Indexfonds
Was kostet die Welt?

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Aktiv gemanagte Fonds enttäuschen

In den USA wurde inzwischen bei ETFs die Billionengrenze beim verwalteten Volumen überschritten. In Deutschland, wo die ersten dieser Indexfonds erst 2000 zum Vertrieb zugelassen wurden, lag das verwaltete Volumen 2012 bei 219 Milliarden Euro. Doch noch wird das enorme Wachstum vor allem von Großanlegern getragen.

Privatanlegern werden ETFs oft gar nicht angeboten. Dafür gibt es einen simplen Grund: „Ein wesentlicher Teil des Geschäfts von Großbanken basiert auf Provisionen, die Fondsgesellschaften zahlen. Für ETFs gibt es dagegen keine Provisionen. Außerdem benötigen ‚langweilige’ ETFs nur selten eine Anpassung im Depot. Großbanken brauchen aber Bewegung, weil jede Transaktion Gebühren bringt,“ erklärt Lutz Neumann, Leiter der Vermögensberatung der Sutor Bank.

Die Hamburger Privatbank richtet sogar ihre Vermögensverwaltung auf ETFs aus: „Der Kunde zahlt bei unserer Vermögensverwaltung eine preiswerte und transparente All-in-Fee. Deshalb sind wir nicht auf Provisionen angewiesen. Wir können völlig produktunabhängig agieren und setzen in der Vermögensverwaltung vor allem ETFs ein, um so höhere Renditen für den Kunden zu erzielen“, so Neumann.

Von Anfang an waren die Papiere eine Kampfansage an klassische Investmentfonds. Ihre Fondsmanager treten stets mit dem Anspruch an, durch ein aktives Management den Markt zu schlagen. Das versuchen sie durch eine gezielte Aktienauswahl, Trendgespür oder Umschichtungen zu erreichen. Doch die Bilanz fällt ernüchternd aus: So liefern nur acht von 169 Fonds für amerikanische Standardwerte über einen Zeitraum von zehn Jahren einen höheren Ertrag als der Vergleichsindex MSCI USA. Bei europäischen Aktien schneiden derzeit  60 von 225 Produkten über diesen Zeitraum besser ab als der Vergleichsindex.

Wer solche Ausnahmemanager rechtzeitig ausmacht, kann oft erheblichen Mehrwert generieren. So überrundete etwa der Allianz Euroland Equity Fonds den Vergleichsindex MSCI EMU im Zehn-Jahres-Vergleich um durchschnittlich 4,2 Prozentpunkte pro Jahr. Auch auf Fünf-Jahres-Sicht schafften seine Manager sogar etwa zehn Prozentpunkte pro anno mehr. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass dieser Manager auch über die nächsten zwölf Monate zu den Besten zählt. Aber eine Garantie dafür gibt es nicht. Nur wenige Fondsmanager schaffen es auf Dauer, den Markt zu schlagen. ETFs sind so konzipiert, dass sie einen Vergleichsindex möglichst eins zu eins abbilden, nicht mehr und nicht weniger.

Doch allein auf der Handelsplattform Xetra sind inzwischen mehr als 1.000 ETFs gelistet. Dieses Angebot überfordert die meisten Anleger. „Kaufen Sie nur, was Sie verstehen“, rät Justus Heuer, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Lehrstuhl für Finanzwirtschaft der Universität Mannheim. Die meisten Investoren sind mit einem breitgestreuten Index wie dem Euro Stoxx 50 oder dem MSCI World gut bedient“, betont Heuer. Sie können die Wertentwicklung leicht nachvollziehen.

Allein durch diese Vorauswahl reduziert sich das Angebot bei Xetra auf 18 ETFs für den Euro Stoxx 50, 14 für den S&P 500 und acht für den DAX. Weitere acht konzentrieren sich auf den weltweiten Index MSCI World, der Aktien aus 23 Industriestaaten kauft. Zwei weitere Produkte investieren in den schnell wachsenden Schwellenländern. „Ein Kardinalfehler, den Anleger machen, ist zu glauben, dass der MSCI World alle Märkte abdeckt. Die klassische Variante schließt aber Schwellenländer aus“, erklärt Heuer.

Kommentare zu " Indexfonds: Was kostet die Welt?"

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  • Es gibt sehr wohl echte Rohstoff-ETFs (ETF090, DBX1LC, ...). Da natürlich schlecht ein Rohstoffkorb direkt abgebildet werden kann, sind diese alle swap-basiert.

  • Es gibt zwar Unterschiede zwischen replizierenden und swap-basierten ETFs aber das ändert nichts an der Tatsache, dass ETFs immer Sondervermögen sind.
    Bei swappenden ETFs weicht zwar der vom ETF gehaltene Wertpapierkorb vom abgebildeten Index ab, dennoch sind diese Wertpapiere Sondervermögen. Die mögliche negative Differenz zwischen der Wertentwicklung des Wertpapierkorbs und des Index wird dann von einem Swapgeschäft (Zertifikat) beglichen (der Wert des Swaps darf aber niemals 10% des ETF-Wertes überschreiten - meist ist der Swap-Wert sogar negativ).
    Also bitte erst informieren bevor man hier so einen Unsinn verbreitet.

  • Achtung Fehler in diesem Artikel: ETF sind nicht automatisch Sondervermögen (wie z.B. Aktienfonds) und somit nicht vor Insolvenz des Emittenten geschützt. Die allermeisten ETF haben nicht pysisch die Aktienbeteiligungen gekauft sonder bilden durch Zertifikate den Index nach!!! Bei Aktienfonds ist der Anleger über den Fonds stets mit dem Sondervörmögen Anteilseigner an den beteiligten Unternehmen. Blinde Empfehlung von ETF an Privatanleger extrem fahrlässig. Mich erinnert diese ETF Hausse an den Zertifikaten Hype (Lehman Brother lässt grüssen...)

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