Interview
"Garantiefonds nicht aus Bequemlichkeit kaufen"

Garantiefonds können in der Anlagestrategie ihren Platz haben; Anleger sollten aber nicht blind zugreifen, rät Rüdiger Sälzle, Vorstand von Fonds Consult in München.

Garantiefonds legten starkes Wachstum vor - was macht diese Produkte so interessant?

Private Anleger haben große Risikoaversionen - da wirkt psychologisch noch immer der Crash der Jahrtausendwende nach. Die Furcht vor dem möglichen Totalverlust lässt sie auf Produkte setzen, die trotz geringerer Renditeerwartung zumindest das eingesetzte Kapital erhalten sollen. Und nicht nur die privaten Anleger sind noch risikoscheu - im Grunde denken viele Institutionelle ähnlich und gehen bei ihrer Strategie lieber auf Nummer sicher.

Welche weiteren Schwachstellen sehen Sie bei den Garantieprodukten?

Das ist insbesondere die eingeschränkte Rendite. Denn in die Konstruktion werden zumeist Absicherungen mittels Derivaten eingebaut, um im negativen Fall die zugesicherte Garantie einhalten zu können. Der Preis hierfür ist ein beschränktes Performancepotenzial. Die Garantie gilt dann zudem zum Laufzeitende, so dass der Anleger im ungünstigen Fall über mehrere Jahre im Produkt gebunden ist. Verkauft werden die Produkte aber immer mit dem Argument der Sicherheit. Unterstützt wird die häufig einseitige Beratung durch die mangelnde Vorbereitung der Kunden, die oft blind das kaufen, wo Garantie draufsteht. Zudem neigen Anleger dazu, gewissen Modetrends hinterherzulaufen: Das zeigte sich an den massiven Zuflüssen bei Immobilienfonds 2003 bis Mitte 2004, danach waren Rentenfonds der Renner. Nach den aktuellen Zahlen des BVI werden derzeit die Emerging Markets mit Geld zugeschüttet.

Was zur Frage nach der Zukunft von Garantiefonds führt...

Wir erwarten eine leichte Abschwächung der Nachfrage - wenn sich das Aktienumfeld weiterhin so positiv entwickelt wie derzeit, wird das Interesse an der direkten Wertpapieranlage wieder zunehmen. Die Risikofreude kommt zurück - der Zustrom bei den Emerging-Markets-Fonds zeigt das. Er zeigt allerdings auch, dass Anleger immer wieder dem Herdentrieb verfallen, was die Gewinnchancen einschränkt.

Wie lautet also die Alternative zum Garantiefonds?

Anders anlegen - mit breiter Risikostreuung und antizyklischem Handeln. Gerade bei Garantieprodukten ist der Preis der Sicherheit die begrenzte Performance. Jeder Anleger sollte sich also individuell seine Bedürfnisse klar machen und seine Geldanlage darauf abstimmen. Da können auch Garantieprodukte ihren Platz haben - aber sie sollten nicht aus Bequemlichkeit gekauft werden.

Die Fragen stellte Nicole Wildberger.

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