Immobilieninvestments
Ein neuer Teufelskreis droht

Die weltweite Kreditkrise erreicht immer neue Teile des Finanzsystems. Auch Immobilieninvestments mit guter Bonität geraten im Zuge der Krise unter Druck. Angsichts der illiquiden Märkte müssen Fonds bei Banken nun zunehmend mehr Sicherheiten hinterlegen - Experten befürchten eine Verkaufswelle bei Krediten.

FRANKFURT/LONDON. Der Preisverfall für forderungsbesicherte Wertpapiere und Anleihen führt jetzt dazu, dass Hedge- und Anleihefonds nicht mehr die von den Banken zusätzlich geforderten Sicherheiten bieten können. Ein börsennotierter Fonds für Hypothekenanleihen des Finanzinvestors Carlyle wurde deshalb am Freitag vom Handel ausgesetzt. Jetzt ringen Carlyle und die Banken um eine Lösung. Einigen sie sich nicht, droht der Notverkauf von Anlagen.

Der Fonds Carlyle Capital Corp. (CCC) hat rund 22 Mrd. Dollar in Immobilienanleihen der US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac investiert. Die Papiere werden mit Bestnoten bewertet, doch auch ihre Kurse sind im Zuge der Finanzkrise unter Druck geraten. Nachdem Carlyle am Donnerstag mitgeteilt hatte, bei Repo-Geschäften mit Banken könnten zusätzlich geforderte Sicherheiten von 37 Mill. Euro nicht gestellt werden, hatte die Aktie des in Amsterdam notierten Fonds die Hälfte ihres Wertes verloren. Dies und andere schlechte Nachrichten etwa vom US-Häusermarkt haben die Risikoaufschläge für Anleihen und strukturierte Wertpapiere wieder massiv nach oben getrieben.

Erschreckend sei die Tatsache, dass die Kreditkrise jetzt auch auf Immobilieninvestments mit guter Bonität übergreife, sagte ein Londoner Investmentbanker. Experten befürchten zudem, dass Zwangsverkäufe eines Fonds dieser Größe einen Teufelskreis auslösen könnten: Sollte Carlyle gezwungen werden, große Teile seines Portfolios auf den Markt zu werfen, um die Sicherheitsforderungen der Banken zu erfüllen, könnte der Kurs der Papiere so weit absacken, dass auch andere Fonds zu Notverkäufen gezwungen werden. Die Intermediate Capital Group, ein Anbieter von Hybridkapital bei Übernahmefinanzierungen, teilte am Freitag mit, dass sie ihren 1,1 Mrd. Euro schweren Fonds zum Teil refinanziert habe, um solchen Marktreaktionen zu entgehen.

"Notverkäufe sind derzeit der Hauptrisikofaktor für die Märkte", sagte Jochen Felsenheimer, Leiter der Kreditstrategie bei Unicredit. Es gebe sehr viele verletzliche Strukturen, die jederzeit getroffen werden könnten, wenn bestimmte Marktwerte unterschritten werden. Dass Banken angesichts der illiquiden Märkte und des Preisverfalls der Anlagen nun mehr Sicherheiten verlangten, sei logisch, sagte Felsenheimer. Er rechnet damit, dass in den kommenden Wochen auch in anderen Bereichen mehr Sicherheiten verlangt würden und einige Hedge-Fonds dann "mit dem Rücken zur Wand stehen" würden. In den vergangenen Tagen mussten Focus Capital aus den USA und der Londoner Hedge-Fonds Peloton schließen.

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