Institutionelle Investoren treiben Wachstum der Boutiquen voran
Unabhängige Geldverwalter ziehen viel Kapital an

Unabhängige Asset-Manager machen immer mehr Geschäft. Wie eine Handelsblatt-Umfrage bei sieben bekannten Adressen ergab, steigerten sie das verwaltete Volumen im Jahresverlauf bis Ende August um 55 Prozent auf 14,7 Mrd. Euro.

FRANKFURT/M. Dagegen bringen es die großen Häuser der deutschen Fondsbranche nach den Zahlen des Investmentverbandes BVI nur auf zwölf Prozent Plus. Die großen Fondsgesellschaften, die 1124 Mrd. Euro verwalten, gehören meist zu Banken oder Versicherern. Nach Ansicht von Experten wie Hendrik Leber, Geschäftsführer des Anlagehauses Acatis, wird das überdurchschnittliche Wachstum der unabhängigen und kleinen Firmen mit spezieller Ausrichtung „durch die Suche institutioneller Investoren und wohlhabender Privater nach Mehrrenditen getrieben“. Sie beauftragten daher immer häufiger auch kleine, erfolgreiche Anbieter.

Ein Paradebeispiel ist die DJE Kapital AG des Verwalters und Fondsmanagers Jens Ehrhardt. Der Münchner ist seit mehr als drei Jahrzehnten aktiv, doch erst seit einigen Monaten boomt das Geschäft. Geschätzte 1,5 Mrd. Euro flossen im bisherigen Jahresverlauf an neuem Kapital zu. „Davon ist der größte Teil institutionelles Geld“, sagt Ehrhardt. DJE steigerte das verwaltete Vermögen per Ende August auf 3,9 Mrd. Euro und rückt damit Lupus Alpha näher, dem größten unabhängigen Fondsanbieter mit Schwerpunkt Nebenwerte und Derivate.

Lupus-Partner Ralf Lochmüller hat das Vermögen binnen zweier Jahre auf 4,6 Mrd. Euro verdoppelt. „Die Investoren wollen ihre Portfolios stärker diversifizieren“, begründet er den Trend. In diesem Rahmen seien Spezialisten für einzelne Anlagesegmente stärker gefragt. Fördernd wirkten dabei auch rechtliche Erleichterungen bei der Auslagerung von Mandaten an fremde Asset-Manager unter dem Dach einer Kapitalanlagegesellschaft, sagt Lochmüller.

Ehrhardt registriert bei den Institutionellen den Wunsch, ihr Vermögen zu streuen – auf verschiedene Anlageklassen, aber auch auf verschiedene Asset-Manager. „Die wollen auch Unabhängige dabei haben“, sagt er. Man benötige allerdings eine gewisse Größe. Pensionskassen und Family Offices, die Gelder vermögender Privatkunden verwalten, achten nach seiner Erfahrung sehr darauf, dass die Geldverwalter verlässliche Organisationsstrukturen besitzen.

Steigendes Interesse von diesen Adressen spürt auch Tobias Klein, Partner der jungen First Private Investment Management, die auf computergesteuerte Investmentmodelle setzt. Er sagt: „Die Institutionellen haben erkannt, dass unabhängige Anbieter mit ihren erfolgsabhängigen Anreizsystemen bei der Entlohnung auch für bessere Performance sorgen.“ Und diese Kunden bringen dann viel Geld mit. „Unser Geschäft hat sich durch die Verlagerung auf Institutionelle drastisch verändert, sie liefern häufig gleich zweistellige Millionenbeträge ab“, sagt Frank Lingohr, Geschäftsführer von Lingohr & Partner.

Etwas gemächlicher geht es beim ausschließlich auf Privatkunden ausgerichteten und börsennotierten Verwalter PEH zu. „Wir wachsen mit bis zu 20 Prozent pro Jahr und damit bescheidener als manche Konkurrenten“, sagt Vorstand Martin Stürner. Seine Rate liegt allerdings immer noch über dem Branchenschnitt nach BVI-Statistik. Stürner setzt auf die Unzufriedenheit vieler Privatanleger mit der Qualität ihrer Bankberater: „Die werden ungeduldiger und sind dann offener für andere Angebote.“

Nach Einschätzung von Experten wird das Wachstum der so genannten Boutiquen anhalten. „In Deutschland ist noch sehr viel Luft für Spezialanbieter“, sagt Lupus-Partner Lochmüller. Ähnlich glaubt Götz von Laffert, Vorstand der Beratungsfirma Fundmatrix: „Hier passiert, was die Angelsachsen schon hinter sich haben: Die Anleger entdecken die Boutiquen.“

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