Indexfonds
Passiv investieren bietet Vorteile

Drei Jahre lang schaute sich Holger Benke das Spiel geduldig an. Doch dann war er mit seiner Geduld am Ende: Er hatte genug von den Versprechen der aktiven Fondsmanager, den Index zu übertreffen.

HBDÜSSELDORF. "Das hat zu oft nicht geklappt", erinnert sich der gelernte Banker. Holger Benke war damals Leiter der Vermögensverwaltung in der Volkswagen-Stiftung und zog die Konsequenzen: Als einer der ersten institutionellen Investoren in Deutschland stellt er Mitte der 90er Jahre die Aktienanlagen in den etablierten Märkten auf das Investment über Indexfonds um. "Das wirkte damals noch leicht exotisch", bemerkt er schmunzelnd, "aber inzwischen ist ein solches passives Investment weit verbreitet."

So verwaltet die Gemeinnützige Hertie-Stiftung, bei der Benke heute als Geschäftsführer arbeitet, etwa Zweidrittel ihrer Aktieninvestments von rund 300 Mill. Euro über indexierte Anlagen. Diese bilden unter anderem den MSCI-Aktienindex Europa und den MSCI USA nach und verursachen im Vergleich zu anderen Fonds nur minimale Kosten.

Ergänzt werden diese Kerninvestments durch aktiv gemanagte Fonds in den Anlagebereichen, wo die Chancen der Fondsmanager höher sind, den Index zu übertreffen. Dazu zählen zum Beispiel die kleinen und mittleren Aktien oder die Emerging Markets. Der Vorteil dieses so genannten Core-Satellite-Ansatzes: Höhere Managementgebühren fallen nur dort an, wo sie auch Erfolg versprechen. Außerdem sinkt das Risiko, den Indexertrag zu verfehlen.

Diese Vorteile überzeugen. "Die meisten institutionellen Investo-ren mischen inzwischen aktive und passive Ansätze", beobachtet Herwig Kinzler, Leiter von Mercer Investment Consulting in Deutschland. Er schätzt, dass der Anteil der passiven Investments an den Aktien- und Rentenanlagen bei einem Großteil der Investoren ungefähr bei einem Fünftel liegt.

Die Gebührenvorteile der Indexfonds sind erheblich. "Ein aktives Mandat für europäische Standardwerte kostet etwa 0,35 bis 0,50 Prozent Managementgebühr im Jahr", rechnet der Mercer-Partner vor. Die günstigsten Exchange Traded Funds (ETFs) berechnen dagegen nur 0,15 Prozent. Manche Spezialfonds kosten Investoren sogar noch weniger.

Die Umstellung auf ein passives Investment für die Kernmärkte ist nicht besonders schwer. "Als erstes sollte geklärt werden, welche Märkte man passiv abdecken möchte", erklärt Martin Stötzel, Vorstand der Rhein Asset Management AG in Düsseldorf, die institutionelle Investoren bei einer solchen Umstellung berät.

Der folgende Schritt besteht darin zu überprüfen, wie die ausgewählten Indizes am günstigsten nachgebildet werden können. "Globale Indexprodukte sind oft deutlich teurer als regionale Indexfonds", erläutert Stötzel. "Ein Herunterbrechen auf mehrere regionale Indizes kann daher Kosten sparen."

Wenn ein passiver Spezialfonds aus Volumengründen nicht in Frage kommt, bieten sich besonders die ETFs als Anlagevehikel an. Dann muss jedoch geklärt werden, wie die ETFs erworben werden sollen. "Bei Investitionsbeträgen von mehreren Millionen Euro könnte sich sonst die Geld-/Brief-Spanne vergrößern", warnt Martin Stötzel. "Daher ist es in einem solchen Fall besser, die ETFs außerbörslich zu erwerben."

Während Stötzel eine weitere Verbreitung des passiven Investments bei den institutionellen Investoren erwartet, sieht Mercer-Berater Kinzler eher gedämpfte Aussichten. "Absolut betrachtet dürften die passiven Investments noch weiter wachsen", meint er. "Ihr relativer Anteil am verwalteten Vermögen wird meiner Meinung nach jedoch nicht weiter zunehmen." Viele institutionelle Investoren würden derzeit zum Beispiel eher über eine Verstetigung ihrer Anlageergebnisse durch Absolute-Return- oder Wertsicherungskonzepte nachdenken.

Für Holger Benke von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung trifft dies jedoch nicht zu. "Als Stiftung haben wir einen sehr langen Anlagehorizont", erläutert er. "Wir halten daher die Schwankungen der Anlageergebnisse aus, denn eine Absicherung kostet immer Geld."

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