Investieren in Investmentfonds
Anleger fordern Innovationen

Die Fondsindustrie schlägt sich mit einer schwierigen Aufgabe herum: Einerseits sind viele Anleger unentschlossen und extrem risikoscheu, andererseits interessieren sich Investoren brennend für neue Themen und die komplexesten Anlagestrategien, die bislang vorrangig Sache der Profis waren.

FRANKFURT. Klassische Fondsgruppen wie Aktien- oder Rentenfonds werden weitgehend verschmäht, zeigt ein Blick auf die jüngsten Absatzstatistiken des Fondsverbands BVI. In diesem Jahr sind bisher erneut knapp zwei Milliarden Euro aus Aktienfonds und gut drei Milliarden Euro aus Rentenfonds abgeflossen. Neues Anlegerkapital erhielten hingegen vor allem Geldmarktfonds, Garantie- und Steuersparprodukte sowie börsennotierte Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF). Derzeit besonders beliebt sind auch Fonds, die das Thema Klimawandel spielen.

"Viele Anleger sind orientierungslos", erklärt sich Diana MacKay, Chefin des Londoner Researchhauses Feri FMI, die Zahlen. Sie legten ihr Geld daher auf Tages- und Festgeldkonten an, beobachtet sie. Zudem verkauften sich Sicherheit versprechende Fonds oder Trendprodukte gut. Rentenfonds werden wegen des jüngsten Anstiegs der Kapitalmarktzinsen gemieden und dem neuerlichen Aktienaufschwung trauen vor allem Private offenbar nicht.

Die Fondsanbieter reagieren auf die auseinander klaffenden Anlegerwünsche und bringen zahlreiche Produkte mit Sicherheitsnetz auf den Markt, wie Fonds mit Kapitalgarantien oder mit Derivatestrategien. Dabei versuchen die Anbieter sogar zwei Ziele mit einem Produkttypus zu erreichen: Die mit Derivaten bestückten strukturierten Produkte bieten erstens Anlegern die gewünschten Chancen, in Auf-, Abschwung und Seitwärtsphasen des Marktes Geld zu verdienen.

Zweitens hängen sich die Fondsanbieter so an den Zertifikateboom an, indem sie diese trendigen Produkte in solche strukturierten Fonds stecken. Da der Zertifikatemarkt mit rund 80 0000 Produkten ein noch dichterer Dschungel ist als der Fondsmarkt mit knapp 9 000 Fonds in Deutschland, kann es laut Experten Sinn machen, die Zertifikate-Auswahl einem Profi zu überlassen.

Die meisten der gut 50 Zertifikatefonds am Markt setzen auf die vorherrschenden Discount- und Bonuspapiere mit einem Puffer für seitwärts driftende oder leicht sinkende Aktienmärkte. Neuere Fonds kombinieren verschiedene Derivatestrategien beziehungsweise die dahinter liegenden Basiswerte Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Währungen. Das schafft neue Chancen, verkompliziert und verteuert damit aber auch die Fonds.

Nach der Halbierung des Steuerfreibetrages von Kapitalerträgen zum Jahresanfang interessieren sich Anleger zunehmend für steueroptimierte Fonds, deren Strategien vorrangig auf Anleihen basieren. Sie bilden eine Ausnahme unter den ungeliebten Bondfonds.

Klassische Aktienfonds haben seit geraumer Zeit mit Konkurrenten zu kämpfen, die immer mehr Kapital einsammeln: Den Indexfonds. Diese passiv gemanagten Fonds, die in der Regel Börsenindizes abbilden, treffen immer stärker auch den Geschmack von Privatanlegern. In den letzten 14 Monaten floss dem Anbieter Indexchange Kapital von mehr als fünf Milliarden Euro zu, während Aktienfonds insgesamt gut acht Milliarden Euro verloren.

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Wer das Aktienrisiko nicht scheut, setzt gern auf die börsengehandelten ETF. Hintergrund: Die meisten Fondsmanager schaffen es nicht, die Wertentwicklung der Börsenindizes, die sie eigentlich überbieten wollen, zu schlagen, sondern schneiden im schlimmsten Fall sogar schlechter ab. ETFs sind aber oft nicht nur besser sondern auch billiger: Es fällt kein Ausgabeaufschlag beim Kauf an, die jährliche Managementgebühr beträgt einen Bruchteil der laufenden Kosten aktiv gemanagter Fonds.

Aktien zuerst

Anleger konnten mit deutschen und europäischen Aktienfonds in den vergangenen Jahren im Durchschnitt jährlich Wertzuwächse im zweistelligen Bereich erzielen. Bei Rentenfonds verbesserte sich die Situation in den vergangenen Monaten endlich wieder. So übertrafen die Zinseinnahmen vielfach wieder die kurzfristigen Kursverluste.

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