Interview mit Sasa Perovic
„Nicht jeder Index ist sinnvoll“

Ratings sind in der Finanzwelt eine wesentliche Orientierungshilfe. Sasa Perovic ist leitender Analyst bei Scope Analysis und beschäftigt sich beruflich mit diesem Thema. Im Interview erklärt er, was es mit dem Scope-Rating auf sich hat - und was Anleger beachten müssen.

Herr Perovic, was ist der Unterschied zwischen einem Fonds- und einem ETF-Rating?

Bei einem Fondsrating wird geprüft, ob der Fondsmanager tatsächlich in der Lage war, eine Outperformance gegenüber seiner Benchmark zu erzielen. Diese muss im Einklang mit dem eingegangenen aktiven Risiko stehen. Ein ETF kann nicht mit der gleichen Methode bewertet werden, da es nicht das Ziel eines ETFs ist, durch aktives Management eine Outperformance zu erzielen. Da bei einem ETF neben der "Verpackung" auch der Basiswert für die Qualität entscheidend ist, muss auch er überprüft werden.

Welche Kriterien sind für Ihr ETF-Rating ausschlagend?

Bei unserer Analyse fließen drei sogenannte Panels ein. Zum einem die Produktqualität mit 40 Prozent. Dabei untersuchen wir zum Beispiel, wie weit der Indexfonds von seinem Underlying abweicht. Dazu zählen auch Handelsqualität wie Spread und Preisstellung. Und die Höhe der Kosten. 35 Prozent macht die Indexqualität aus. Weil ein ETF nur so gut sein kann wie der Basiswert, sind wir nicht auf Ebene der Fondskonstruktion stehen geblieben und bewerten in einem eigenen Rating den "Produktekern", den Index selbst. Dabei untersuchen wir unter anderem, inwieweit das Barometer den Zielmarkt abdeckt, wie gut es diversifiziert ist, ob Dividenden reinvestiert werden und ob der Index regelmäßig überprüft wird. Die restlichen 25 Prozent machen die Emittenten- und deren Informationsqualität aus. Da haben wir uns die Websites der Banken angeschaut.

Und was haben Sie auf diesen Websites entdeckt?

Es gibt schon Unterschiede. Insgesamt ist die Qualität der Informationen aber gut bis zufriedenstellend. Vor allem die Homepages der großen Anbieter überzeugen. Vorne liegen DB X-trackers von der Deutschen Bank und die Commerzbank-Tochter Comstage, dahinter liegt Lyxor von der Société Générale. Die größten Schwächen sehen wir bei der Veröffentlichung historischer Basiswertkurse und der Zusammensetzung des zugrunde liegenden Basiswertes.

Wer liegt denn bei der Produktqualität vorn?

Da haben Comstage gefolgt von Lyxor die besten Noten erhalten. Die Commerzbank-Tochter überzeugt insgesamt durch überdurchschnittlich gute Produkte über die gesamte Breite mit nur wenigen Ausreißern.

Haben Sie auch die Nachbildungsmethoden volle Replikation mit den Indexbestandteilen und synthetische mittels Gegengeschäften, Swap genannt, unter die Lupe genommen?

Natürlich. Die Frage wird schließlich vielfach im ETF-Markt diskutiert. Schließlich existiert bei den Swap-basierten ETFs ein Ausfallrisiko der enthaltenen Derivate, die laut Richtlinie auf maximal zehn Prozent begrenzt sind. Doch auch Fonds können Derivate beimischen, so dass auch replizierende ETFs unter Umständen Derivate enthalten können. Viele ETF-Anbieter geben keine Informationen über ihre Swap-Anteile, was eigentlich Standard sein sollte. Auf der einen Seite informiert zum Beispiel DB X-trackers auf der Homepage über sein Derivate Exposure und hat damit begonnen, Swap-basierte Fonds zu besichern. Auf der anderen Seite teilt beispielsweise Lyxor die Swap-Anteile auch nicht auf Nachfrage mit.

Was ist für den Anleger besser, volle Replikation oder Swap?

Die Frage kann man so einfach nicht beantworten. Dem erhöhten Risiko durch die Derivate-Beimischung stehen generell zusätzliche Chancen in Form von geringeren Kosten bzw. im Durchschnitt leicht höherer Renditen gegenüber. Diese Aussage trifft aber nicht auf alle Anbieter zu. Laut unseren Daten sind Comstage, DB X-trackers und ETF-Lab die günstigsten Emittenten. Die ersten beiden profitieren von dem starken Einsatz von Swaps. Doch ETFLab ist ein voll replizierender Anbieter.

Wie oft werden Ihre Ratings überprüft?

Aktuell führen wir die Bewertung vierteljährlich durch. Wir prüfen allerdings, ob wir gegen Jahresende das Bewertungsintervall verkürzen und monatlich bewerten.

Was hat denn Ihre Analyse der zugrundeliegenden Indizes ergeben?

Nicht jede Markterschließung über einen Index macht Sinn. Vor allem sehr kleine und sehr spezielle Märkte machen bei der Konstruktion eines Börsenbarometers Schwierigkeiten. Bei großen Märkten gibt es zwei Probleme: Werdern nur Aktien mit einer großen Marktkapitalisierung ausgewählt, wird der Gesamtmarkt nur unterdurchschnittlich widergespiegelt. Sind viele Titel mit teilweise geringer Marktkapitalisierung im Index, kann der ETF selbst die Indexkurse beeinflussen. Kleinere Märkte werden häufig von wenigen Titeln dominiert, wodurch sich sogenannte Klumpenrisiken ergeben. Das würde bedeuten, dass nur wenige Aktien den Indexverlauf bestimmen. Daraus resultiert ein höheres Risiko für den Anleger.

Zur Person:

Sasa Perovic ist leitender Analyst Zertifikate und ETFs bei Scope Analysis. Bis 2007 war er bei der Feri Rating & Research für die Erstellung qualitativer Auftragsratings und quantitativer Analysen zuständig. Zuvor verantwortete er von 2002 bis 2006 den Bereich Fondsresearch bei derBCAAGin Bad Homburg. Konzeptionierung und Entwicklung von Portfoliooptimierungssystemen standen dort im Fokus. Perovic studierte VWL mit Schwerpunkten "Finanzen" und "Geld & Währung".

Jürgen Röder
Jürgen Röder
Handelsblatt / Redakteur Finanzzeitung
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