In Lebensmittel investieren
ETFs und das tägliche Brot

In diesen Wochen werden regelmäßig die Prognosen für die weltweite Konjunktur nach unten korrigiert. Düstere Aussichten also für Aktienanleger. In solchen Zeiten sind defensiv ausgerichtete Branchen gefragt. Wie die Nahrungsmittelindustrie - vorausgesetzt, sie kann sich auf den Wandel im Konsumverhalten einstellen.

Legt man die Prognosen der Uno zugrunde, werden im Jahr 2030 mehr als neun Milliarden Menschen die Erde bevölkern. Allerdings zeigen sich unterschiedliche Trends in der Entwicklung zwischen Industrieländern und Schwellenländern. Hierzulande wird - wie auch in anderen entwickelten Ländern - ein Bevölkerungsrückgang erwartet. Gleichzeitig wird durch die schwachen Geburtenzahlen und die erhöhte Lebenerwartung die Bevölkerung im Durchschnitt immer älter. Dazu kommt eine Zunahme der Single-Haushalte. Diesem Wandel in der Gesellschaft muss die Nahrungsmittelindustrie mit einer wachsenden Segmentierung der Angebotspalette nachkommen.

Ganz anders ist die Entwicklung in den Schwellenländern. So müssen in Indien jährlich 16 Millionen Menschen mehr ernährt werden, in China kommen jedes Jahr zwölf Millionen hinzu. Und es gibt noch einen Unterschied zu den Industrieländern. Die Schwellenländer verfügen immer noch über eine positive, wenn auch rückläufige, Wirtschaftsentwicklung, aus der sich weiterhin eine wachsende Mittelschicht bildet. Zudem ziehen immer mehr Menschen vom Land in die Stadt und müssen zusätzlich versorgt werden. Der Wohlstand in diesen Ländern nimmt insgesamt zu. Nach Meinung des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts nimmt mit steigendem Einkommen der Bedarf an höherwertigen Lebensmitteln zu. "Fleisch statt Reis", lautet die Devise. Doch es gibt Unterschiede. Anders ist die Situation in Russland. Die sinkenden Rohstoffpreise der letzten Monate führen zu einem Rückgang der Lebensverhältnisse in Teilen der Bevölkerung und damit zu einem Nachfragerückgang.

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Größe gefragt

Trotz aller Widrigkeiten erzielte beispielsweise die die deutsche Nahrungsmittelindustrie nach Schätzung der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) 2008 ein Umsatzwachstum von mehr als fünf Prozent auf 155 Milliarden Euro, wobei ein Großteil des Wachstums auf Preissteigerungen zurückzuführen ist. Für 2009 rechnet die BVE mit gleich bleibenden oder leicht steigenden Umsätzen. Wichtig bleibt, auch in der Branche Gewinne richtig einzuschätzen. Zwar hat der Schweizer Konzern Nestlé vor kurzem einen Gewinnsprung von fast 70 Prozent gemeldet, allerdings stammt ein Großteil davon aus einem Unternehmensverkauf. Realistischer ist die Steigerung des Betriebsgewinns um gut 14 Prozent.

Neben der klassischen Nahrungsmittelherstellung sind vor allem zwei Nachfragetrends zu erkennen. Zum einen der Bedarf an Bio-Lebensmitteln, zum anderen der Kauf von Functional Food. Dahinter verbergen sich Nahrungsmittel, die mit zusätzlichen Inhaltsstoffen angereichert werden, wie Joghurt oder Margarine.

Zudem dürfte Bewegung in die Unternehmenslandschaft kommen. Experten erwarten weitere Fusionen und Übernahmen. Hintergrund: Je größer und bekannter ein Unternehmen ist, umso besser ist der Platz für seine Produkte in den Supermarktregalen.

Branchenindex aus 24 Titeln

Die Entwicklung der Aktien von europäischen Firmen aus der Nahrungsmittelindustrie bildet der Branchenindex Dow Jones Stoxx 600 Food & Beverage ab, in dem aktuell die Anteilsscheine von 24 Gesellschaften vertreten sind. Das mit weitem Abstand höchste Gewicht im Kursbarometer hat mit 38 Prozent Nestlé. Mit gut neun Prozent folgen Unilever und Diageo. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass der Anteil Schweizer Unternehmen am Index knapp zwei Fünftel ausmacht. Der Branchenindex wird sowohl als reiner Preisindex wie auch als Performanceindex unter Einrechung der gezahlten Dividenden vom Indexanbieter Stoxx berechnet. Im langjährigen Vergleich mit dem Euro Stoxx 50 schnitt der Branchenindex (jeweils Performanceindex) deutlich besser ab. Während der Euro Stoxx 50 im Zehnjahreszeitraum 16,5 Prozent nachgab, konnte der Dow Jones Stoxx 600 Food & Beverage trotz aller Finanzmarktturbulenzen und geplatzten Blasen ein kleines Plus von 2,4 Prozent (Stand 16.02.2009) erzielen. Selbst im Krisenjahr 2008 fiel das Minus mit 35 Prozent nicht ganz so stark aus wie beim Leitindex mit über 40 Prozent.

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