Immense Verluste
Hedge-Fonds-Star John Paulson stürzt immer tiefer

John Paulson war der unumstrittene Star der Hedge-Fonds-Szene. Doch in diesem Jahr hat sein Image schwer gelitten. Seine Fonds kamen unter die Räder. Und der Abwärtstrend geht ungebremst weiter.
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New YorkVor einem Jahr war für John Paulson die Welt in Ordnung - sogar mehr als das. Der amerikanische Hedge-Fonds-Manager, der vor der Lehman-Pleite erfolgreich auf einen Zusammenbruch des amerikanischen Hypothekenmarktes gewettet hatte, wurde gefeiert wie kein anderer seines Fachs. Als "Wunderkind der Branche" titulierte ihn auch das Handelsblatt. Die Huldigungen hatte Paulson neben einer beeindruckenden Wertentwicklung seiner Fonds vor allem zwei Zahlen zu verdanken: Im Jahr 2007 verdiente Paulson 3,7 Milliarden Dollar. 2010 übertraf er diese Summe sogar noch: Laut Wall Street Journal bekam er mit fünf Milliarden Dollar den höchsten Gehaltsscheck aller Zeiten.

Doch der Ruhm ist schnell verflogen. In den vergangenen Monaten reihte sich für Paulson und seine Investmentgesellschaft Paulson & Co. eine Hiobsbotschaft an die andere. Das Jahr 2012, das steht schon lange fest, lief katastrophal. Paulsons Fonds haben massiv an Wert verloren. Auch im Dezember ging es noch einmal kräftig bergab, wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf informierte Personen berichtet. So habe der Fonds "Advantage Plus" bis 16. Dezember weitere neun Prozent verloren. Sein Gesamtverlust belaufe sich damit auf 52 Prozent, schreibt Reuters. Nur unwesentlich besser sehe es für den "Advantage Fund" aus: Nach einem Verlust von sechs Prozent im Dezember liege das Jahresminus hier bei 36 Prozent. Zum Vergleich: Im Schnitt haben Hedge-Fonds bis Ende November gut vier Prozent an Wert verloren, der US-Aktienindex S&P 500 liegt aktuell auf dem gleichen Niveau wie zu Jahresanfang.

Ein Grund für den jüngsten Rückschlag dürfte eine erneute Korrektur am Goldmarkt gewesen sein: Der Goldpreis rutschte Anfang Dezember von rund 1.750 Dollar auf weniger als 1.600 Dollar ab. Zwar hatte Paulson in den vergangenen Monaten rund ein Drittel seiner Bestände am weltgrößten Gold-ETF, dem SPDR Gold Trust, verkauft. Mit gut 20 Millionen Anteilen war er Ende des dritten Quartals trotzdem noch der größte Einzelinvestor in dem Fonds.

Die Verluste mit Gold-ETFs reihen sich ein in eine große Reihe von Fehlschlägen im Jahr 2011: Mit seinem Optimismus für die US-Wirtschaft lag Paulson daneben, deshalb misslangen auch große Aktiendeals. Bei der Bank of America und der Citigroup langte der Hedge-Fonds-Manager ebenso gründlich daneben wie bei Hewlett-Packard.

Besonders bitter war das Kapitel Sino-Forest. Paulson hatte sich 14 Prozent der Anteile an dem in Toronto gelisteten chinesischen Waldkonzerns gesichert. Doch im April brach deren Aktienkurs ein. Eine Analysefirma hatte Sino-Forest vorgeworfen, den eigenen Waldbesitz gnadenlos übertrieben zu haben. Von rund 24 kanadischen Dollar ging es bis auf fast einen Dollar zurück. Zwar zog Paulson vor dem Tiefstand die Notbremse, vor hohen Verlusten schützte ihn das allerdings nicht.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Immense Verluste: Hedge-Fonds-Star John Paulson stürzt immer tiefer"

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  • Habe eine ETW verkauft und stecke 2012 alles in Finanztitel. Alles oder nichts...

  • Zitat: "Das Jahr 2012, das steht schon lange fest, lief katastrophal."

    Wenn man das hier sogar schon lesen kann, sollte man wohl short gehen ....

  • Wenn es am schönsten ist, soll man halt aufhören!
    Aber Gier frist Hirn.

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