Immobilienkrise
Milliarden-Fonds geschlossen

Die Kapitalanlagegesellschaft Aberdeen setzt die Anteilsscheinrücknahme des offenen Immobilienfonds Degi International zum zweiten Mal innerhalb gut eines Jahres aus.
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DÜSSELDORF. Damit ist eingetreten, wovor die Fondsbranche zittert, seitdem ab Ende Oktober 2008 nacheinander zwölf Immobilienfonds schlossen und rund 40 Prozent der gut 80 Mrd. Euro Anlegergelder blockiert waren. Denn die Branche fürchtet, in eine neue Krise zu fallen, falls ein Fonds seine Wiedereröffnung nicht durchhält.

Der Degi International hatte am 30. Januar als einer der ersten im Vorjahr geschlossenen Fonds wieder Anteile gegen Geld getauscht. Der zweite Degi-Fonds, der Degi Europa, nimmt nach wie vor keine Anteile zurück. Damit sind nun 3,7 Mrd. Euro Anlegergelder in Degi-Fonds blockiert.

Der Vertriebspartner Commerzbank soll Aberdeen hängengelassen haben

Der Degi ist letztendlich das Fehlen eines starken Vertriebspartners zum Verhängnis geworden. Bis April 2008 war die Degi eine Tochter der zum Allfinanzkonzern Allianz gehörenden Dresdner Bank. Als die Dresdner dann 2008 auch noch an die Commerzbank verkauft wurde, war abzusehen, dass sich der neue Commerzbank-Konzern auf den Vertrieb der offenen Immobilienfonds der Commerz Real konzentrieren würde, was an den Mittelzuflüssen für diese Gesellschaft (siehe Grafik) ablesbar ist.

Aus der Branche ist zu hören, dass die Commerzbank nicht nur kaum Degi-Fonds vermittelt, sondern Kunden ermuntert, aus Degi-Fonds auszusteigen und zu Commerzbank-Produkten zu wechseln. Bei Aberdeen ist das Problem erkannt: "Wir sind auf der Suche nach einem neuen großen Vertriebspartner", sagte ein Aberdeen-Sprecher dazu.

Offiziell nennt Aberdeen "eine neue Diskussion über mögliche Verlustrisiken bei offenen Immobilienfonds" im Juni als Grund für die erneute Aussetzung. Im Juni wertete der Morgan Stanley P2 Value, der noch immer keine Anteile zurücknimmt, seine Immobilien um 10,4 Prozent ab, so dass die Anleger auf Einjahresbasis einen Verlust von rund 14 Prozent erlitten.

"Dies führte in der ganzen Branche zu einem sprunghaften Anstieg der Mittelrückflüsse", teilte Aberdeen mit und nennt für den eigenen Degi International in der Zeit von Juni bis September 250 Mio. Rückzahlungen an die Anleger.

Andere Gesellschaften widersprechen dieser Darstellung und verweisen auf die eigenen Vertriebserfolge - so etwa die Union-Investment-Gruppe. Sie hat das in ihren Publikums- und Spezialfonds für institutionelle Investoren gemanagte Immobilienvermögen seit Jahresbeginn um 17 Prozent gesteigert und damit erstmals die Marke von 18 Mrd. Euro überschritten.

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