Indexfonds
Der UBS-Skandal und seine Folgen

In einem einfachen Anlageprodukt können komplexe Elemente stecken. Deshalb drängt die europäische Aufsicht auf noch mehr Transparenz bei börsengehandelten Indexfonds. Denn ETFs sorgen immer häufiger für Schlagzeilen.
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FrankfurtErst vor einer Woche flog ein Händler bei der UBS auf, der durch Luftbuchungen solcher Exchange Traded Funds, kurz ETFs, Spekulationen mit Index-Terminkontrakten verschleierte. Damit bescherte er der Bank Milliardenverluste. Die Branche hat dies allerdings gut verdaut. Denn Anleger haben sich wegen dieses Vorgangs nicht von ETFs verabschiedet. Nach einhelliger Meinung aus der Anlagebranche haben solche fiktiven ETF-Geschäfte nichts mit Konstruktionsschwächen der Produkte zu tun.

Trotzdem sorgen die Fonds für Diskussionen auf verschiedenen Feldern. „Die Transparenz steht im Fokus“, sagt Dirk Klee, Deutschland-Leiter beim ETF-Marktführer Blackrock. Mit dem Argument, dass ETFs so zusammengesetzt sind wie ein Index und der Anleger in jedem Moment genau die Struktur seines Portfolios und auch den entsprechenden Preis kennt, haben die Anbieter das Geschäft in Europa vorangetrieben.

Dieses Urmodell ist im Fachjargon als replizierender Ansatz bekannt. Das Konzept verwischt allerdings. Manche Anbieter verwenden spezielle Derivate in ihren ETFs. Es geht um Tauschgeschäfte, sogenannte Swaps. Der Fonds hält dann nicht die im Index enthaltenen Papiere, sondern andere. Eine Bank, der sogenannte Swappartner, garantiert dafür die Indexrendite. Die komplex anmutende Konstruktion hat verschiedene Vorteile. Der Nachteil dieses synthetischen Modells ist die sinkende Transparenz sowie das Bonitätsrisiko der garantierenden Bank. Im April dieses Jahres hatte der Financial Stability Board, das internationale Gremium zur Verbesserung der Finanzmarktstabilität, diese ETF-Konzepte kritisiert. Das kurze Papier war nach Meinung von Fachleuten eher oberflächlich. Es gab der Diskussion allerdings Impulse. Jetzt hat sich vor allem die Esma eingeschaltet, die neue EU-Finanzmarktaufsicht. „Das ist ein ernsthafter Ansatz“, sagt Klee.

Im Juli stellte die Esma ein 40-seitiges Diskussionspapier vor. Die Aufsicht strebt ein strafferes Regelwerk für komplexe Investmentfonds und auch ETFs an. Im Zentrum stehen etwa die synthetischen ETFs und die damit verbundenen Risiken. Bis zum heutigen Donnerstag können alle Interessierten ihre Stellungnahme dazu abgeben. Nach dem Kommentar der EU-Abgeordneten Sharon Bowles sollen ETFs künftig auch unter die EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid fallen, was mit aufwendigen Berichts- und Nachweispflichten für die Vermögensverwalter verbunden wäre.

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Die Tauschgeschäfte sind lukrativ

Kommentare zu " Indexfonds: Der UBS-Skandal und seine Folgen"

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  • Das mag interessant klingen. Aber ist es nicht so, dass auch die Bundesbank in ihrer Bilanz den "effektiven" Goldbestand gemeinsam mit Goldforderungen saldiert ausweist.

    Da weiss auch niemand mehr was ist jetzt da und was nicht.

    Hintergrund der Überlegung kann doch nur sein, dass ein zahlungsunfähiger Goldschuldner zwar seine Kredite in Währung nicht mehr zurückzahlen kann, aber der Bundesbank immer noch das in Aussicht gestellte Gold am Fälligkeitstag übergibt.

    Das ganze hat damit zu tun, dass versprochene, ja sogar verbriefte Kapitalrückzahlungsgarantie einer in die Pleite gegangenen Bank ihr Papier, auf die sie geschrieben ist, nicht wert ist.

    Es sollte auch nach dem Hintergrund gefragt werden, weshalb der Bankenverband (der privaten Banken) ausgerechnet jetzt seine Sicherheitsgarantien abbauen will. Siehe hierzu deren Presseinfo vom 22.09.2011. Dort heißt es: "Wir passen das System der freiwilligen Einlagensicherung an, um den Fond für zukünftige Herausforderungen besser aufstellen und den Kunden unserer Banken auch weiterhin glaubhaft den besten Schutz für ihre Spareinlagen zu bieten."

    Der Satz hat es in sich. Oder?

  • Guter Kommentar !

    Grundsätzlich problematisch ist die Derivate-Verwässerung von ETFs in normalen Zeiten/Marktbewegungen sicher nicht.

    Jedoch wenn in einer so kurzen Zeit im August 2011 die Indizes praktisch weltweit im Schnitt um ca. 25 % wegsacken, bekommt selbst der beste Financial Engineer mit dem besten Computer Modellen der Welt Probleme, die drastisch ansteigende Volatilität (Kappa) und der dramatischen Veränderung des Gamma, die Position wieder Delta-Neutral zu hedgen !!!

  • Wie die Moritat vom bösen Händler Produktfehler kaschiert:
    Adobolis Aufgabe war es, Anbieter Synthetischer ETFs mit Derivaten zu versorgen
    Solche Derivate nutzen Anbieter / Konstrukteure synthetischer ETFs dazu, den von Anlegern gewünschten Indizes (theoretisch)
    deckungsgleich zu folgen. Dies,ohne die realen Indexbestandteile zu erwerben.
    Hintergrund ist, dass bei klassischen ETFs, die nach Erwerb der Indexbestandteile einem Index tatsächlich 1:1 folgen, für Anbieter nur noch geringe Vergütungen anfallen.
    Durch die Verwässerung mit Derivaten, die Indexbestandteile simulieren, werden dem Anleger bei synthetischen ETFs Risiken untergeschoben. Diese werden ins Kleingedruckte verdrängt und verniedlicht. Vor allem aber werden sie dem Anleger nicht vergütet und erzeugen so Prämien für die Anbieter.
    Die Schummelei ist (insbesondere nach der Abwanderung der Anleger aus den spesenverwöhnten, aktiv gemanagten Fonds) der neue Hoffnungsträger der Finanzbranche.
    Ob Goldman Sachs, ob Citigroup, ob BNP Paribas - alle verstärken massiv ihre Delta One-Bastel-Teams.
    Nun ist im Adobolifall das Derivaterisiko nicht erst beim Kunden, sondern schon auf Anbieterebene, bei der Konstruktion des synthetischen ETFs, detoniert. Fatal aus Marketingsicht.
    P.S.
    Adobolis Folge-Fehler bestand im Versuch, den Schaden zu verbergen. Sein Versuch, den Primärschaden auszugleichen, scheiterte kostspielig

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