Interview Jens Wilhelm
„Die Politik ist zum größten Risikofaktor geworden“

Jens Wilhelm ist Vorstand des viertgrößten deutschen Fondsanbieters Union Investment. Zur Beruhigung der Märkte sieht er nur einen einzigen Weg: die Euro-Zone zu retten - auch wenn es teuer wird.
  • 23

Handelsblatt: Schuldenkrise und Rezessionsangst auf der einen, gute Unternehmensdaten auf der anderen Seite. Wo stehen wir wirklich, Herr Wilhelm?

Jens Wilhelm: Die starken Kursschwankungen an den Kapitalmärkten verwundern nicht. Auf dem Weg zur Lösung der Schuldenkrise in Europa ist die Politik zum größten Risikofaktor geworden. Das unterscheidet die aktuelle Lage deutlich von den Krisen der jüngeren Vergangenheit.

Warum?

Weil nicht mehr fundamentale Faktoren und deren Einschätzung durch die Investoren die Kapitalmärkte treiben. Es ist vielmehr der zähe Prozess politischer Entscheidungsfindung in der Euro-Zone. Generell sind die Ausgangsbedingungen für eine Lösung der Schuldenkrise in der Euro-Zone besser als in den USA. Die Europäer können die Probleme aus eigener Kraft lösen, da sie wegen ihrer ausgeglichenen Leistungsbilanz nicht von ausländischen Gläubigern abhängen.

Welche Lösung für Europa würde die Märkte wieder beruhigen?

Es gibt nur einen Weg, der in der Politik inzwischen wohl auch akzeptiert ist: den Euro zu erhalten. Teile der Peripherie Europas müssen dafür innerhalb des Euros umgeschuldet werden.

Wer außer Griechenland gehört zu den gefährdeten Ländern?

Potenziell auch Portugal. Allerdings würde ein Ausschluss der schwächsten Länder letztlich teurer werden, als die Probleme innerhalb des Euro-Systems zu lösen.

Wieso?

Wenn die schwächeren Länder wie Griechenland oder Portugal die Währungsgemeinschaft verlassen müssten, erschütterte dies das Bankensystem in Europa. Es besteht dann nicht nur in diesen Ländern akut die Gefahr eines Runs auf die Banken. In Italien sind inzwischen auch Anzeichen einer Kapitalflucht zu erkennen. Die Ausgegrenzten rutschten in eine extreme Rezession, auch politische Destabilisierung wäre nicht unwahrscheinlich. Letztlich gefährdeten wir damit die Stabilität Europas.

Wie groß schätzen Sie die Gefahr ein, dass Italien die Rettungsansätze für die Schuldenkrise durchkreuzt?

Die Gefahr ist natürlich da, aber ich halte sie nicht für groß. Mit der Übergangsregierung unter neuer Führung stehen die Chancen gut, dass der notwendige Sparkurs auf den Weg gebracht wird. Mario Monti wäre ein Kandidat, den die Märkte sehr begrüßen würden. Italien kann sich weiter am Kapitalmarkt refinanzieren, wenn auch zu hohen Zinsen. Aufgrund des Primärüberschusses (Neuverschuldung ist geringer als Zinsausgaben) kann sich Italien die hohen Zinssätze noch bis 2014 leisten, ohne dass der Schuldenstand steigt.

Kommentare zu " Interview Jens Wilhelm: „Die Politik ist zum größten Risikofaktor geworden“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • --------------------------------------------------------

    Weltenbrand

    Wenn man solch einen Schwachsinn liest , muß man sich fragen ,welchen Bildungsstand sie haben .

    In dem Euro-Fiasko sind doch die Bankrotteure die
    Schuldigen u. nicht Deutschland .

    Deutschland muß aus dem Euro aussteigen .Die Südstaaten
    sind alle von der Mafia unterwandert !

    --------------------------------------------------------

  • Googlen Sie einmal bei den von Ihnen genannten Problemfällen HRE, IKB und Co. Nach dem Namen "Asmussen" und beim "Co." geben Sie die BAFin ein, dann passen die Mosaiksteine besser.

    Das Herr Asmussen jetzt auch noch zur EZB wechseln durfte, ist bei dieser Vita noch interessanter.

  • wenn Deutschland aus diesem Wahnsinn EU und Euro aussteigen will, bekommt es den dritten Krieg innerhalb 100 Jahren inszeniert.
    Der wird dann vollbringen, was zwei Weltkriege und jahrzehntelange Dummen-Zuwanderung nicht vermocht haben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%