Indexfonds
„Es ist erschreckend, wie wir wahrgenommen werden“

Vertreter der ETF-Branche sehen sich als Vorreiter der Transparenz. Dennoch räumen sie ein, dass ihre Produkte noch besser erklärt werden sollten. Im Interview erläutern sie, wie neue Regeln dabei helfen sollen.

Bei den börsengehandelten Indexfonds wächst die Kritik. Und zuletzt war von Milliardenverlusten bei der UBS die Rede, verursacht durch einen ETF-Händler...

Michalik: Die Untersuchungen hierzu sind noch nicht abgeschlossen. Soweit ich es aber den Aussagen der UBS entnommen habe, hat es sich um das kriminelle Fehlverhalten eines Einzelnen gehandelt. Mit ETFs als Produkt hat das nichts zu tun.

Ernster zu nehmen sind Kritiken von Institutionen wie der europäischen Wertpapieraufsicht Esma. Im Kern geht es um Transparenz und den Derivateeinsatz in den ETFs, bei denen ein Bankpartner dem Fonds die Index-Wertentwicklung liefert, im Tausch dafür als Sicherheit andere Wertpapiere als im Fonds vorgesehen stellt.

Michalik: Das ist keine ETF-Diskussion. Es geht um die ganze Fondsbranche, die der europäischen Fondsrichtlinie Ucits unterworfen ist. ETFs sind davon nur ein Teil. Die ETF-Branche ist hier sogar Transparenzvorreiter. Ein einfaches Beispiel: Wir als Anbieter veröffentlichen die Sicherheiten unserer Tauschgeschäfte auf Tagesbasis, ebenso Höhe und Qualität, die der Bankpartner für den Swap hinterlegt. Diese Transparenz gibt es momentan nur bei ETFs. Alle ETF-Anbieter halten sich an Ucits. Wegen des großen Wettbewerbs bei ETFs halte ich es für unumgänglich, hier gegenüber Anlegern Transparenz herzustellen. Sicher haben manche Anbieter noch Nachholbedarf. Hier sehe ich das Problem.

Der Anbieter erklärt also, was in dem Fonds für Papiere sind, zeigt bei Swapeinsatz die Swappartner und die von Ihnen hinterlegten Sicherheiten...

Klee: Zum Beispiel. Es heißt außerdem, dass man täglich die Wertpapierbestände veröffentlicht. Viele ETFs erwirtschaften auch Zusatzerträge durch Wertpapier-Leihegeschäfte. Hier sollte man die Partner und die von ihnen hinterlegten Sicherheiten anzeigen. Solche Wertpapier-Leihegeschäfte machen viele Investmentfonds, nur wird das in der Regel gar nicht veröffentlicht. Auch hier sind wir als ETF-Branche wieder transparenter.

Sie sagen als Branchenvertreter: Wir sind nicht nur zu Unrecht angegriffen worden, sondern wir haben sogar höhere Standards als andere Investmentfonds…

Klee: Ja, aber darauf können wir uns nicht ausruhen. Unsere Produkte und unser Marketing bauen ausdrücklich auf Versprechen wie Transparenz auf. Wir müssen den Vorsprung gegenüber den Anlageprodukten halten und deswegen auch zu Regeln und bestimmten Standards kommen. Das Gros der ETF-Branche erfüllt diese hohen Anforderungen, eine Minderheit allerdings nicht. Wir sprechen in der Branche noch nicht mit einer Stimme

Inwieweit ist das Thema Transparenz ein Thema für die Aufsicht?

Kremer: Es ist sowohl ein Thema für alle Investmentfonds als auch speziell für ETFs. Für die Indexfonds, weil in einem schnell wachsenden Markt bei zunehmendem Einsatz von Derivaten die Gefahr von Wissenslücken bei den Anlegern besteht. Diese Produkte werden einfach komplexer. Deshalb haben auch wir bei Esma die Diskussion neuer Transparenzregeln angestoßen.

Wird das für alle Investmentfonds oder nur für ETFs gelten?

Kremer: Wir konzentrieren uns mit dem Wachstumsargument erst einmal auf die ETFs. Doch wenn wir beispielsweise über Transparenz etwa bei den Swapgeschäften reden, der Erläuterung der damit verbundenen Risiken im Verkaufsprospekt oder den wesentlichen Anlegerinformationen, also im neuen Fondsinfoblatt für Anleger, dann sprechen wir auch über alle Fonds.

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