Interview
„Die Beliebtheit steigt, wenn der Fonds schwächelt“

Viele Fonds, die Versicherer ihren Kunden vermitteln sind schwach, erklärt Andreas Kuschmann, Vorstand bei Feri im Interview. Was bei der Altersvorsorge schief läuft und wie Kunden reagieren sollen.
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Herr Kuschmann, Ihr Haus hat nach 2010 zum zweiten Mal die Fondsauswahl in fondsgebundenen Policen untersucht. Warum?
Anleger haben Milliarden in diese Policen investiert. Zwar ist das Neugeschäft in den letzten Jahren eingebrochen, doch derzeit zieht der Verkauf von fondsgebundenen Lebens- und Rentenversicherungen wieder an. Und wir glauben, dass dieser Trend anhält. Denn kapitalgebundene Policen investieren hauptsächlich in sichere Anleihen, mit denen angesichts des anhaltenden Zinstiefs nur noch niedrige Renditen zu erwarten sind. Manche Assekuranzen haben sogar das Geschäft mit kapitalgebundenen Policen ganz eingestellt und konzentrieren sich auf fondsgebundene Policen.

Inwieweit sind Ihre beiden Studien denn repräsentativ und vergleichbar?
2010 haben wir das Fondsangebot von 60 und 2013 von 71 Versicherern getestet. Die meisten Versicherer, die bei der ersten Studie analysiert wurden, waren auch bei der zweiten Studie dabei. Allerdings gingen nur Fonds in die Bewertung ein, die in den Geschäftsberichten oder Verkaufsunterlagen auftauchen. Auch Managed Baskets haben wir hier nicht untersucht. Unterm Strich durchliefen jedoch 6.000 Fonds unseren Qualitätstest, für das wir unser bewährtes Fondsrating verwendet haben. Damit dürften wir einen Gutteil des Marktes abdecken.

Sie untersuchten dabei, in welche Fonds Kunden investieren können. Hat sich das Produktangebot der Versicherer in den vergangenen drei Jahren verbessert?
Die Anzahl der Fonds hat sich ungefähr verdoppelt und bestimmte Anlageklassen sind entweder neu hinzugekommen oder verstärkt vertreten, beispielsweise Emerging Markets Corporate Bonds oder Emerging Markets Local Currencies Bond. Die Anbieter haben also ihre Angebotspalette erweitert. Wir haben zudem in unserer aktuellen Studie erstmals zwischen Fonds unterschieden die derzeit im Bestand sind, also in der Vergangenheit abgeschlossen wurden, und solchen, aus denen neue Kunden auswählen können. Die Fonds, in die neue Versicherungskunden investieren können, waren von etwas höherer Qualität als die Fonds im Bestand. Immerhin 44 Prozent haben Topratings…

… doch mehr als 20 Prozent weisen Noten auf, die eher zum Verkauf motivieren. Warum wählen Versicherer für Neukunden Fonds ohne Toprating aus?
Das ist schwer zu sagen. Unsere Studie zeigt, dass Versicherer, die Fremdfonds vertreiben, vor allem auf große Fonds mit bekannten Namen setzen. Die Anbieter scheinen sich hier auch an den Wünschen von Vermittlern und Maklern zu orientieren, die die Policen vertreiben.

Was ist daran falsch?
Das Problem: Selbst wenn die Qualität offensichtlich sinkt, bleiben die Fonds auf der Liste. Eine systematische und regelmäßige Auswahl nach Qualitätskriterien betreiben nur ganz Wenige, insbesondere wenn es um den Altbestand geht. Andere Gesellschaften vertreiben sogar nur Fonds von einer einzigen Partnergesellschaft. Dadurch entgehen sie zwar dem Problem der Fondsauswahl Dieses Vorgehen birgt aber ein Klumpenrisiko. Zudem ist keine Fondsgesellschaft über Jahrzehnte in allen Bereichen top.

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