Indexfonds
Blackrock fordert Transparenz

Die Anbieter börsennotierter Fonds würden sich durch zu komplexe Produkte selbst schaden, warnt ein Experte von Branchen-Schwergewicht Blackrock. Der Markt müsse sich selbst regulieren.
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Shanghai, FrankfurtMit zu komplexen und undurchsichtigen Produkten schneidet sich die ETF-Branche nach der Ansicht des weltweit größten Anbieters börsennotierter Indexfonds Blackrock ins eigene Fleisch. „Investoren sind zunehmend verunsichert, weil mehr und mehr komplexe Produkte lanciert werden“, sagte Nick Good, Chef von Blackrocks ETF-Geschäft in der Region Asien-Pazifik, am Freitag in einem Reuters-Interview. „Ich denke, wir laufen Gefahr, der Industrie zu schaden, solange sich die Branche nicht selbst reformieren kann.“

Die Warnung des Blackrock-Managers kommt zu einer Zeit, in der die Kritik an ETFs von vielen Seiten zunimmt. In den vergangenen Monaten hatten etwa die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), der Internationale Währungsfonds (IWF) und der Finanzstabilitätsrat vor den Risiken durch ETSs für das weltweite Finanzsystem gewarnt.

Dabei kritisierten sie vor allem die Wertpapierleihe- und Swap-Derivategeschäfte innerhalb der Produkte. Dadurch sei vielfach kaum nachvollziehbar, welche Risiken bei welchem Marktteilnehmer lägen. Im Juli gab die EU-Aufsichtbehörde ESMA bekannt, dass sie ETFs und strukturierte Fonds in der EU anders als bisher regulieren wolle. Dazu will sie bis Ende 2011 neue Richtlinien veröffentlichen.

Einige ETF-Anbieter wie die Deutsche Bank und Blackrock wollen diesen und anderen geplanten Verordnungen zuvorkommen. Dazu haben sie Vorschläge gemacht, wie die Branche sich selbst regulieren könne. Die Branche „ist sich selbst schuldig, diese Veränderungen einzugehen“, sagte Good. „Sich wieder den Wurzeln dessen zuzuwenden, was die Industrie erfolgreich gemacht hat, wird das Wachstum, das wir gesehen haben, aufrecht erhalten, wenn nicht sogar steigern.“

Die ersten ETFs, die vor rund zwanzig Jahren in Kanada und den USA auf den Markt kamen, vollzogen die Wertentwicklungen großer Aktienindizes nach. Dazu kauften und verkauften sie die Wertpapiere aus den entsprechenden Börsenbarometern. In den vergangenen Jahren sind ETFs auf weitere Anlageklassen wie Anleihen, Rohstoffe und Hedgefonds hinzugekommen, und auch Nischen-Aktienmärkte sind inzwischen über börsennotierte Indexfonds zugänglich.

Dabei nutzen immer mehr Fonds nicht mehr den ursprünglichen Ansatz, um die Wertentwicklungen von Indizes nachzuvollziehen. Stattdessen gehen sie Swap-Derivategeschäfte mit Banken ein. „Diese Produkte wurden geschaffen, um einfach zu sein“, sagte Good. „Aber sie werden sehr undurchsichtig und sehr schwer verständlich für den Durchschnittsanleger.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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