Interview
„Wir können in fünf bis zehn Jahren auch 100 Milliarden Euro verwalten“

Die französische Fondsverwaltungsgesellschaft Carmignac zieht in rasantem Tempo neues Kapital an. Unser Korrespondent Ingo Narat sprach mit dem Firmenmitgründer des unabhängigen Hauses über die weiteren Perspektiven - und Gefahren.
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Handelsblatt: Sie sind massiv gewachsen, jetzt bei 30 Mrd. Euro Kapital. Kann das noch dreistellig werden?

Eric Helderle:

Wir investieren weltweit, so dass es theoretisch keine Grenze gibt. Das heißt: Von der reinen Betrachtung dessen, was im Portfoliomanagement möglich ist, gibt es keine Grenze. Wir können auch 100 Mrd. Euro verwalten. Das ist kein erklärtes Ziel unseres Hauses. Aber auf Sicht von fünf bis zehn Jahren ist das durchaus realistisch. HB: Wo würde es Engpässe geben? Helderle: Wir haben unser Kapital in nur einem Jahr verdreifacht und alles getan, um solche Engpässe zu vermeiden. Das Wachstum haben wir mit den bestehenden Produkten hinbekommen. Unsere Produktpalette ist einfach und kompakt. Wir wollen auch keine neuen Produkte, werden uns auf die Blockbuster verlassen. HB: Ist jemals ein kleines Fondshaus in so kurzer Zeit so schnell gewachsen? Helderle: Möglicherweise Fidelity vor langer Zeit in den USA. HB: Fidelity ist das Stichwort für den Reinfall mit dem European Growth Fund, der in Europa sehr schnell viel Kapital anzog. Aber nach einem Managerwechsel und zeitweise schlechter Wertentwicklung zogen die Anleger viele Milliarden ab. Helderle: Unser Konzept ist ganz anders. Der Fidelity-Fonds ist ein rein europäischer Aktienfonds. Unser Hauptprodukt ist ein global investierender gemischter Fonds, ein All-Wetter-Produkt, damit weniger anfällig. HB:Im Fall Fidelity setzten viele Vertriebspartner den Fonds gleichzeitig auf die Verkaufsliste. Kann Ihnen das nicht auch passieren? Helderle: Kaum, denn wir hatten im bisherigen Jahresverlauf 12,8 Mrd. Euro Nettozuflüsse aus allen Anlegerkategorien mit einem Schwerpunkt beim Geschäft mit Privatkunden. Es sind jetzt mehr als 500 000 Investoren aus ganz Europa. Wir haben diese Gelder nahe am Tiefpunkt der Börsen im Frühjahr bekommen. Das ist sehr gut für unsere Anleger. HB: Aber wenn die Vertriebe einfach zum "Gewinne mitnehmen" raten? Helderle: Noch einmal: Wir bieten diversifizierte Fonds an, und wir können als Verwalter Krisen bewältigen - das haben wir bewiesen. Deshalb sind wir so gefragt. HB: Welche Länder sind für Sie am wichtigsten beim Absatz? Helderle: Es sind Frankreich, Deutschland und Italien, außerdem Spanien, Schweiz, Benelux und möglicherweise bald Singapur. Wir haben uns von einer kleinen französischen Firma zu einem paneuropäischen Anbieter entwickelt. Und wir kommen ohne eigenes Vertriebsnetz aus, wie das für eine Banken- oder Versicherungsfondstochter typisch ist. HB: Haben Sie jemals über einen Verkauf von Carmignac nachgedacht? Helderle: Warum? Es gibt tatsächlich regelmäßig Anfragen von interessierten Gesellschaften, aber die Arbeit macht uns sehr viel Spaß.

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