Investitionen
Anleger geben Verwaltern den Laufpass

Institutionelle Anleger sind von ihren Asset-Managern enttäuscht. Die Unzufriedenheit wächst. Experten erwarten, dass viele Verwalter ausgetauscht werden. Es geht um einen Markt von rund 937 Milliarden Euro.

FRANKFURT. Die Finanzkrise hat viele enttäuschte Investoren zurück gelassen. "Deshalb erwarte ich ein Jahr des Wechsels, in dem Investoren etwa auf der Aktienseite ihre Verwalter austauschen", sagt Simon Davis, Chef der Fondsgesellschaft Threadneedle. Ähnlich sieht es Herwig Kinzler, Leiter des Bereichs Investment Consulting bei der Beratungsfirma Mercer in Deutschland: "Verwalter werden stärker geprüft und auch ausgetauscht, das sehe ich als Trend."

Es geht um einen Markt von rund 937 Mrd. Euro in Deutschland. Einen großen Teil davon verwalten Anlagegesellschaften in den für institutionelle Adressen wie Unternehmen, Altersvorsorgeeinrichtungen, Banken oder Versicherungen aufgelegten Spezialfonds. Einen kleineren Teil betreuen die Asset-Manager außerhalb dieser rechtlichen Hülle in Form sogenannter freier Mandate.

Fachleute erkennen mehrere Gründe für die Unzufriedenheit. Viele aktive Verwalter für Aktien und Anleihen haben nicht nur absolut schlecht abgeschnitten, sondern auch noch geringere Erträge erzielt als ihre Vergleichsindizes. Darüber hinaus sind manche Investoren der Euphorie für komplexe Produkte aufgesessen, die kaum noch liquide sind und höchstens mit großen Verlusten veräußert werden können. "In der Konsequenz ist der Risikoappetit der Anleger völlig geschwunden, zumindest auf absehbare Zeit", analysiert Davis.

Hier sieht Frank Wehlmann als Leiter der Ratingagentur Telos den Motor für die steigende Handlungsbereitschaft der Investoren. "Viele Mandate werden aufgelöst und die Mittel am Geldmarkt zwischengeparkt, bevor sie später einem anderen Verwalter anvertraut werden", sagt der Mann aus Wiesbaden. Der Telos-Chef spricht von einem "Wechsel auf Raten". Er wagt sogar eine Schätzung für das auf Neuanlage wartende Geld: "Das dürften mindestens 40 Milliarden Euro sein."

Etwas zurückhaltender ist Arnd Thorn, Vorstand von Feri Finance und zuständig für institutionelle Kunden. Er sieht den Markt erst in der Frühphase dieses Trends: "Das wird stärker im zweiten Quartal einsetzen, die Welle kommt aber in diesem Jahr."

Der Rückzug der Investoren hat viele Facetten. "Es gibt eine stärkere Konzentration auf Bonds", sagt Kinzler. Teilweise gehen die Institutionellen noch weiter und steuern diese Mittel in Eigenregie. So sagt Frank Umlauf, Geschäftsführer von Tajdo Consulting: "Ein Investor hat seine Spezialfonds für Aktien und andere Anlagen verkauft, er macht jetzt nur noch Anleihen, hat also zumindest temporär den Verwalter aufgegeben."

Ein Beispiel für den sich abzeichnenden Trend ist auf der Bondseite die Pensionskasse für die Deutsche Wirtschaft mit 1,2 Mrd. Euro Anlagevolumen. "Die Rentenfondsmanager haben sich nicht mit Ruhm bekleckert", sagt Bernd Walgenbach, Vorsitzender des Vorstands. Er zählt zu den Enttäuschten: "Wir werden jetzt viele Dinge selber machen." Walgenbach spricht von einer gemäßigten Anpassung. Ein Fünftel des Kapitals sei fremdverwaltet. Fünf Prozent dieses Teils habe er schon zurückgeholt, noch einmal soviel werde folgen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%