Indexfonds
Versicherer im Fokus

Für taktisch orientierte Anleger kann sich derzeit ein Blick auf Branchen-Indexfonds (ETFs) lohnen, mit denen Anleger gezielt in europäische Versicherungswerte investieren, zugleich aber das Einzelaktienrisiko vermeiden können.

DÜSSELDORF. Manchmal müssen alte Denkmuster über Bord geworfen werden: Obwohl die Zinsen in Europa jüngst drastisch gestiegen sind, schlagen sich die Aktien von Versicherern in den letzten Wochen überraschend gut. Sie investieren in der Regel sehr viel Kapital am Anleihenmarkt und müssen daher häufig Buchverluste hinnehmen, wenn der Kurs von Anleihen infolge steigender Zinsen sinkt.

Die Stabilität der großen Versicherer und Finanzdienstleister wie Allianz, ING und Axa verwundert allerdings nicht, wenn man einen Blick auf die vergangenen Jahre wirft, in denen die Versicherer nach herben Kurseinbrüchen in den Jahren 2000 bis 2003 nur zögerlich verlorenes Terrain zurück gewonnen. Sie gehören inzwischen auf Basis des Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zu den am günstigsten bewerteten europäischen Branchen überhaupt. Diese Eigenschaft teilen sie zwar mit Bank- sowie Öl- und Gasaktien, doch deren Ertragslage ist erheblich zyklischer als die der großen Versicherungskonzerne. So sind europäische Versicherer derzeit im Schnitt nur mit einem laufenden KGV von 10 bewertet und zahlen eine Dividendenrendite von 2,6 Prozent.

Für taktisch orientierte Anleger bietet sich daher ein Blick auf Branchen-Indexfonds (ETFs) an, mit denen Anleger gezielt in europäische Versicherungswerte investieren, zugleich aber das Einzelaktienrisiko vermeiden können. Basis von drei Branchen-ETFs für paneuropäische Versicherungsaktien ist jeweils der vom Indexanbieter Dow Jones Stoxx berechnete Stoxx 600 Insurance-Index. Er enthält derzeit 35 europäische Versicherungskonzerne. Größter Wert im Index ist die Allianz mit einem Indexgewicht von 14,9 Prozent, gefolgt von ING (13,1 Prozent) und Axa (11 Prozent). Zehn weitere Versicherer kommen auf eine Gewichtung zwischen zwei und sieben Prozent, der Rest auf weniger als zwei Prozent.

Von Indexchange stammen zwei Indexfonds auf den Branchenindex. Der DJ Stoxx 600 Insurance Ex verwaltet 122 Millionen Euro, er hat die ISIN DE0006289416. Die Swap-Variante dieses Branchenfonds (DE000A0F5T51) verwaltet mit 144 Mill. Euro etwas mehr Geld und ist für Privatanleger interessanter, da auflaufende Erträge steuerschonend thesauriert werden und der Zinseszinseffekt zum Tragen kommt. Beide Produkte bescheiden sich mit einer jährlichen Managementgebühr von nur 0,3 Prozent, hinzu kommen, wie bei Indexfonds üblich, individuelle Orderkosten und ein kleiner Spread zwischen An- und Verkaufspreis. Auch Lyxor bietet einen Branchenfonds auf die europäischen Versicherer (ISIN: FR0010344903, Volumen aktuell: 54 Mill. Euro, jährliche Gebühr ebenfalls 0,3 Prozent).

Langfristig gehören Versicherer zwar nicht zu den ertragreichsten Branchen: Dow Jones Stoxx errechnet für die Periode zwischen 1991 und heute einen jährlichen Zugewinn von 7,1 Prozent. Das ist nach Medien- sowie Freizeit- und Tourismusaktien die drittschlechteste Branchenperformance unter den 18 Branchen der Stoxx-Systematik überhaupt. Die aktuellen Kennziffern des Branchenindex - ein KGV von knapp 10, ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,9 sowie ein Kurs-Cashflow-Verhältnis von 3 sollten die Branche allerdings auch vor allzu negativen Überraschungen immunisieren, sollte sich die Stimmung an den Kapitalmärkten verschlechtern oder gar die Konjunktur einbrechen.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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