Immobilienfonds
Schließungswelle macht nicht vor Großanlegern halt

Rüdiger Sälzle hat es bereits im Vorfeld geahnt. "Als Kanam die Schließung ihrer beiden Immobilienfonds bekannt gab, war uns klar, dass dies kein Einzelfall bleibt", sagt der Vorstand der Münchner Fondsberatungsgesellschaft Fondsconsult. Angesichts der hohen Mittelrückflüsse habe für die meisten Publikumsfonds kaum eine andere Möglichkeit bestanden, ein Absinken der Liquiditätsquote unter die Marke von zehn Prozent zu verhindern.

HAMBURG. Die Schließungswelle macht auch nicht vor ausschließlich Großanlegern vorbehaltenen Produkten halt: So setzte am vergangenen Donnerstag auch die schwedische Catella Property Group die Anteilsrücknahme aus. Noch vor wenigen Monaten hatte sie für ihren erst vor einem Jahr aufgelegten Fonds Focus Nordic Cities wegen hoher Zuflüsse einen Verkaufsstopp neuer Anteile verhängt, der im Juni aufgehoben wurde. Das Konzept, ausschließlich in den Ostseeanrainerstaaten zu investieren, kam bei den Investoren gut an, zumal sich der Fonds im Sektorvergleich erfreulich entwickelte: Per Ende September belegt er mit einem Zwölf-Monats-Plus von 5,76 Prozent unter 32 Vergleichsfonds Rang zehn (siehe Tabelle).

"Wir verstehen unser Produkt als Beimischung zu globalen Immobilienportfolios institutioneller Investoren", kommentiert Andreas Kneip, Vorstand der in München ansässigen Catella Real Estate, die Strategie. Der regionale Schwerpunkt kommt nicht von ungefähr: "Unsere Muttergesellschaft verfügt dank ihrer Präsenz in der Region über eine umfassende Expertise auf den jeweiligen Immobilienmärkten", so Kneip. Aktuell sondiert er mit dem Fonds vor allem in Norwegen und Polen, nachdem zuvor unter anderem das Baltikum zu seinen bevorzugten Anlagegebieten gehört hatte. Ein Engagement, das Fondsconsult-Vorstand Sälzle eher als kritisch beurteilt.

Das sieht Axel Trescher von der UBS Real Estate ähnlich. "Länder wie Estland, Lettland oder Litauen sind anfällig für volkswirtschaftliche Instabilitäten", begründet der Manager des UBS (D) 3 Kontinente seine Skepsis. In den vergangenen zwölf Monaten lieferte sein Fonds mit 6,77 Prozent das beste Ergebnis der Vergleichsgruppe und ließ damit auch den hauseigenen Konkurrenten UBS (D) Euroinvest Immobilien knapp hinter sich. "Der Vorsprung resultiert unter anderem aus der höheren Vermietungsquote, die aktuell bei 97,5 Prozent liegt", erläutert Trescher und verweist zudem auf die Sektoraufteilung des 3-Kontinente-Fonds: Dieser habe auch von der höheren Gewichtung von zuletzt sehr rentierlichen Logistik-Immobilien profitiert.

Privatanleger konnten an der guten Entwicklung bislang allerdings nicht teilhaben: Der Fonds steht lediglich Investoren offen, die mindestens 500.000 Euro mitbringen. Der Ausstieg ist wie beim Focus Nordic Cities derzeit nicht möglich.

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