Hohes Wachstum erwartet
Fondsgesellschaften bauen auf Polen

Die EU-Beitrittsländer bieten langfristig große wirtschaftliche Chancen. Das haben auch die Fondsmanager entdeckt.

FRANKFURT/M. Große Vermögensverwalter setzen auf die Länder aus Mittel- und Osteuropa, die am 1. Mai der EU beitreten. Die Investmenthäuser rechnen damit, dass der Markt für Fonds in der Region immens wachsen wird. So schätzt die Allianz-Tochter DBI, dass sich das verwaltete Vermögen in Altersvorsorgeprodukten bis 2010 auf 111 bis 148 Mrd. Euro fast verzehnfacht. Ende 2003 betrug das Vermögen rund 18 Mrd. Euro.

Zum Hintergrund: Das Wachstum in den zehn Volkswirtschaften dürfte sich allein durch den EU-Anschluss im Durchschnitt um 1,3 bis 2,1% im Jahr erhöhen, erwartet die EU-Kommission. Von dem dadurch entstehenden höheren Einkommen können Private mehr sparen und den Vermögensverwaltern anvertrauen. Dazu kommt, dass das Niveau der staatlichen Renten nach Angaben der DBI mit durchschnittlich nur bei 45 Prozent des Lohnniveaus liegt. Wollte man bis 2010 ein Niveau von 70 Prozent erreichen, ergibt sich laut DBI eine immense kalkulatorische Rentenlücke von 230 Mrd. Euro.

Nach dem Zusammenbruch des Sowjetsystems wurde in den Ländern relativ früh eine zweite kapitalgedeckte Säule der Altersvorsorge, meist über Pensionsfonds, aufgebaut, in die Arbeitnehmer einzahlen müssen. Im Gegenzug dazu wurde die erste Säule reduziert. Mit wachsendem Einkommen dürften sich Private stärker darüber bewusst werden, dass sie für ihr Alter selbst vorsorgen müssen, sagt Funnell Betson, Chefredakteur des europäischen Pensionsfondsmagazins IPE.

Allerdings brauchen die Fondsfirmen einen langen Atem: „Bislang benötigen die Menschen ihr gesamtes Einkommen für das tägliche Leben“, sagt Manfred Guggi, Pensionsexperte bei der US-Unternehmensberatung Towers Perrin. Er erwartet, dass die Volumina nur ganz allmählich anziehen. Ab einem gewissen Einkommensniveau dürften die Sparquoten dann aber überproportional steigen.

Große internationale Asset Manager sind seit einigen Jahren vor Ort, vor allem in Polen, dem mit einem verwalteten Vermögen von rund elf Mrd. Euro größten Beitrittsland. Publikumsfonds für die private Altersvorsorge (dritte Säule) bieten viele ausländische Häuser an. Als Marktführer gelten die polnische Bank Pekao gemeinsam mit dem angelsächsischen Fondshaus Pioneer sowie Credit Suisse mit der heimischen PKO, die jeweils Marktanteile von über 20 Prozent halten. Von deutscher Seite sind die Cominvest über die Beteiligung der Commerzbank an Skarbiec, die DWS und Union Investment mit Marktanteilen von um sechs Prozent im Rennen. Die Allianz- Tochter Dit will mittelfristig den Vertriebskanal des Mutterkonzerns vor Ort nutzen. Andere große Fondshäuser wie Deka und Activest scheuen die für den Markteintritt in Polen nötige Investition in eine Kapitalanlagegesellschaft vor Ort. Alle drei deutschen Häuser in Polen geben allerdings an, nach einigen Jahren mit Anlaufverlusten nun Geld zu verdienen.

In Polen reizen die Fondsfirmen zudem Steuererleichterungen für Private. Bis zu 720 Euro jährlich, was eineinhalb Monatsgehältern entspricht, können sie steuerfrei ansparen. Ein Investmentgesetz, dass in Kürze verabschiedet werden soll, erlaubt zudem steuerbegünstigte Sparpläne. Außerdem dürften Fondshäusern künftig Depots für institutionelle Kunden verwalten, sagt Malgorzata Gora von Union Investment TFI in Warschau.

Den Markt für betriebliche Pensionsfonds beherrschen nach Ansicht von Experten ausländische Anbieter wie ABN Amro, ING, Credit Suisse oder Allianz. Der Markt gilt bereits als aufgeteilt. Geduld brauchen die Asset Manager auch hier: Denn restriktive Anlagevorschriften bremsen noch das immense Potenzial auf den größten Märkten Polen, Ungarn und Tschechien. In Polen dürfen Pensionsfonds etwa nur fünf Prozent ihres Kapitals im Ausland investieren, was Währungsrisiken eindämmen soll. 40 Prozent dürfen in Aktien fließen. Da die Fonds aber bereits gewisse Volumina erreicht haben, sei die nötige Diversifizierung kaum möglich, sagt Dorothee Fleischer, Leiterin des Pension Research bei der DBI. „Die beträchtliche Rentenlücke ist unter anderem auf Grund der Restriktionen nicht zu schließen.“ Mit der Einführung des Euros in den Ländern werden die Restriktionen aufgehoben, da dann das Währungsrisiko wegfällt. Folglich baue DBI stark auf den Euro, der ab 2010 polnische Währung werden dürfte: „Zur Euro-Einführung wollen wir am Start sein.“

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