Indexinvestments
Vorsicht Klumpenrisiko!

Wer das Risiko seines Aktieninvestments breit und kostengünstig streuen will, setzt auf Indexfonds. Doch je nachdem welche ETFs Anleger kombinieren, laden sie sich unbewusst ein Klumpenrisiko ins Depot.
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Düsseldorf„Nicht alle Eier in einen Korb“, so lässt sich die Portfoliotheorie von Harry Markowitz vereinfacht übersetzen. Der Nobelpreisträger hat nachgewiesen, dass Anleger ihr Risiko minimieren können, indem sie zusätzliche Wertpapiere in ihr Depot nehmen. Der Grundgedanke: Aktien entwickeln sich nicht im Gleichschritt. Schneidet ein Papier besonders schlecht ab, können diese Verluste eventuell durch eine andere Aktie ausgeglichen oder zumindest abgefedert werden. Das führt zu geringeren Kursschwankungen des gesamten Depots.

Doch wer nur auf einige Einzelwerte setzt, geht ein hohes Risiko ein. Der Anlageerfolg hängt von der Entwicklung einiger weniger Papiere ab - positiv wie negativ. Klumpenrisiko nennen Experten das. Börsengehandelte Indexfonds – sogenannte Exchange Traded Funds (ETFs) – streuen dieses Risiko. Mit nur einem Produkt investieren Anleger in Duzende, teilweise sogar Hunderte Aktien. Eine optimale Diversifikation also?

Eigentlich ja. Doch je nachdem auf welche Indizes die Anleger setzen, passiert genau das Gegenteil: Sie laden sich unbewusst ein Klumpenrisiko ins Depot. „Anleger sollten sich den zugrunde liegenden Index genau anschauen“, rät Simon Klein, Europa-Chef des ETF-Anbieters Lyxor, einer Tochter der französischen Société Générale. „Auch wer in mehrere, auf den ersten Blick ganz unterschiedliche Indizes investiert, kann einzelne Branchen und sogar Einzeltitel dadurch unbeabsichtigt übergewichten.“

Wer beispielsweise auf Dax, Euro Stoxx 50 und als Beimischung auf Euro Stoxx Technology setzt, ist mit allen Investments in SAP investiert. Der Softwarekonzern ist mit einem Anteil von 7,2 Prozent viertgrößter Konzern im deutschen Standardwertebarometer. Im Euro Stoxx 50 kommt SAP zwar nur auf einen Anteil von 2,8 Prozent, aber im Branchenindex bringt es die Softwareschmiede auf fast 40 Prozent. „Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, sich auch die Einzelwerte im Index anzuschauen“, sagt auch Marc Bubeck von der Blackrock-Tochter iShares.

Brasilien-ETFs haben es in sich

Noch größer ist allerdings die Gefahr, eine Branche überzugewichten. Denn in einigen Indizes sind einzelne Branchen besonders stark vertreten. Der Chemiesektor kommt beispielsweise im Dax derzeit auf 23 Prozent. Zum Vergleich: Im Euro Stoxx 50 sind es neun Prozent. „Wer einen Index blind kauft, setzt so vielleicht unbeabsichtigt auf eine Branche, der er keine gute Performance zutraut“, sagt Bubeck.

Der Finanzsektor ist in vielen Indizes traditionell hoch gewichtet, wenn auch nicht mehr so hoch wie vor der Finanzkrise. Der MSCI World besteht zu fast einem Fünftel aus Finanzwerten, im Euro Stoxx 50 sind es 14 Prozent.

Noch extremer wird es bei Indizes, an denen einzelne Aktien einen sehr hohen Anteil haben. Wer ein Brasilien-ETF kauft, muss wissen, dass er sich damit ein Klumpenrisiko ins Depot holt. Egal, ob die Indexfonds die Kursentwicklung des Bovespa oder des MSCI Brazil abbilden - in beiden Fällen macht der Anteil von Vale und Petrobras zusammen mehr als ein Viertel des Investments aus. „Nicht alle Indizes sind mit dem Diversifikationsgedanken im Hinterkopf konzipiert worden“, sagt Klein. Das könne unter anderem daran liegen, dass der abzubildende Markt selbst in vielen Fällen nicht besonders diversifiziert sei. Brasilien ist zwar ein großes Land, aber eben immer noch ein Schwellenland, dessen Aktienmarkt hauptsächlich aus Öl-, Gas- und Bergbauunternehmen besteht. Das müssen Anleger wissen.

Es reicht aber nicht, sich nur einmal mit dem Index auseinanderzusetzen. „ETFs bilden eins zu eins den Index ab und vollziehen Indexumstellungen entsprechenden nach“, sagt Bubeck. „Steigt oder fällt sich die Gewichtung einzelner Aktien oder Branchen im Index, verändert sich auch der Anteil im Depot der Anleger.“ Das muss Anleger aber nicht allzu nervös machen. Die wenigsten Indizes werden mehrmals im Jahr verändert, häufig sogar gar nicht. Es reicht, sich die Indizes einmal im Jahr genauer anzuschauen.

Jessica Schwarzer
Jessica Schwarzer
Handelsblatt / Chefkorrespondentin Börse

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  • Hier hat man eine gute Übersicht,man clickt die ETF Gesellschaft an und sucht sich den ETF aus.Auf der rechten Seite unter "ETF-Infos" steht dann "Swap-basiert" oder "Voll replizierend"

    http://www.fondsweb.de/etf-gesellschaften

  • Diese Informationen findet man auf der Seite des ETF Anbieter

    In der Regel ist es so
    db X-trackers, comstage > SWAPS (synthetisch)
    Ishares, ETF Lab > Physisch

    Ich bin ein Fan von Ishares ETF´s da man hier viele ausschüttende ETF´s finde
    Auch wen man nur (anfangs) kleine Beträge im Monat ausgeschüttet bekommt ist das eine unglaubliche Motivation zusätzlich Geld zu investieren ;)

    Vorallem als langfristiger Investor der auch Crash durchmacht sind ausschüttungen ein gutes Argument um weiterhin dabei zu bleiben

    Jeder muss aber seine eigene Strategie finden

  • woher weiß ich, ob ein ETF synthetisch ist?

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