Interview mit Christoph Bruns: Krisen bieten für Anleger extrem viele Chancen

Interview mit Christoph Bruns„In Krisenzeiten schlafe ich am besten“

  • 11

Krisen bieten für Anleger extrem viele Chancen

Sie sagen, Sie hätten die Krise anders erlebt als ein Deutscher in Europa. In wie fern?
Die Amerikaner halten nicht viel von Europa. Natürlich wurde ich auf der Straße angesprochen als Europäer. Ich würde den Leuten leidtun, das ganze Elend, es müsse ja so schlimm sein im Krisen-Europa. Als Deutscher – denn das bin ich ja, den Europäer gibt es schließlich nicht wirklich – konnte ich da nur antworten, wir hätten vergleichsweise geordnete Finanzen, Wirtschaftswachstum und eine relativ geringe Arbeitslosenquote in Deutschland.

Und dann war es vorbei mit dem Mitleid?
Ich wurde völlig ungläubig angeschaut. Auch das zeigt die Übertreibung in der Euro-Krise. Das Urteil der Amerikaner über Europa ist wenig wert, denn sie wissen zu wenig über unseren Kontinent. Viele glauben doch glatt, die meisten Staaten wären sozialistisch beziehungsweise kommunistisch.

Hat Sie die Distanz zu Europa in ihren Anlageentscheidungen beeinflusst?
Auf jeden Fall. All das Krisen-Gerede – egal, ob hierzulande oder in den USA – konnte ich gelassen über mich ergehen lassen, denn ich habe es für übertrieben gehalten. Ich habe nicht geglaubt, dass der Euro untergeht, und entsprechend gehandelt. Geographische Distanz hilft da natürlich, Chancen zu erkennen.

Was heißt das konkret?
An der Börse werden Unternehmensbeteiligungen zu einem bestimmten Preis gehandelt. Für mich ist es entscheidend, dass der eigentliche Wert einer Aktie höher ist als ihr Preis. Das ist übrigens die bewährteste Anlagestrategie der Welt, die auch Warren Buffett verfolgt. Krisen bieten da extrem viele Chancen, denn in einer Krise werden Aktien richtig billig. Dann gilt es zuzukaufen, einzusteigen.

Es kann aber auch weiter nach unten gehen.
Natürlich, aber wenn der Preis niedriger ist als der wirkliche Wert einer Aktie, dann kann man das aussitzen. Das ist das Buffett-Prinzip, der Kern des Value-Investments, also des werthaltigen Anlegens.

Das funktioniert aber nicht immer. Im vergangenen Jahr hinkte die Performance des Loys Global dem Markt zunächst Zeit hinterher.
Langfristig geht die Strategie auf. Aber es stimmt, bis zum Herbst konnten wir dem Weltindex nur mit Mühe folgen. Doch dann hat der Umschwung bei Dollar und Yen uns kräftigen Rückenwind und einen erfreulichen Jahresendspurt verschafft.

Kommentare zu " Interview mit Christoph Bruns: „In Krisenzeiten schlafe ich am besten“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 7:30 bis 21 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Physische replizierende ETF sowie aktive Fonds haben ebenfalls ein durch Collaterals gemildertes Kontrahentenrisiko durch die Leihe die sie praktizieren.
    Den Swaps steht ebenfalls ein Collateral Basket gegenueber, desweiteren wird der Swap laufend nachgezogen und Collateral Management betrieben sodass das eh begrenzte Eventual Kontrahentenrisiko noch weiter reduziert wird.
    Bei Moningstar oder in einer Johannig Studie kann man sich hierueber sicher genauer informieren als bei Twitter/Suite101, aber ich gebe Ihnen Credit dafuer dass sie mit ihrer Kritik wenigstens nicht mehr auf dem sonst ueblichen Panikmachestand von vor zwei Jahren- als diese Diskussion aufkam- sind.

  • Die Schattenseite der synthetischen Replikation ist, dass Swaps derivative Finanzinstrumente sind – und die genießen bei vielen Anlegern seit der Finanzkrise keinen guten Ruf mehr. Zudem gibt es bei Swaps das Risiko, dass der Kontrahent ausfällt, der Vertragspartner des Fonds also. Allerdings ist der Anteil von Swaps am Nettoinventarwert (NAV) eines Fonds durch die Richtlinien der Europäischen Fondsregulierung auf höchstens zehn Prozent begrenzt. Zudem verweisen die Fondsgesellschaften auf die hohe Bonität ihrer Swap-Partner: Lyxor ETF swappt mit seiner Muttergesellschaft, der französischen Großbank Société Générale, bei den db x-trackers ist der Vertragspartner die Deutsche Bank selbst. Und die kann schließlich nicht pleite gehen.

    Vollständigen Artikel auf Suite101.de lesen: ETFs: volle oder synthetische Replikation?: Ein Vergleich voll replizierender und Swap-basierter Indexfonds | Suite101.de http://suite101.de/article/etfs-volle-oder-synthetische-replikation-a53764#ixzz2K7Eb7Wec
    Follow us: @suite101 on Twitter | Suite101 on Facebook

  • Hmm- auch das scheint nicht ganz korrekt zu sein.
    Laut der hauseigenen Broschuere (weiterer Grund zur Vorsicht) betrug der Mehrertrag 8.8% auf 5 Jahre, wovon das Gros auf das Jahr 2009 entfiel- wohl durch Kasse im freien Q1Fall. Danach sieht's mau aus- also auch wie so oft ein negativer/underperformender $weighted return.
    Und das alles noch ohne Steuern, welche bei aktiven Fonds immer hoeher ausfallen als bei passiven und somit die Nettorendite schmaelern, und ohne den 5% Ausgabeaufschlag...
    Synthetisch replizierende TR-ETF bilden mittlerweile die Indizes 1:1 ab und generieren ein weiteres % Outperformance gegenueber aktiven Fonds durch den Steuerstundungs bzw. bei BTH Steuerspareffekt der reinvestierten Dividenden- somit ist der 2.Teil ihrer Aussage komplett falsch.

Serviceangebote