Interview
„40 Hedge-Fonds im ETF-Mantel“

Seit gestern ist an der Deutschen Börse der erste Indexfonds notiert, der die Wertentwicklung von Hedge-Fonds abbildet. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt Roland Weinfurtner, Vertriebsleiter der Hedge-Fonds-Plattform der Deutschen Bank, welche Chancen und Risiken das neue Produkt birgt.

Herr Weinfurtner, Sie haben gestern den weltweit ersten börsengehandelten Indexfonds (ETF) lanciert, der an die Wertentwicklung echter Hedge-Fonds gekoppelt ist. Was heißt das genau?

Es gibt schon ähnliche Produkte, die aber Indizes nur nachbilden oder die Indizes schließen auch Hedge-Fonds ein, in die gar nicht mehr real investiert werden kann. Bei uns investiert der Index in über 40 echte Hedge-Fonds, die wir auf unserer Verwalter-Plattform haben, die wir also auch genau kontrollieren. Echte Hedge-Fonds bedeutet hier: Wir bilden eine Kopie, das heißt, wenn der Hedge-Fonds-Manager in Nestle-Aktien investiert, tun wir das auf der Verwalter-Plattform auch. Bildlich gesprochen: Der Index investiert in eine "echte Kopie" des Original-Hedge-Fonds.

Wie üben sie Kontrolle aus in dem Sinne, das eine Riesenpleite wie im Betrugsfall Madoff ausgeschlossen ist?

Das Geld bleibt bei uns, auch in jeder technischen Hinsicht. Wir als Deutsche Bank überwachen und kontrollieren nicht nur die Anlagen und ihre Umsetzung. Auch die gesamten Dienstleistungen wie die mit den Transaktionen verbundenen Zahlungsströme unterliegen unserer Kontrolle. Das ist ein Riesenvorteil.

Was liefern Sie in Sachen Transparenz?

Einmal am Tag werden die Hedge-Fonds bewertet, im erwähnten Beispiel die Nestle-Aktien zu Schlusskursen einbezogen. Daraus ergibt sich der innere Wert des Hedge-Fonds. Das alles kontrolliert die Deutsche Bank. Die konkreten Bestände können wir natürlich nicht für Endkunden veröffentlichen.

Ist die Liquidität für die ETF-Käufer gewährleistet?

Wir sorgen für tägliche Liquidität. An der Börse garantieren wir ein mögliches Ordervolumen von bis zu 100000 Euro, außerbörslich für Großinvestoren bis zu 20 Mio. Euro.

Was passiert, wenn einer der Hedge-Fonds dicht macht. Bringt das den Index und damit den ETF in Probleme?

Auch wenn der Hedge-Fonds-Manager beispielsweise sagt, dass er nicht mehr monatlich, sondern erst wieder in einem Quartal für Käufe oder Verkäufe offen ist, ziehen wir die Notbremse. Dann verkaufen wir sofort die Kopie auf unserer Verwalter-Plattform. Der Anleger wird also nicht befürchten müssen, in einem eingefrorenen Fonds festzustecken. So handeln wir übrigens auch, wenn ein entscheidender Hedge-Fonds-Manager sein Haus verlässt. Aus diesen Gründen mussten wir in normalen Jahren zwei bis drei Manager im Index austauschen. Im vergangenen Jahr waren es wegen der Eskalation der Finanzkrise rund ein Dutzend.

Seite 1:

„40 Hedge-Fonds im ETF-Mantel“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%