Indexfonds Wie gefährlich sind ETFs?

Sie sind zu groß und gefährlich für die Märkte. Sie beeinträchtigen die Markteffizienz und erhöhen die Anfälligkeit für starke Kursrückgänge. Um ETFs ranken sich mittlerweile viele Mythen. Teilweise sind sie wahr.
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Indexfonds: Wie gefährlich sind ETFs? Quelle: IMAGO
Heikles Geschäft

Das Geschäft mit den ETFs boomt. Dennoch sollten Anleger aufpassen, wohin sie ihr Geld stecken.

(Foto: IMAGO)

DüsseldorfDie ETF-Branche boomt. Mit dem Erfolg wächst die Kritik an den Anlageprodukten. Doch nicht immer ist sie berechtigt. Manchmal aber schon. Einen Kursrutsch beispielsweise können die börsengehandelten Indexfonds (ETFs) sehr wohl befeuern. „ETFs können Trends verstärken“, sagt Lutz Johanning, Professor an der WHU Otto Beisheim School of Management. „Aber das können aktiv gemanagte Publikumsfonds ebenso.“ Also: Entwarnung?

Ja und nein. Auch Morningstar-Experte Ali Masarwah sieht das Risiko des Kursrutsch-Beschleunigers, zudem noch einige weitere. „ETFs können dazu beitragen, die Korrelation zu erhöhen, sie können die Volatilität erhöhen und die Rückschlagsgefahr auch.“ Diese Vorurteile seien wahr. Aber: „Darum geht es eigentlich nicht“, ergänzt er.

Es gehe darum, wie die Indexfonds eingesetzt würden. „Wer prozyklische Risikomanagement-Handelssysteme mit ETFs ‚befüllt‘ und wenn sich derartige Modelle ausbreiten, dann sind ETFs nur die Instrumente, auf denen solche Strategien basieren und nicht das Problem.“ Würde es ETFs nicht geben, könnten Investoren solche Strategien über Derivate, Zertifikate und Futures umsetzen oder sogar mit Aktien.

Die Gefahr geht also weniger vom Produkt als viel mehr von den Investoren aus. „Der Markt wird schon immer vom Investmentverhalten der Anleger bewegt“, sagt deshalb auch Lars Reiner, CEO des ETF-Vermögensmanagers Ginmon. „Und das schwankt stets zwischen Angst auf der einen und Gier auf der anderen Seite.“ Ob ein Anleger dabei mit Aktien, Anleihen, ETFs, Fonds oder anderen Wertpapieren handele, spiele keine Rolle.

„Die Anfälligkeit der Märkte für Kursrückgänge hängt vielmehr an Stimmung der Investoren“, so Reiner. „Klar ist aber auch: Immer dann, wenn ein Kauf und Verkauf mit geringem Kostenaufwand durchgeführt werden kann, werden vermehrt emotionale und damit meist prozyklische Investmententscheidungen getroffen, die dann eben auch zu stärkeren Kursanstiegen- oder Rückgängen führen könnten.“ Es liege also nicht am Produkt ETF.

Trotzdem reißen die Warnungen vor den Indexfonds nicht ab. Erfolg ruft unweigerlich Kritiker auf den Plan. Das ist auch bei börsengehandelten Indexfonds nicht anders. Um ETFs ranken sich mittlerweile viele Mythen. Welche davon stimmen und welche ungerechtfertigt sind, das hat sich Johanning im Auftrag des ETF-Anbieters Lyxor genauer angeschaut.

Er ist grundsätzlich überzeugt, dass ETFs die Kapitalmärkte vervollständigen. Sie seien eine kostengünstige, liquide und transparente Möglichkeit, um breit gestreut in Indizes anzulegen. Außerdem würden sie bei der Umsetzung der Strategie eines Investors helfen. Trotzdem müsse man das Instrument natürlich hinterfragen, gerade mit Blick auf Markteffizienz und Preisfindung, Volatilität und Liquidität der Basiswerte, so Johanning.

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4 Kommentare zu "Indexfonds: Wie gefährlich sind ETFs?"

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  • Zusammengefasst lässt sich für mich aus folgenden Auszügen des Artikels:

    „(Der Experte Johanning) ist grundsätzlich überzeugt, dass ETFs die Kapitalmärkte vervollständigen. Sie seien eine kostengünstige, liquide und transparente Möglichkeit, um breit gestreut in Indizes anzulegen. Außerdem würden sie bei der Umsetzung der Strategie eines Investors helfen. Trotzdem müsse man das Instrument natürlich hinterfragen, gerade mit Blick auf Markteffizienz und Preisfindung, Volatilität und Liquidität der Basiswerte, ...“

    >>> „Würde es ETFs nicht geben, könnten Investoren solche Strategien über Derivate, Zertifikate und Futures umsetzen oder sogar mit Aktien.“ <<<

    „Indexfonds auf europäische Basiswerte machen etwa 4,4 Prozent des europäischen Aktienmarktes aus, bei amerikanischen Titeln liegt der Anteil bei 7,6 Prozent. (…) Eine Marktdominanz sieht anders aus.“
    „Bis heute gibt es keine wissenschaftlich belegbare Antwort darauf, ab welcher Gewichtung die Effizienz der Märkte tatsächlich beeinträchtigt wäre“, (…) „Zum aktuellen Zeitpunkt erkennen wir keine negativen Auswirkungen. Zumal der Anteil am Handelsvolumen in Europa (…) relativ gering ist.
    Ganz anders in den USA: Im Dezember 2014 lag das Handelsvolumen im S&P 500-Universum bei stolzen 38 Prozent. „Solche Zahlen muss man sich genauer ansehen“ (…)“
    Weil:
    „Der Markt wird schon immer vom Investmentverhalten der Anleger bewegt“, (lt. Experte Lars Reiner) „Und das schwankt stets zwischen Angst (…) und Gier.“ Ob ein Anleger dabei mit Aktien, Anleihen, ETFs, Fonds oder anderen Wertpapieren handele, spiele keine Rolle.“
    ABER: „Klar ist (lt. Reiner) aber auch: Immer dann, wenn ein Kauf und Verkauf mit geringem Kostenaufwand durchgeführt werden kann, werden vermehrt emotionale(!) und damit meist prozyklische Investmententscheidungen getroffen, die dann eben auch zu stärkeren Kursanstiegen- oder Rückgängen führen könnten.“ Es liege also nicht am Produkt ETF.“

    folgendes Fazit ziehen: (siehe Teil 2/2)


  • Teil 2/2:

    „Dass Indexfonds allerdings grundsätzlich die Preise verzerren, glaubt Experte Johanning nicht:
    >>> Passive Produkte würden aktiven Entscheidungen folgen. <<<
    Durch diese würde die Marktkapitalisierung von Aktien steigen, und die Papiere würden in die entsprechenden Indizes aufgenommen.“
    UND: „Dass ETFs die Markteffizienz beeinträchtigen, hält auch Ali Masarwah, Fonds-Analyst bei Morningstar, für einen Mythos –
    >>> „geschürt von aktiven Managern, die im Begriff sind, die Konsolidierungsschlacht gegen Indexfonds zu verlieren und um ihre Jobs fürchten“. <<<

    Aha.

  • Viel gefährlicher als ETFs ist, auf die Ratschläge der "HB-Experten" zu hören.

  • Die Frage, die ich mir stelle: Was passiert, wenn jemand ein sehr großes ETF-Paket abstößt? Wenn Angebot und Nachfrage gültig blieben, müsste der ETF-Anteilspreis deutlich sinken, möglicherweise sogar unter den Preis der zugrunde liegenden Aktien. Tut er das? Sinken (auch) die zugrunde liegenden Aktien? Löst sich also die Kopplung zwischen ETF und Aktien unter bestimmten Umständen? Oder puffern die Preisfindungsmechanismen und Market Makers der ETF die Auswirkung so ab, dass die eventuelle ETF-Anteilspreissenkung nicht - oder nicht ganz, oder zeitverzögert - an die zugrunde liegenden Aktienwerte durchgereicht wird? Wie werden solche möglichen Verzerrungen abgefangen?

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