Interview mit Stefan Scholz, Continental
„Wir sind von börsengehandelten Indexfonds überzeugt“

Im Interview: Stefan Scholz, Leiter des Bereichs Finanzen und Eigenhandel bei der Continental AG in Hannover. Er gehört zu jenen institutionellen Investoren, die eine Pionierrolle beim Einsatz börsengehandelter Indexfonds übernommen haben. Im Gegensatz zu Branchenvertretern, die diese Produkte lediglich als Handelsinstrumente einsetzen, nutzt er ETFs auch für die Anlage von Vorsorgekapital.

Handelsblatt: Wie sieht es mit der Deckung von Pensionsverpflichtungen im Continental-Konzern aus?

Stefan Scholz: Das ist ein großes Thema, aber kurz zur Vorgeschichte. Wie andere global aktive Unternehmen haben wir Pensionsverpflichtungen, denen zum Teil Vermögenswerte zur Bedienung genau dieser Verpflichtungen gegenüber stehen. Bis vor zwei Jahren waren die entsprechenden Gelder für unsere Mitarbeiter in den USA und Großbritannien größtenteils in Aktien investiert. Zur dieser Zeit wollten wir in Deutschland unsere Bilanzstruktur verbessern. Die Pensionsrückstellungen waren hier nur in sehr geringem Umfang mit separierten Vermögenswerten gedeckt. So haben wir im Sommer 2006 rund 300 Millionen Euro in ein sogenanntes CTA eingezahlt. Der Continental Pension Trust e.V. wurde als Treuhandverein für den Zweck der Bedienung der Pensionsverpflichtungen deutscher Mitarbeiter eingerichtet. Diese Summe war für uns ein Basisinvestment.

Liegt der Schwerpunkt auf der Anleiheseite?

Da wir in den USA und Großbritannien eine höhere Aktienquote haben, haben wir die Anlage in Deutschland bewusst konservativer ausgerichtet, um auf Konzernebene zu einer optimierten Vermögensstruktur zu kommen. Hier haben wir höhere Anleiheanteile, vor allem sind das europäische Staatsanleihen. Das klingt zwar wenig interessant, bietet aber eine solide Basis. Mit dem geringeren Risiko können wir außerdem geringere Aktienrenditen verkraften. Wir haben übrigens ein Musterportfolio errechnen lassen, das uns eine 75-Prozentquote an Anleihen als optimal erscheinen ließ. Der Rest kann durchaus aus Aktien bestehen. Das sind dann jedoch Standardsegmente im Euroraum und breite Titel.

Wie haben Sie diesen Ansatz umgesetzt?

Bei europäischen Staatsanleihen sollte man kein aktives Management betreiben, denn die Indexrendite kann man kaum übertreffen. Im Aktienbereich lassen sich dagegen eher Unterbewertungen erkennen und ausnutzen. Unsere passiven Investments haben wir ausschließlich über börsengehandelte Indexfonds, also ETFs, abgedeckt. Alternativ hätten wir Spezialfonds in Kooperation mit einer Investmentgesellschaft auflegen können, aber das wäre für uns teurer und administrativ aufwändiger geworden.

Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Unsere gesamten 300 Millionen Euro waren in ETFs für Anleihen und Aktien investiert. Bis heute sind wir davon überzeugt. Ein Vorteil ist die fixe Kostenbasis. Der günstigste Anleihe-ETF kostet neun Basispunkte pro Jahr, Produkte für Staatsanleihen-Messlatten meist 15 Basispunkte. Trotz dieser Kosten erreichen die Anbieter aber oftmals eine höhere Rendite nahe der Benchmark, weil sie z.B. über das Verleihen von Wertpapieren eine kleine Zusatzrendite erzielen. Wir haben auch mit Anbietern darüber gesprochen, ob sie uns ein passives Rentenportfolio mit diesen Ertragsergebnissen aufbauen können. Das wäre schwierig geworden.

Gibt es bei den börsengehandelten Indexfonds irgendwelche Nachteile?

Wir können als Großanleger die Gebühren nicht drücken. Kein Anleger darf besser gestellt werden als die anderen. Ich sehe aber bisher keine Alternative zu ETFs. Sie sind transparent und in der Administration einfach zu handhaben - im Gegensatz zu eigenen Spezialfonds, auch solche mit aktivem Ansatz.

Verfolgen Sie überhaupt aktive Managementansätze?

Ja, bei der Verwaltung der Pensionsgelder in den USA und partiell in Großbritannien. Dort kann man u.a. mit Nebenwerten tatsächlich eine dauerhafte Mehrrendite erzielen. Das ist natürlich viel leichter als beispielsweise bei Euro-Staatsanleihen. Knapp zwei Drittel der Gelder in den USA stecken in Aktien, in Großbritannien sind es über die Hälfte. Zu Deutschland ist noch zu sagen: Die eher geringe Aktienquote und das Investment in Staatsanleihen hat sich natürlich in den Monaten der Finanzkrise bewährt.

Wie steht es um die Sicherheit?

Für die Anlagen in CTAs gibt es keine rechtlichen Vorgaben. Aber wir haben uns interne Richtlinien mit der geschilderten Priorität für Sicherheit auferlegt. Die Pensionsberechtigten haben als erste Absicherung natürlich den Pensionssicherungsverein, für den Fall, dass Continental insolvent werden würde.

Werden Sie die erwähnte Einzahlung aufstocken?

Das haben wir bereits vor eineinhalb Jahren getan, mit weiteren 330 Millionen Euro. Aber auch mit diesem zusätzlichen Kapital jagen wir keine Überrenditen. Grundsätzlich bewegen wir uns im Anleihe- und Geldmarktbereich. Zuletzt wurde dieser Teil am Geldmarkt und ein geringer Teil analog zur ersten Allokation in ETFs investiert. Im Laufe des zweiten Halbjahres wollen wir aber diesen Betrag ähnlich wie die ersten 300 Millionen Euro allokieren.

Was erwarten Sie sich vom ETF-Engagement in Zukunft?

Zunächst einmal engagieren wir uns auch weiterhin in diesem Segment. Dafür gibt es drei Gründe: Kosten, Kosten, Kosten. Außerdem schätzen wir die geringe Komplexität und die Transparenz. Ich wünsche mir allerdings, dass es in Zukunft mehr institutionelle ETF-Tranchen mit geringeren Gebühren gibt, wie bei klassischen Publikumsfonds. Da hoffe ich auf einen zunehmenden Wettbewerb der Anbieter. Wir rufen nicht nach Nischenprodukten, obwohl das ein neuer Trend ist. Beim Stichwort Market Making erkennen wir unterschiedliche Preisstellungen bei verschiedenen Produkten. Aber wir sind Anleger, keine Trader. Deshalb spielen engere oder breitere Spreads für uns nur eine nachgeordnete Rolle.

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