Interview mit Christoph Bruns: „In Krisenzeiten schlafe ich am besten“

Interview mit Christoph Bruns
„In Krisenzeiten schlafe ich am besten“

Christoph Bruns gilt als unverbesserlicher Optimist und überzeugter Fürsprecher für die Aktie. Doch derzeit ist der Fondsmanager eher pessimistisch gestimmt. Warum Krisenzeiten die besseren und die einfacheren sind.
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Herr Bruns, wird das Jahr 2013 für Börsianer ähnlich gut wie das vergangene Jahr?
Wir haben mit dem Loys global in den vergangenen fünf Wochen ein Plus von gut fünf Prozent eingefahren. Wenn ein Jahr so startet, dann ist es sicher nicht falsch, im Frühjahr Gewinne mitzunehmen. Wir leben nicht in normalen Zeiten, der Schein trügt. Die Euro-Krise ist schließlich noch nicht vorbei, auch wenn es an den Märkten so aussieht.

Die Schuldenkrise tobt nicht nur in Europa sondern auch in den USA…
Die USA haben ein gigantisches Schuldenproblem. Trotzdem haben sie quasi per Definition ein AAA-Rating. Gott bewahre, dass sich das ändert.

Klingt da etwa Pessimismus durch? Sie gelten doch eigentlich als Optimist…
Ja, ich bin ein wenig pessimistisch. Die Preise, also die Aktienkurse, sind deutlich höher als vor einigen Monaten. Aktien sind teilweise recht teuer geworden, ich mag es aber billig. Deshalb fühle ich mich in Krisenzeiten auch am wohlsten, dann schlafe ich am besten.

Krisenzeiten sind also gut Zeiten?
Ja, denn dann bieten sich an der Börse wunderbare Einstiegsmöglichkeiten. Krisenzeiten sind Schnäppchenzeiten. Was wir derzeit erleben, ist eine von Liquidität getriebene Hausse. Mir sind Bewertungs-Haussen lieber. Doch eine solche haben wir nicht, es ist die Liquidität, mit der die Notenbanken die Märkte fluten, die die Aktien steigen lässt. Das wird sich noch eine Zeit lang weiter gehen. Doch dann ist Vorsicht geboten.

Wie haben Sie als Deutscher, der in Chicago lebt und arbeitet, die Euro-Krise erlebt?
Ganz anders als ein Deutscher in Europa. Das Ganze war im Grunde eine riesige Übertreibung, was ich auch immer wieder betont habe.

Es war also eigentlich alles halb so schlimm?
Da ist vieles ganz schön hochgekocht worden. Die Angelsachsen hatten natürlich mehr Interesse daran, dass der Euro scheitert, als die Europäer. Schließlich ist er eine große Konkurrenz zum US-Dollar – Stichwort Leitwährung. Aber auch die Europäer haben viel dafür getan, dass das Projekt Einheitswährung schief geht.

Kommentare zu " Interview mit Christoph Bruns: „In Krisenzeiten schlafe ich am besten“"

Alle Kommentare
  • Physische replizierende ETF sowie aktive Fonds haben ebenfalls ein durch Collaterals gemildertes Kontrahentenrisiko durch die Leihe die sie praktizieren.
    Den Swaps steht ebenfalls ein Collateral Basket gegenueber, desweiteren wird der Swap laufend nachgezogen und Collateral Management betrieben sodass das eh begrenzte Eventual Kontrahentenrisiko noch weiter reduziert wird.
    Bei Moningstar oder in einer Johannig Studie kann man sich hierueber sicher genauer informieren als bei Twitter/Suite101, aber ich gebe Ihnen Credit dafuer dass sie mit ihrer Kritik wenigstens nicht mehr auf dem sonst ueblichen Panikmachestand von vor zwei Jahren- als diese Diskussion aufkam- sind.

  • Die Schattenseite der synthetischen Replikation ist, dass Swaps derivative Finanzinstrumente sind – und die genießen bei vielen Anlegern seit der Finanzkrise keinen guten Ruf mehr. Zudem gibt es bei Swaps das Risiko, dass der Kontrahent ausfällt, der Vertragspartner des Fonds also. Allerdings ist der Anteil von Swaps am Nettoinventarwert (NAV) eines Fonds durch die Richtlinien der Europäischen Fondsregulierung auf höchstens zehn Prozent begrenzt. Zudem verweisen die Fondsgesellschaften auf die hohe Bonität ihrer Swap-Partner: Lyxor ETF swappt mit seiner Muttergesellschaft, der französischen Großbank Société Générale, bei den db x-trackers ist der Vertragspartner die Deutsche Bank selbst. Und die kann schließlich nicht pleite gehen.

    Vollständigen Artikel auf Suite101.de lesen: ETFs: volle oder synthetische Replikation?: Ein Vergleich voll replizierender und Swap-basierter Indexfonds | Suite101.de http://suite101.de/article/etfs-volle-oder-synthetische-replikation-a53764#ixzz2K7Eb7Wec
    Follow us: @suite101 on Twitter | Suite101 on Facebook

  • Hmm- auch das scheint nicht ganz korrekt zu sein.
    Laut der hauseigenen Broschuere (weiterer Grund zur Vorsicht) betrug der Mehrertrag 8.8% auf 5 Jahre, wovon das Gros auf das Jahr 2009 entfiel- wohl durch Kasse im freien Q1Fall. Danach sieht's mau aus- also auch wie so oft ein negativer/underperformender $weighted return.
    Und das alles noch ohne Steuern, welche bei aktiven Fonds immer hoeher ausfallen als bei passiven und somit die Nettorendite schmaelern, und ohne den 5% Ausgabeaufschlag...
    Synthetisch replizierende TR-ETF bilden mittlerweile die Indizes 1:1 ab und generieren ein weiteres % Outperformance gegenueber aktiven Fonds durch den Steuerstundungs bzw. bei BTH Steuerspareffekt der reinvestierten Dividenden- somit ist der 2.Teil ihrer Aussage komplett falsch.

  • Diese Aussage stimmt nicht. Da ich seit 2005 in den LOYS Fonds investiert bin. 15% Outperformance in 6 Jahren, und das nach Kosten. Und gegenüber einem ETF auf den MSCI World nochmals ca. 0,5% p.a. zusätzlich mehr. Die Kosten werden bei ETFS oft vergessen. So verlieren die meisten ETFs deutlich gegenüber dem Index.

  • Von aktiv verwalteten Fonds verspricht ein Anleger sich mehr als nur MSCI-Folge. Loys-Fonds schafften das nicht, seit über 6 Jahren. Ist es dann sinnvoll, hier die Worte eines Herrn Bruns andächtig zu verbreiten? Der taugt doch offensichtlich nicht mehr als jeder x-beliebige ETF.

  • Die unaufgeregte Art von Bruns halte ich für angebracht. Ein durchaus einfaches Rezept aber für die meisten Menschen nicht durchführbar, deswegen scheitern auch so viele am Kapitalmarkt

  • @hellboy
    Das ist letztlich keine Schuld der einzelnen Regierungen - die sind selber nur Symptome bzw. Opfer der Vorgänge. Letztlich ist es ein systemisches Problem. Der derzeitige Kreditzyklus, der ca. 1948 begann neigt sich dem Ende zu (Kreditwinter, wo er letztlich kollabieren muß).
    Das geht seit Jahrhunderten so, insbesondere seit dem Praktizieren des sogenannten Teilreservebanking (fractional banking) bzw. verschärft seit der Schaffung der Zentralbanken/Fiatgeld (und anderer Bailout-Mechanismen).
    Die Regierungen, die am Ende des Zyklusses am Ruder saßen, konnten nur versuchen das Ganze hinauszuzögern und sahen am Ende immer alt/unfähig aus bzw. wurden "geköpft" - früher sogar faktisch.
    Natürlich ist das alles gar kein Grund, Regierungen, Banken und lügende System-Journalisten gebührend abzustrafen, denn letztlich sind schon sie es, die unter Vorwand der Rettung alles noch schlimmer machen.

  • "Zuerst einmal sind die alten, unfähigen Regierungen, die uns den Schlamassel eingebrockt haben, vom Hof gejagt worden – inklusive des Suppenkaspers Berlusconi."

    Ich lach mich TOD! Deutschland hat seit Generationen eine unfähige Regierung nach der anderen! Wie sonst ist zu erklären, das es für die meisten Deutschen hier seit min. 30 Jahren wirtschaftlich nur abwärts geht! Ergo sind die Regierungen nicht für die Bevölkerung, von denen sie sich wählen lassen da, sondern nur für die Konzerne und Hochfinanz!

  • Man muß nicht in allen Punkten derselben Meinung sein, aber dennoch:

    Dieses Interview ist ein exzellentes Beispiel dafür, daß es sich immer lohnt, eine Frage, ein Problem von (mindestens) zwei Seiten zu beleuchten. Das ist das glatte Gegenteil zu der in D derzeit bevorzugten "Alternativlosigkeit".

    Einen Blick von außerhalb auf die eigene Hütte zu werfen war noch nie ein Nachteil.

  • Viele glauben doch glatt, die meisten Staaten wären sozialistisch beziehungsweise kommunistisch.
    -> So ganz unrecht haben die da auch nicht, siehe Frankreich, sozialistisch sind die schon.

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