Interessenvertretung
Derivate-Anbieter rücken zusammen

Der deutsche Derivatemarkt steht vor einer wichtigen Zäsur: Das jahrelange Gegeneinander der Verbände soll der Vergangenheit angehören, die boomende Derivate-Branche plant eine gemeinsame Interessenvertretung. Dabei geht es vor allem um politische Durchschlagskraft.

FRANKFURT. Die Zertifikate-Branche fühlt sich steuerlich benachteiligt und will deshalb ihre politische Lobbyarbeit in Berlin besser organisieren. Auf Druck der deutschen Banken verhandeln die beiden Branchenverbände DDI und Derivate Forum derzeit über eine Fusion. Eine Einigung steht nach Informationen des Handelsblatts kurz bevor. Ein Sprecher des Derivate Forums wollte das nicht kommentieren, bestätigte aber, dass man sich über die Grundsätze der Gründung eines gemeinsamen Verbandes verständigt habe.

Branchenkennern zufolge sollen die Verbandsgremien auf ihren nächsten Sitzungen Anfang November über die Pläne abstimmen. Geben sie grünes Licht, könnte der gemeinsame Dachverband zum 1. Januar 2008 an den Start gehen.

Die neue Lobby soll vor allem mehr politische Durchschlagskraft entwickeln. Vorbild ist ausgerechnet der Fondsverband BVI: Von den Fonds könne die Derivate-Lobby "viel lernen", meint Rupertus Rothenhäuser von der BNP Paribas. Notwendig sei ein einheitlicher Verband mit einer "starken Vertretung in Berlin".

Das Geschäft mit Derivaten hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Bestandteil des deutschen Finanzmarktes gemausert. Vor allem die auf Privatanleger zugeschnittenen Anlagezertifikate verbreiten sich rapide. Nach Schätzungen des Derivate Forums hatten deutsche Anleger Ende August rund 137 Mrd. Euro in Derivate investiert - doppelt so viel wie noch vor zwei Jahren. Davon entfallen über 100 Mrd. Euro auf Papiere, die die Entwicklung von Aktien abbilden. Zum Vergleich: In deutschen Aktienfonds lagen Ende August knapp 230 Mrd. Euro.

Die Trennung des Marktes in zwei Verbände geht auf unterschiedliche Präferenzen der Emittenten zurück. Vom 2003 gegründeten DDI fühlten sich führende deutsche Institute nicht ausreichend vertreten. Sie riefen daher 2004 das Derivate Forum ins Leben - pikanterweise am gleichen Tag, an dem das DDI erstmals den "Deutschen Derivatetag" als Fachkongress veranstaltete.

Auch in der Folge arbeiteten die Verbände mitunter gegeneinander. In der Branche stieß das zunehmend auf Kritik: "Zwei Verbände können nie die Schlagkraft und Effizienz haben wie eine gemeinsame Lobbyvertretung", sagt Heiko Weyand, Derivateexperte bei HSBC Trinkaus & Burkhardt.

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