Interview
„Die Banken haben die Krise verursacht“

Hedge-Fonds werden bei den Schuldigen der Finanzkrise meist mit an vorderster Stelle genannt. Kenneth Heinz, Präsident des Analysehauses Hedge Fund Research, sieht das allerdings anders: Nicht die Fonds, sondern den Banken kommt die Hauptschuld. Im Gespräch mit dem Handelsblatt äußert Heinz sich über Missverständnisse, Transparenzstandards und die Zukunft der Branche.

Hedge-Fonds sind nach dem Betrugsfall Madoff und dem aktuellen Insiderskandal angeschlagen. Wo lagen die Fehler?

Das wird falsch gesehen. Madoff war kein Hedge-Fonds-Manager. Er hat als Broker unter SEC-Aufsicht agiert. Wenn jemand in der Lage ist, 65 Mrd. Dollar einzusammeln, ohne dass die Kapitalverwendung geprüft wird, spricht das für sich. Die Mehrheit der US-Hedge-Fonds wird seit Jahren durch die Aufsicht überwacht. Hier wird bereits seit längerem sehr viel Transparenz geboten.

Trotzdem werfen solche Ereignisse ein schlechtes Licht auf die Branche. Was kann getan werden?

Ja, das ist schlecht für das Ansehen der Branche. Das Vertrauen der Anleger ist stark gestört. Die Branche muss ihre Transparenz-Initiativen konsequent vorantreiben.

So lange wollen die Aufsichtsbehörden nicht warten. Fürchten Sie jetzt eine Überregulierung?

Ja, dieses Risiko besteht in der Tat. Viele wissen nicht, dass 55 Prozent der US-Hedge-Fonds, die 70 Prozent des weltweit investierten Kapitals verwalten, längst bei der SEC registriert sind. Ich befürchte, die Behörden werden bei den Regulierungsplänen Aktionismus zeigen, weil sie der Politik Erfolge vorweisen wollen. Die Ursachen der Krisen liegen jedoch woanders.

Wie ist das zu verstehen?

Es ist einfach, Hedge-Fonds die Schuld für die Krise zuzuschieben. Doch die riesigen Verluste, die 2008 im Finanzsystem entstanden sind, wurden nicht durch das Fehlverhalten von Hedge-Fonds, sondern durch einen zu hohen Krediteinsatz der Banken ausgelöst.

Aktuelle Zahlen zeigen eine Stabilisierung des Hedge-Fonds-Vermögens. Wie sieht die Zukunft der Branche aus?

Das Hedge-Fonds-Vermögen von etwas mehr als 1,5 Billionen Dollar macht gerade einmal rund ein Prozent des globalen Kapitalvermögens aus. Allein Fidelity Investments verwaltet doppelt so viel Kapital. Gleiches gilt für die Staatsfonds. Hier besteht also noch sehr viel Wachstumspotenzial. In fünf Jahren werden auch Hedge-Fonds drei Billionen Dollar verwalten.

Welche Regionen sind die Wachstumstreiber?

Bereits heute ist China als Hedge-Fonds-Standort auf Rang drei nach den USA und Großbritannien zu finden. Hier liegt das größte Potenzial. Und da Staatsfonds künftig einen großen Teil ihres Geldes in Alternativ-Investments stecken werden, sehe ich auch den arabischen Raum als Wachstumsmarkt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%