Fonds + ETF
Indexfonds kämpfen ums Überleben

Die Experten erwarten eine Konsolidierung: Nur wenige Anbieter werden überleben.

FRANKFURT/M. In spätestens drei Jahren wird mindestens die Hälfte der verbliebenen 14 Anbieter von börsengehandelten Indexfonds vom europäischen Markt verschwunden sein. Davon sind Experten überzeugt. Den Startschuss für die erwartete Konzentration gab Barclays Global Investors (BGI) in der vergangenen Woche. Die zur Barclays - Gruppe gehörende Gesellschaft übernahm die beiden letzten von Merrill Lynch noch angebotenen börsengehandelten Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF). Merrill war drittgrößter Anbieter, musste aber aus Kostengründen trotzdem aufgeben.

Durch den Zukauf der beiden rund zwei Milliarden Euro schweren Merrill- Produkte katapultierte sich BGI auf den ersten Platz der europäischen ETF-Emittenten (Tabelle). "Wir werden noch andere Anbieter kaufen, wenn sich die Gelegenheit bietet", kündigte Lee Kranefuss, Chef der weltweiten ETF-Sparte von BGI in San Francisco, im Gespräch mit dem Handelsblatt an.

Am ETF-Markt treffen massive Konzentrations- und Expansionstrends aufeinander. Bei der Zahl der Asset-Manager und gehandelten Produkte scheint ein Schrumpfen unvermeidlich, denn die mit niedrigen laufenden Gebühren versehenen ETF können nur bei sehr großen Vermögen rentabel verwaltet werden. Gleichzeitig sorgen die geringen Gebühren, sehr vielseitigen Einsatzmöglichkeiten der Fonds - gerade für institutionelle Anleger - und in Zukunft die Erschließung völlig neuer Vermögensformen als Grundlage für ETF für anhaltendes Marktwachstum. So sind ETFs auf Rohstoffe oder Immobilien denkbar.

Erst im Frühjahr 2000 etablierte die Deutsche Börse das erste europäische ETF-Handelssegment. Heute werden an neun Plätzen insgesamt 98 vor allem auf Aktienindizes lautende Produkte von 14 Investmentgesellschaften mit einem Gesamtvermögen von fast 16 Mrd. Euro gehandelt.

Von Seiten der Anbieter und der Produkte ist der Markt hochkonzentriert. BGI, die zur Hypo-Vereinsbank gehörende Indexchange und die an Société Générale angebundene Lyxor Asset Management kontrollieren mit jeweils über drei Milliarden Euro drei Viertel des Vermögens. Gemessen am Handelsvolumen führt Indexchange die Rangfolge an, vor allem dank des beliebten Dax-ETF.

Zur betriebswirtschaftlichen Seite sagt Kranefuss: "Auf operativer Ebene braucht man mindestens zwei Milliarden Euro, um diesen Fondsbereich betriebswirtschaftlich rentabel führen zu können." Aber das sei nur eine Schätzung auf Basis der operativen Kosten. "Betrachtet man das Gesamtgeschäft und rechnet Kosten beispielsweise des Marketings ein, kommt man auf fünf bis zehn Milliarden."

Aus diesem Grund sieht Isabelle Bourcier, Schlüsselfigur des ETF- Geschäftes von Lyxor in Paris, "auf Sicht von zwei bis drei Jahren weniger als zehn Anbieter im Markt". Kranefuss geht noch weiter: "Höchstens sieben Gesellschaften werden es schaffen." Die stärkste Konzentration erwartet Thomas Meyer zu Drewer. Der Indexchange-Vorstand in München rechnet "mit fünf bis sechs Überlebenden".

Das Rentabilitätsargument zieht auch bei den einzelnen Fonds. In den vergangenen Monaten schlossen die zur Union-Investment - Gruppe gehörende Unico, die zu UBS zählende Fresco, Merrill Lynch und BGI bereits 31 Fonds. Dabei handelte es sich meist um Branchenprodukte mit extrem geringen Vermögen. Das ist nach Ansicht des BGI-Experten und anderer Fachleute der Auftakt zu einer Schließungswelle.

Trotzdem wird der europäische ETF-Markt weiter wachsen. Kranefuss rechnet in den nächsten Jahren mit einer Verdopplung des Gesamtvermögens. Treibende Kraft ist unter anderem das von den Emittenten verstärkte Marketing. "Transparenz, geringe Kosten und jederzeitige Handelbarkeit der Produkte spielen eine immer größere Rolle - da haben ETF?s schon heute die Nase vorn", sagt etwa Jan Altmann, Vorstand der Beratungsgesellschaft Funds@Work in Frankfurt.

Zusätzliches Momentum bringt die Erschließung völlig neuer Anlageformen. In den vergangenen Monaten lancierten Indexchange und BGI bereits die ersten ETF auf Anleihenindizes. Weitere in diesem Segment werden folgen, kündigen BGI und Indexchange an. "In den nächsten Jahren wird die Produktzahl auf bis zu 140 steigen, aber davon werden sich dann mindestens 50 auf Bonds und ganz andere Vermögensklassen beziehen", sagt Meyer zu Drewer. "Wir denken über weitere Renten-ETF?s sein, das könnte europäische Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und Pfandbriefe betreffen." Auch BGI will nachlegen.

Spannend dürfte die Erschließung neuer Vermögensformen werden. So sagt Kranefuss: "Wir schauen uns Öl, Gold, Silber und Platin an." Aber bis zur Lancierung ist es ein weiter Weg, denn, so dämpft er zu großen Optimismus, "es gibt Probleme bei der rechtlichen Struktur, des Clearings und der Abwicklung zu lösen". Indexchange will auch mit dabei sein. "Wir prüfen Immobilien, Rohstoffe und Hedge-Funds", sagt Meyer zu Drewer.

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