Interview
ETFs: „Nicht alle Produkte sind sinnvoll“

Im Handelsblatt-Interview spricht Thomas Meyer zu Drewer von Lyxor Asset Management über die Grenzen des ETF-Markts, die Vorteile für Anleger und den Einsatz von ETFs bei der Geldanlage.

Handelsblatt: Der Markt für Indexfonds wächst seit Jahren sehr dynamisch. Im Jahr 2008 legte er sogar gegen den Trend zu. Herr Meyer zu Drewer, worauf müssen die ETF-Anbieter achten, um nicht auch irgendwann mit einem Kater nach der Party aufzuwachen?

Ganz wichtig ist, sich auf die Grundprinzipien der Exchange Traded Funds (ETFs) - einfach, transparent und flexibel - zu konzentrieren. Heute werden teilweise schon Produkte aufgelegt, deren langfristiger Erfolg sicherlich fraglich ist. Ein Grenze ist erreicht, wenn die Liquidität eines ETFs nicht mehr gewährleistet werden kann.

Bei welchen Produkten stellt sich denn die Frage nach dem Sinn?

Vor allem bei Produkten, die sehr komplex sind und damit dem eigentlichen Gedanken der ETFs wiedersprechen. Übrigens glaube ich nicht, dass Zertifikate langfristig tot sind. Aber auch hier müssen Produkte wieder einfacher gestaltet werden.

Ein anderes Beispiel sind aktive ETFs. Solche Produkte wären schon lange auf dem Markt, wenn sie tatsächlich erfolgreich wären.

Mit dem Wachstum drängen neue Anbieter auf den ETF-Markt. Welche Vorteile bietet das Anlegern?

Anleger können ihr Depot nicht nur über Produkte, sondern auch über unterschiedliche Anbieter diversifizieren. Für institutionelle Investoren wird es aufgrund der zunehmenden Liquidität einfacher, große Aufträge zu platzieren. Und natürlich wird die Aufmerksamkeit auf ETFs höher. Zunehmende Konkurrenz trägt zur Einengung der Spreads bei.

Dann müssten Anleger doch jeden neuen Anbieter feiern.

Bedingt ja. Ich stelle mir allerdings die Frage, welchen Sinn der möglicherweise zehnte ETF auf den Dax noch hat. Langfristig sehe ich deshalb keinen Platz für zu viele Anbieter.

Viel wichtiger finde ich, die bestehenden ETFs richtig in der Vermögensstrukturierung einzusetzen. Das Thema Asset Allocation, die Verteilung des Geldes auf Anlageklassen, wird von vielen Anleger noch gar nicht richtig umgesetzt. Gerade beim sogenannten Core-Satellite-Ansatz können ETFs einen wichtigen Beitrag leisten, sprich den "Kern" bilden. Natürlich können ETFs auch einen Mehrwert in den Satelliten leisten - denken Sie bitte nur an eine Sektorrotation mit entsprechenden ETFs auf Branchen.

Dazu wäre aber ein möglichst großes Angebot besser.

Über alle Anbieter gesehen ist das Angebot an ETFs schon ziemlich umfassend und vollständig. Lücken sehe ich derzeit nur bei Short-ETFs. Diese eignen sich meiner Meinung nach allerdings nur für den kurzfristigen Einsatz. Anleger fragen uns teilweise, ob wir nicht auch ETFs auf Australien oder Kanada auflegen können. Bei näherer Betrachtung verbirgt sich hinter der Anfrage oft der Wunsch nach einem Rohstoff-Investment. Doch auch die gibt es schon.

Wie wird der ETF-Markt 2012 sein?

Wir werden eine Konsolidierung erleben. Ein deutlicher Anstieg des Dax wird das Interesse an ETFs abschwächen, denn viele Anleger haben in solchen Phasen die Erwartung, den Markt doch schlagen zu können.

Die Welt wird also auch in Zukunft nicht nur passiv sein. Allerdings werden sich die Fondsmanager wieder mehr auf ihre Kernkompetenzen fokussieren. Das heißt Bereiche, in denen aktives Fondsmanagement sinnvoll ist und tatsächlich Mehrwert bringt, und sich vor allem ein teures Research lohnt. Dafür wird allein der zunehmende Kostendruck seitens der Investoren sorgen. Vor diesem Hintergrund sehen wir weiterhin ein deutliches Wachstum bei ETFs, wobei sich Aktien-ETFs beim Volumen stärker entwickeln sollten als Renten-ETFs.

Jürgen Röder
Jürgen Röder
Handelsblatt / Redakteur Finanzzeitung
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