Internationale Depotbanken und Service-Fondsgesellschaften legen in Deutschland deutlich zu
Ausländer gewinnen Marktanteile

Der Strukturwandel am deutschen Fondsmarkt beschleunigt sich. In steigendem Tempo gewinnen internationale Depotbanken (Global Custodians) zulasten der nationalen Depotbanken Marktanteile. Parallel dazu ziehen die neuen Kapitalanlagegesellschaften, die reine Verwaltungs- und Serviceleistungen für Portfolios anbieten (Master-KAGs), immer mehr Kapital an.

FRANKFURT/M. Jetzt vorliegende Zahlen und Analysen belegen diese Entwicklung. Längerfristig werden allerdings beide Modelle nach Ansicht vieler Experten konkurrieren. Und der Kampf könnte ihrer Meinung nach durchaus mit einem Sieg der Global Custodians enden.

Der Umbruch ist in der zunehmende Arbeitsteilung in der Asset-Management-Branche begründet. Immer mehr institutionelle Anleger bauen ihre Portfolios um, richten sie auch internationaler aus. Dabei treten sie häufiger an Global Custodians heran, die traditionell über globale Verwahrexpertise verfügen und in Deutschland als Depotbank aktiv sind. Die maßgeblichen Adressen sind hierzulande State Street, JP Morgan und BNP Paribas.

Eine Studie der Consultingfirma GSC-PPCmetrics, Wiesbaden, belegt den Trend. In der zugrunde liegenden Umfrage sind alle am hiesigen Markt aktiv um Kunden ringende Adressen einbezogen. In dieser Abgrenzung stieg das Verwahrvolumen der Global Custodians im vergangenen Jahr um 32 Prozent auf 229 Mrd. Euro, das der nationalen Depotbanken nur um 15 Prozent auf 443 Mrd. Euro. „Gerade die großen institutionellen Kunden, die ihr Vermögen verstärkt global ausrichten, treiben die Umverteilung“, urteilt GSC-Consultant Bodo Doose.

Parallel zur forcierten Nutzung des Know-hows der Global Custodians bündeln die Institutionellen die reinen Verwaltungsdienstleistungen für ihre oft auf viele Asset-Manager verteilten Portfolios bei einer der neuen und darauf spezialisierten Kapitalanlagesellschaften – der bisherige Asset-Manager kann dabei sein Mandat behalten. Das bietet Vorteile unter anderem durch ein Berichtswesen aus einer Hand und durch die schnellere Austauschbarkeit von Managern.

Zu den maßgeblichen Häusern, die sich ausschließlich oder vorwiegend auf Verwaltungsfunktionen konzentrieren, zählen Universal-Investment, Helaba Invest und die zu HSBC Trinkaus gehörende Inka. Diese drei Adressen verbuchten im vergangenen Jahr Nettomittelzuflüsse in Größenordnungen zwischen fünf Mrd. und acht Mrd. Euro – die mit Abstand höchsten in der Branche. „In nur einem Jahr stieg der Anteil der Fondsgelder, die unter fremdem Dach der Master-KAGs verwaltet werden, von 25 auf 35 Prozent“, sagt Murat Ünal, Partner bei der Frankfurter Strategieberatungsfirma Funds at Work, die gemeinsam mit der Rechtsanwaltskanzlei Norton Rose diesen Markt analysierte. Er sieht einen wichtigen Trend bei den Master-KAGs in einer absehbaren Spezialisierung. Eine derartige Variante bietet die Citigroup mit ihrer Master-KAG für Hedge-Fonds. Vor wenigen Tagen startete die SEB die zweite Gesellschaft dieser Art.

Trotz des Wachstums der Global Custodians und der Master-KAGs in Deutschland deutet sich hierzu lande eine Konkurrenz an. Theoretisch könnten die Custodians auch die Leistungen der Service-Firmen anbieten, wie dies in der angelsächsische Welt üblich ist. Dort gibt es nur Asset-Manager und Custodians. Doch derzeit ist im deutschen Fondsgeschäft noch das rechtliche KAG-Dach gefordert. „Außerdem wollen die Anleger das Vier-Augen-Prinzip der doppelten Kontrolle der Anlageprozesse durch KAG und Depotbank“, sagt Bernd Wagner, Geschäftsführer der größten Master-KAG Universal-Investment.

Experten halten dennoch langfristig eine Entwicklung hin zum angelsächsischen Modell für denkbar. Treibende Kraft könnte auch der Zwang zur Größe sein. Die Margen in beiden Geschäftsfeldern sind gering. Und in Zukunft werden die Kosten durch die steigenden Anforderungen an die Qualität der hier entscheidenden Technologien zur Datenverarbeitung weiter steigen.

So haben Custodians wie der Weltmarktführer State Street mit einem Wertpapier-Verwahrvolumen von 7 000 Mrd. Euro einen klaren Größenvorteil gegenüber der Universal mit 60 Mrd. Euro. Darauf pocht auch Stefan Gmür, Chef der State Street Bank in Deutschland. Sehr deutlich sagt Dietmar Rössler, Leiter Depotbank bei BNP Paribas in Frankfurt: „Die Master-KAGs in der heutigen Form haben immer weniger Lebensberechtigung.“ Ähnlich denkt Martina Reichl, die bei der JP Morgan Bank in Frankfurt die Master-KAG des Hauses leitet. Sie hat die „Vision einer Fonds-Administrationsplattform, bei der beide Funktionen zusammenwachsen“.

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