Indexfonds
„Gold kann stets gehandelt werden“

Interview mit Michael Geister über die große Nachfrage nach dem Edelmetall. Geister (34) ist seit Juni 2007 bei ETF Securities und betreut institutionelle Investoren in Deutschland und Skandinavien. Davor arbeitete er fünf Jahre lang bei der Societe Generale Corporate & Investment Banking in mehreren Bereichen in Paris, London und Frankfurt.

Herr Geister, ETF Securities als größter Anbieter von Exchange Traded Commodities (ETCs) müsste doch eigentlich - im übertragenen Sinne gemeint - jetzt in Gold schwimmen?

Wir sehen konstante Zuflüsse in das Edelmetall, und zwar aus allen Richtungen. Mittlerweile haben Anleger bei uns 8,5 Mrd. Dollar investiert, mehr als die Hälfte des gesamten Investitionsvolumens von insgesamt 15,7 Mrd. Dollar. Die Finanzkrise hat gezeigt: Gold ist ein liquides Asset, das im Gegensatz zu manch anderen Anlageformen immer gehandelt werden kann. Und es ist sicher: Bei unserem ETC wird das Gold physisch hinterlegt.

Wo liegen die Goldbarren denn?

Das Edelmetall ist bei der HSBC in London eingelagert, einer der größten Edelmetall-Depotbanken. Im Rahmen der Depot- und Gesamtbankaktivitäten ist HSBC entsprechend versichert. Als einer der erfahrensten und etabliertesten Depotstellen im Edelmetallbereich kann HSBC auf umfangreiche Sicherheitsmassnahmen und-technik zurückgreifen, was zusätzliche Sicherheit bietet.

Interessieren sich ihre Kunden auch noch für andere Rohstoffe?

An zweiter Stelle stehen Investitionen rund um das Thema Energie. Aber da beispielsweise Öl nicht in dem Umfang gelagert werden kann und wir auf Terminkontrakte zurückgreifen müssen, können solche Investments problematisch sein. Wir bieten rollverbesserte Indexprodukte an, wobei spezielle, strategische Öl-Produkte bisher nur nur in London gehandelt werden. Hier kann die Entwicklung des 1-, 2- oder 3-Jahres Ölpreises dargestellt werden. Diese Produkte haben langfristig eine erheblich bessere Performance geliefert.

Sind die Investitionen ihrer Kunden in Rohstoffe eher kurzfristiger oder langfristiger Natur?

Beides. So werden gehebelte ETCs oder solche, mit denen auf fallende Kurse gesetzt wird, eher von kurzfristig agierenden Anlegern eingesetzt. ETC-Käufe von umfassend angelegten Rohstoffindizes sind eher langfristig angelegt. Damit wollen beispielsweise institutionelle Investoren ihr Depot diversifizieren.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen ETCs (Exchange Traded Commodities) und ETFs (Exchange Traded Funds)?

Fangen wir mit den Gemeinsamkeiten an: Beide sind unbegrenzt in ihrer Laufzeit und dem Emissionsvolumen sowie sehr kostengünstig. ETCs beziehen sich auf Rohstoffindizes und Einzelrohstoffe. Der Hauptunterschied zu ETFs ist, dass ETCs Wertpapiere sind - sie sind keine Fonds. ETCs verbinden die Sicherheit von Fonds mit der Flexibilität von Zertifikaten. Investoren haben kein Emittentenrisiko, anders als typische Zertifikate, und die Vermögenswerte sind vom Emittenten getrennt, genau wie bei einem Fonds. Die Besicherung geschieht jeweils durch physisches Edelmetall oder durch Rohstoffkontrakte und Sicherheitenpools. Auf einzelne Rohstoffe könntemanbeispielsweise auch keine ETFs bilden, da Fonds mit nur einem Basiswert in Deutschland rechtlich nicht möglich sind.

Wie sind denn die gehebelten ETFs auf Dax und Euro Stoxx 50 angenommen worden, die sie kürzlich auf den Markt gebracht haben?

Sehr gut, allerdings sind wir bisher bei diesen sehr jungen ETFs mit 60 Millionen Dollar investierten Volumen bei Hebel/Short-Indexfonds noch ein kleiner Anbieter. Das Handelvolumen steigt in diesem Marktumfeld besonders stark. Mit den neuen Produkten können Investoren durch den Hebel auf fallende Kurse nicht nur ihr Depot absichern, sondern mit dem gleichen Investitionsvolumen auch noch Rendite erzielen. Diese gehebelten Produkte auf Dax und Euro Stoxx 50 waren für uns auch Neuland. Bislang haben wir nur ETFs auf Aktienindizes auf den Markt gebracht, die in irgendeiner Weise mit Rohstoffen zu tun haben.

Planen Sie in naher Zukunft, ihr Angebot an ETFs auf Standardindizes auszuweiten?

Alleine nicht. Wenn, dann nur im Rahmen einer Kooperation, genannt ETFExchange. ETFX ist ein Zusammenschluss von mehreren Banken, die unter einem Emittentennamen auftreten, beidemjeder Partner auf einer gemeinsamen Plattform sein Know-how mit einbringt.

Jürgen Röder
Jürgen Röder
Handelsblatt / Redakteur Finanzzeitung
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