Interview: „Neue Fonds sind deutlich teurer“

Interview
„Neue Fonds sind deutlich teurer“

Aktiv gemanagte Fonds bieten selten einen Mehrwert für Anleger. Ein Grund für die Ratingagentur Morningstar, die relativ hohen Gebühren dieser Fonds unter die Lupe zu nehmen. Mit erstaunlichen Ergebnissen.
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Ali Marsawah hat von 10.800 aktiv gemanagten Aktienfonds die Kosten unter die Lupe genommen. Der Chefredakteur bei der Ratingagentur Morningstar Deutschland geht davon, dass die preiswerten Indexfonds den aktiv gemanagten Fonds immer mehr Marktanteile abjagen werden. Und hatte erwartet, dass die Fonds ihre Gebühren angesichts des Konkurrenzkampfes senken.

Was ist das Ergebnis Ihrer Untersuchung?
Die Kosten von aktiven Investmentfonds stagnieren auf hohem Niveau. Seit 2011 liegt die Gesamtkostenquote über alle Aktienfonds-Kategorien hinweg bei durchschnittlich 1,85 Prozent. Das ergibt seit Beginn der Finanzkrise 2007 einen leichten Anstieg. Seinerzeit lag die durchschnittliche Gesamtkostenquote bei knapp 1,8 Prozent. Die Management-Vergütung macht dabei einen Großteil der jährlichen Kosten aus.

Betrifft das denn auch neue Fonds, die erst in den vergangenen Jahren aufgelegt wurden?
Auf den ersten Blick fallen aktiv verwaltete Fonds, die erst seit 2007 auf den Markt gekommen sind, nicht aus dem Rahmen. Zumindest nicht bei den laufenden Kosten beziehungsweise bei den Managementgebühren.

Und auf den zweiten Blick?
Dann sind die neuen Fonds deutlich teurer. Die Gesamtkostenquote dieser Produkte liegt beispielsweise für die Jahre 2009 und 2010 bei 2,29 sowie 2,17 Prozent und ist im Vergleich zur Gesamtgruppe mit 1,96 Prozent höher. In den Gesamtkosten ist die Performance Fee enthalten, eine leistungsabhänge Bezahlung, die anfällt, wenn der Fonds im Vergleich zur Benchmark sich besser entwickelt.

Das ist doch eher eine gute Nachricht für Anleger, dass sich neue Fonds so gut entwickeln...
Dass diese variable Vergütung bei neuen Fonds viel stärker zu Buche schlug, lässt zwei Schlüsse zu. Entweder wiesen die neu aufgelegten Fonds Qualitäten auf, die ältere Fonds nicht besaßen und Anlegern eine Outperformance brachten. Doch es gibt auch eine alternative Deutung: Die für die Performance entscheidenden Benchmarks waren so optimiert, dass den Fonds die variablen Gebühren nur so zuflogen.

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