Interview Jon Ingram zu Schottland
„Das wären dann Kaufkurse“

Welche Auswirkungen wird der Ausgang des Votums in Schottland auf die Kapitalmärkte haben? Fondsmanager Jon Ingram vergleicht die Wahl mit vorherigen Krisensituationen in Europa. Und kommt zu einem eindeutigen Ergebnis.
  • 0

Jon Ingram ist ein erfolgreicher Fondsmanager. Der studierte Naturwissenschaftler von der Universität Oxford konnte mit seinem Investmentfonds, den JP Morgan Europe Dynamic, in den vergangenen 14 Jahren die Benchmark MSCI Europe meist immer übertreffen. Und der Brite gibt sich selbstbewusst. Nur wegen der Abstimmung verkauft er keine Aktie. Er glaubt, dass er in den nächsten Jahren eine Rendite unabhängig von der Entwicklung des Aktienmarktes erzielen kann. Wir trafen ihn auf dem Weg nach Köln im Handelsblatt-Gebäude in Düsseldorf.

Hallo Herr Ingram, ein Blick auf Ihr Fonds-Portfolio zeigt: Finanzwerte wie Lloyds Bank oder HSBC stellen rund ein Drittel ihres gesamten Investments dar. Was machen Sie denn mit diesen Aktien, wenn Schottland am heutigen Donnerstag Ja zu Unabhängigkeit sagt?
Wir glauben nicht, dass Schottland Ja sagt. Schließlich gibt es nur eine Umfrage, die solch ein Ergebnis bestätigt. Und wenn man sich die Details dieser Umfrage anschaut: Ein Großteil der Befragten hat sich noch gar nicht entschieden, ob sie mit Ja oder Nein stimmen. Unser Basisszenario ist, dass sich die Schotten eher für Nein zur Unabhängigkeit entscheiden, wenn sie sich die wirtschaftlichen Fakten genau anschauen.

Aber was geschieht mit den Finanztiteln in Ihrem Portfolio?
Wir stehen zu diesen Aktien. Und akzeptieren auch, dass diese eventuell etwas volatiler werden. Unser Fonds wird die Aktien auch behalten, weil wir an die Unternehmen glauben. Auch wenn wir mit unserer Einschätzung zur Wahl in Schottland falsch liegen sollten, wird das keinen so großen Einfluss auf diese Aktien wie Royal Bank of Scotland oder Lloyds Group haben.

Falls Schottland für die Unabhängigkeit stimmen sollte, erwarten Experten einen Abnabelungsprozess, der mehrere Jahre dauern wird. Erwarten Sie das auch?
Das wird fürchterlich kompliziert. Betrachten Sie doch nur den Konzern Standard Life, der zu den größten schottischen Firmen zählt. Die wollen die Interessen ihrer Kunden schützen und deswegen nach London umziehen. Doch wie schnell kann solch ein Umzug erfolgen? Ich weiß es nicht. Und die britische Regierung, die viel für ein wirtschaftlich prosperierendes Schottland getan hat, wird ihre Jobs nach England verlagern. Das dauert.

Und was wird mit der Währung?
Das finde ich gelinde gesagt erstaunlich. Alex Salmond wirbt für die schottische Unabhängigkeit, ohne den Schotten zu sagen, welche Währung sie anschließend erhalten sollen. Künftig Pfund oder Euro? Was geschieht mit den Ersparnissen? In welcher Währung? Keiner weiß es.

Kommentare zu " Interview Jon Ingram zu Schottland: „Das wären dann Kaufkurse“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%