haben "Mini-Futures" erfunden. Das sind Knock-Out-Produkte, mit denen man sowohl auf steigende wie auf fallende Rohölpreise wetten kann. Das Besondere: Der Anleger setzt im Gegensatz zu einem Direktinvestment nur einen sehr geringen Geldbetrag ein. Der Rest wird über den Emittenten fremd finanziert, wobei die Zinsen vergleichsweise niedrig sind - sie entsprechen dem Interbankenzins Libor plus zwei Prozent. Der reduzierte Eigenkapitaleinsatz führt zu einer starken Hebelwirkung. Partizipiert wird nämlich an der gesamten Wertentwicklung des Underlyings, dem Future-Preis des Öls. Dabei kann der Investor maximal sein eingesetztes Kapital verlieren. "Eine Nachschusspflicht wie sonst bei Future-Geschäften gibt es nicht", erläutert Stefan Gresse, Produktentwickler bei ABN Amro. Nachgefragt werden die Mini-Futures in erster Linie von Privatkunden und Vermögensverwaltern. Besonders beliebt ist das Produkt bei Daytradern, denn wenn ein Mini-Future am selben Tag ge- und wieder verkauft wird, fallen keine Finanzierungszinsen an.

Für Investoren, die es etwas ruhiger mögen und die für die nächsten fünf bis zehn Jahre auf steigende Rohölpreise setzten wollen, seien langfristige Anlagezertifikate die bessere Alternative, sagt Produktentwickler Gresse. Auch in diesem Bereich ist ABN Amro führender Emittent. Die Bank bietet ihren Kunden Open End Zertifikate mit unbegrenzter Laufzeit sowie so genannte Quanto-Zertifikate, mit denen zusätzlich das Währungsrisiko zum Dollar abgesichert ist. Während die Hebelzertifikate zu 90% über die Euwax gehandelt werden, wird der Handel der Anlageprodukte zur Hälfte im Smart Trading der Frankfurter Börse abgewickelt.

Unabhängig von kurzfristigen Preisausschlägen stehe für diese Investoren im Vordergrund, dass Rohöl eine begrenzte Ressource ist und die Asiaten, allen voran China, einen ungebremsten Bedarf zu entwickeln scheinen. "Das wird sich in den Preisen niederschlagen und daran wollen die Anleger teilhaben," erklärt Gresse das Motiv. So gesehen ließen sich Gewinne aus den Zertifikaten langfristig zur Absicherung künftiger Benzinpreise nutzen, quasi als Inflationsschutz. Autofahrer, die ihr Fahrvergnügen gänzlich unabhängig vom Rohölpreis sichern wollen, sollten sich vielleicht mal Energiesubstitute anschauen: Zum Beispiel Derivate auf Erdgas, rät Gresse.

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